Notarzt

Wie lange darf der Notdienst brauchen?

Spantekow / Lesedauer: 3 min

15 bis 23 Minuten – so lange brauchte die Notfallrettung durchschnittlich bei den Einsätzen in der Gemeinde Spantekow im vergangenen Jahr. Viel zu lange findet Matthias Manthei (Freie Wähler).
Veröffentlicht:20.05.2019, 10:21
Aktualisiert:06.01.2022, 14:22

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Auf den ersten Blick sind es schockierende Zahlen, die eine schriftliche Anfrage bei der Kreisverwaltung durch Matthias Manthei (Freie Wähler) ergeben haben: Bei den 71 Einsätzen, die die Notrettung im vergangenen Jahr in den elf Ortsteilen der Gemeinde Spantekow gefahren ist, brauchte diese im Durchschnitt knapp 20 Minuten.

Viel zu lang, findet der Politiker, der die Anfrage bereits vor einem Jahr für 2016 und 2017 gestellt hatte. Durch diese Werte zeigt sich auch: Die Ankunftszeiten der Krankenwagen hat sich nicht verbessert. Im Gegenteil, sie brauchen im Schnitt sogar drei Minuten länger als noch 2016. Besonders schlecht sind die Eintreffzeiten in den Ortsteilen Janow, Japenzin und Rehberg.

Gesetzlich vorgeschriebene Frist bei zehn Minuten

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist, also die Zeit zwischen dem Notruf in der Zentrale und dem Eintreffen der Rettungskräfte vor Ort, bei zehn Minuten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich bei dieser Zeit um den Durchschnitt über das Jahr gerechnet, also Sommer und Winterzeit handelt und in dieser Zeit auch kein Unterschied zwischen dem urbanen und ländlichen Raum gemacht wird.

Für Manthei sind das keine Ausreden: „Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich, egal ob sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen. Die Bürger im ländlichen Raum sind keine Bürger zweiter Klasse,“ erklärt er und fordert, dass der Kreis dem entgegenwirkt, etwa mit einer zusätzlichen Rettungswache im Raum Spantekow.

Vier Rettungswachen verteilt auf zwei Kreise

Die Gemeinde ist besonders betroffen, da sie an den Grenzgebieten von gleich vier Rettungswachen liegt, die verteilt sind auf zwei Kreise, nämlich Anklam und Jarmen im Kreis Vorpommern-Greifswald und den Rettungswachen Friedland und Altentreptow im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. In der schriftlichen Erläuterung der kleinen Anfrage heißt es dazu von der Kreisverwaltung: „Trotz täglich praktizierter Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen ergeben sich daher zwangsläufig höhere durchschnittliche Hilfsfristen als in anderen Regionen unseres Landkreises.“

Der Pressesprecher des Kreises, Achim Froitzheim widerspricht den Anschuldigungen auf Anfrage des Nordkuriers vehement: „Der Rettungsdienst im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist strukturell wie technisch solide aufgestellt und entsprechend leistungsfähig.“ Zudem gebe es im Kreis weitere innovative Ansätze, wie die Landretter und den Telenotarzt, mit denen der Kreis eigene Schritte unternehmen würde, um Betroffenen noch besser zu helfen, wie Froitzheim weiter ausführt.

Zuständigkeit für 4000-Quadratkilometer-Kreis

Er weist zudem darauf hin, dass eine punktuelle Betrachtung in einem Zuständigkeitsgebiet, wie dem des Kreises, dass knapp 4000 Quadratkilometer umfasst, keinen brauchbaren Erkenntnisgewinn bringen würde. „Außerdem wird der gesamte Rettungsdienst in MV zurzeit überplant und somit die landesweite Struktur auf dem Prüfstand gestellt. Bei dieser Analyse werden Bereiche, welche Änderungsbedarfe aufweisen, erfasst und bei der Planung berücksichtigt.“

Wann diese Überplanung von Seiten des Landes jedoch abgeschlossen und erste Ergebnisse in die Tat umgesetzt werden, ist noch nicht klar. Dafür ist die Planung noch in einem zu frühen Stadium, so Froitzheim.