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Heimatgeschichte

Wie der Wolf auf den Kirchturm von Steinmocker kam

Steinmocker / Lesedauer: 3 min

Um das Jahr 1669 herum waren Wölfe in Vorpommern zu einer „entsetzlichen Plage“ geworden. Die schwedische Regierung rückte dem Problem mit Prämien für getötete Tiere zu Leibe. 
Veröffentlicht:30.11.2023, 18:09

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Der Wolf ist zurück in Vorpommern und spaltet die Gemüter wie wohl kaum ein anderes Tier. Allerdings war Isegrim auch schon früher kein Unbekannter in der Region und hat dort auch Spuren hinterlassen. So auch auf der Spitze des Turms der Kirche in Steinmocker, wo die Wetterfahne die Gestalt eines Wolfes hat. Aber wie ist das gekommen?

Wappen von dramatischem Erlebnis inspiriert?

Der Sage nach soll ein Herr von Winterfeldt einst auf einem Feld einem Wolf begegnet sein. Flugs soll sich der Mann in Getreidegarben versteckt haben und so von dem Tier verschont geblieben sein. Zur Erinnerung an dieses Erlebnis habe der Herr dann den Wolf und zwei Getreidefarben in sein Wappen aufgenommen, heißt es. Und da die Familie von Winterfeldt nicht nur Herr über das Gut Steinmocker war, sondern auch das Patronat über die Kirche innehatte, landeten Wolf und Garben wohl auf dem Kirchturm, wo sich zumindest das Tier bis heute gehalten hat.

Das Patronat über die Kirche in Steinmocker hatte lange die Familie von Winterfeldt inne. Daher zierte wohl auch ihr Wappen die Wetterfahne auf dem Turm.
Das Patronat über die Kirche in Steinmocker hatte lange die Familie von Winterfeldt inne. Daher zierte wohl auch ihr Wappen die Wetterfahne auf dem Turm. (Foto: Matthias Diekhoff)

Tatsächlich waren die von Winterfeldts über Jahrhunderte die Herren in Steinmocker und ihr Wappen zierte ein Wolf und eine Getreidegarbe. Das Wappen soll das alte märkische Adelsgeschlecht aber schon getragen haben, als es im 13. und 14. Jahrhundert nach Vorpommern kam und dort in mehreren Orten ansässig wurde.

Wahr ist aber auch, dass in früheren Zeiten Wölfe in der Region zu Hause waren und nicht selten zum Problem wurden. So gibt es in den „Mittheilungen aus dem Naturwissenschaftlichen Verein von Neu-Vorpommern und Rügen“ des Jahres 1874 einen Beitrag mit dem Titel: „Nachrichten über das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus.) im ehemaligen Schwedischen Anteil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert“. Darin hießt es, dass die Wölfe um das Jahr 1669 zu einer „entsetzlichen Plage“ geworden waren, sodass die Regierung im Jahr 1670 beschloss, dem Problem zu Leibe zu rücken. Für jeden getöteten Wolf und Luchs wurde eine Prämie von drei Reichstalern ausgelobt. Das allerdings nur gegen Vorlage eines Kopfes, einer Pfote und eines Scheins, auf dem bestätigt war, wann und wo das Tier getötet wurde.

Landbesitzer und Schäfer mussten zahlen

Das zeigte zunächst Wirkung. Bis zum Juli 1672 seien im damaligen Schwedisch Pommern - das in etwa dem heutigen Vorpommern entspricht - vier Luchse und insgesamt fast 250 alte und junge Wölfe getötet worden, heißt es in dem Bericht. Allein im „Anklamschen Destrict“ seien es zwei Luchse und 28 Wölfe gewesen und im „Wolgaster Destrict“ nördlich der Peene sogar 43 Wölfe. Eine wesentliche Verminderung der Bestände folgte daraus jedoch offenbar nicht. Bereits im Dezember des Jahres 1672 wurde das nächste „Wolfs-Patent“ erlassen. Weitere sollten folgen.

Festgelegt wurde mit den Erlassen auch, dass Landbesitzer und Schäfer eine Steuer zu entrichten hatten, um die Prämie für die getöteten Wölfe auszahlen zu können. Das alles wurde natürlich akribisch notiert. Und so tauchen auf der Liste der Prämienempfänger auch Einwohner von Steinmocker auf. So wie Ephraim Hermann im Jahr 1670 und Ernst Pieper im Jahr 1672. Beide hatten jeweils einen Wolf getötet und dafür drei Reichstaler bekommen.