Vorpommerns Fische
Wo Pomuchel und Mäusebeißer durchs Wasser gleiten
Vorpommern / Lesedauer: 4 min

Die berühmte „Lubinsche Karte“ von 1618 ist nicht nur die erste vollständige Karte des Herzogtums Pommern. Sie gilt bis heute auch als ein Meisterwerk kartographischer Kunst und als eine solide Quelle historischen Wissens. Denn neben dem, was eine Landkarte eigentlich ausmacht, befinden sich darauf noch viel mehr Informationen. So unter anderem der Stammbaum der Greifen-Dynastie, die Wappen Hunderter Adelsfamilien sowie eine Beschreibung der Geschichte und Wirtschaft des damaligen Herzogtums.
Wobei die Fischerei wohl eine besondere Rolle gespielt haben muss. Denn auf der Karte sind speziell Dutzende von Fischarten aufgeführt, die es damals gegeben haben soll. Einige der Namen sind den heutigen ganz ähnlich, andere klingen altertümlich und die einige wiederum bleiben völlig rätselhaft.

Viele Namen für den Dorsch
Wie die Liste zustande gekommen ist, ist heute nur noch schwer zu sagen. Gut möglich, dass sich der Schöpfer der Karte, der Rostocker Gelehrte Eilhard Lubinus, und seine Gehilfen die Namen der Fische notiert haben, die sie bei ihren Vermessungsarbeiten in ganz Pommern erfragt oder aufgeschnappt haben könnten. So zumindest wäre zu erklären, dass einige Fischarten dort mehrmals auftauchen – immer unter einem anderen Namen. Wie zum Beispiel der Dorsch. Mal heißt er in der Aufzählung „Dors“, mal „Kabbelow (Kabeljau)“ oder auch „Pommuchln“. Letzterer Name hat offensichtlich große Ähnlichkeit mit „Pomuchel“, wie der Dorsch im östlichen Teil von Pommern und auch noch in Danzig genannt wurde.
Andere Fische in der Liste wiederum scheinen damals wie heute nur eine Gastrolle in den pommerschen Gewässern gespielt zu haben. Wie zum Beispiel der „Potfisch“, also – eigentlich ein Säugetier – der Pottwal oder der Schwertfisch. Dass sich solche Tiere in die Ostsee verirren, kommt zwar nicht häufig, aber immer wieder mal vor. Erst im Sommer des vergangenen Jahres wurde vor Wismar ein Schwertfisch aus dem Wasser gezogen.
Auch Schweinswal einst zu den Fischen gezählt
Zudem tauchen auf der Liste auch noch weitere Tiere auf, die eigentlich keine Fische sind. So unter anderem der Schweinswal, dort aufgeführt als „Brunfisch“ und „Mehrswin“. Oder auch Krebse, Muscheln, Schlangen und Frösche („Poggen“). Schließlich werden auch noch Tiere aufgezählt, bei denen auf den ersten Blick nicht ganz klar ist, worum es sich handeln könnte. Wie zum Beispiel „Bibeln“, „Gesen“, „Gutzen“, „Parmen“, „Pitzcorn“, „Schopen“, „Wolkutze“ oder „Zutschen“.
Gut möglich, dass es sich dabei um regionale Bezeichnungen für Fische handelt, die unter einem anderen Namen bekannter sind. Der Döbel zum Beispiel werde von einigen Fischern in der Region auch „Dickkopf“ genannt, weiß Torsten Brandl, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Ostvorpommern. In der Aufzählung der Lubinschen Karte ist der Döbel aber auch als „Musebiter (Mäusebeißer)“ verzeichnet.
Letztendlich bleiben auf der Liste aber immer noch Dutzende Fischarten übrig, die es vor gut 400 Jahren in Pommern gegeben hat – und die es heute auch immer noch oder in Einzelfällen schon wieder gibt, wie Torsten Brandl zumindest für sein Revier, zu dem auch die Peene gehört, bestätigen kann. In den kommenden Wochen und Monaten sollen diese Fischarten in einer Serie etwas näher vorgestellt werden. Unter anderem, wo und wie häufig die jeweilige Art vorkommt oder welche Besonderheiten und Merkmale sie hat.
Und vielleicht gibt es ja Angler, die Geschichten zu erzählen oder Fotos zu zeigen haben, die mit diesen Fischen zu tun haben. Diese Petrijünger können sich gerne melden. Beginnen wird die Serie erwartungsgemäß mit einem ganz besonderen Fisch: dem Aal.
