Tag des offenen Denkmals

Zeig mal! So wird eine Schlossruine gerettet und so wird Butter gestampft

Broock, Sophienhof / Lesedauer: 4 min

Auch am mittleren Peene- und Tollensetal gibt es am Sonntag einiges zu erleben. Das reicht von der großen Broocker Schlossanlage bis zur kleinen Heimatstube Sophienhof.
Veröffentlicht:08.09.2023, 18:19

Von:
  • Stefan Hoeft
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Ein „Tag des offenen Denkmals“ scheint inzwischen ohne Broock als Anlaufpunkt kaum noch denkbar. Und so sind die Gutsanlage am Tollensetal und ihre Berliner Besitzer samt lokalen Mitstreitern auch 2023 wieder mit von der Partie, wenn das Motto dieser bundesweiten Aktion unter den Fittichen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nun „Talent Monument“ lautet. Zumal sie bereits gezeigt haben und es in Zukunft noch verstärkter tun wollen, was für ein Multitalent dieses Gebäudeensemble mit dem lange als Bauruine dahinsiechenden ehemaligen Schloss darstellt, wenn es um die Nutzung sowie Innen– wie Außenwirkung für die Region geht.

Einblicke in die „schillernde Vergangenheit“

„Das Broocker Schloss mit seinem Gutshof und Lenné-Park hat als 'Denkmal von besonderer nationaler Bedeutung' längst sein Talent als Monument bewiesen: Trotz der über 40 Jahre Leerstand und des verheerenden Verfalls überzeugte das Schlossgut, dass man es nicht aufgeben muss, wie es viele vor 2017 getan haben“, schreibt denn auch Christian Schmidt als Projektleiter der Schloss Broock GmbH & Co. KG in seiner Einladung für den Denkmalstag an diesem Sonntag, 10. September, von 11 Uhr bis 18 Uhr. „Geboten werden wieder aktuelle Informationen zum Stand der Dinge auf der größten Gutshaus-Baustelle in Mecklenburg-Vorpommern sowie Einblicke in die reiche Geschichte des ehemals größten vorpommerschen Privatgestüts mit seiner schillernden Vergangenheit.“

Im Parterre des Broocker Schlosses gibt es mehrere Ausstellungen, unter anderem zum Lenné-Park und zu Fundstücken.   (Foto: Stefan Hoeft)

So warten auf die Besucher beispielsweise mehrere Ausstellungen, unter anderem mit zahlreichen Fundstücken, die bei den Arbeiten in und um das Schloss entdeckt beziehungsweise von Leuten aus der Umgebung zur Verfügung gestellt wurden – oftmals verbunden mit interessanten Geschichten.

Natürlich dürfen zu diesem Anlass die beliebten Baustellenführungen nicht fehlen, bei denen die Gäste die jüngsten Baufortschritte bei der Rettung und dem Ausbau des einst herrschaftlichen Anwesens unter die Lupe nehmen können – vom Keller bis zum Dach. Sie finden von 13 Uhr bis 16 Uhr zu jeder halben Stunde statt, überdies laufen um 14 Uhr und 16 Uhr Führungen über den Gutshof und durch den Park.

Projekt für Blasmusiker im Visier

Auch das „Kulturprogramm“ wird dem Talente-Gedanken gerecht, denn um 15 Uhr spannt das Bläsertrio „Trimana“ bei seinem Konzert im Gartencafé des Broocker Dorfladens, der für die kulinarische Versorgung verantwortlich zeichnet, einen musikalischen Bogen von Klassik bis Pop. Die Musiker gehören zum Netzwerk der „jungen norddeutschen philharmonie“ (jnp), die schon zuvor mehrmals Gast in Broock war.

Im Herbst 2024 soll es dort sogar eine Zusammenkunft zur Bildung eines sinfonischen Blasorchesters geben, das sich mit einem vielversprechenden Repertoire auch auf die Ursprünge dieser Instrumentalmusik rückbesinnen möchte, kündigt Christian Schmidt an. „Dazu möchten wir Ensembles und Solisten aus der näheren und weiteren Umgebung von Broock einladen, die Blasmusik spielen, gemeinsam mit der jnp zu musizieren.“ Ein erstes Treffen mit Informationen zu dem Projekt und zur Abstimmung steht an diesem Sonntag um 16 Uhr in der Reithalle der Gutsanlage an. 

Hereinspaziert: Auch zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals lädt die Heimatstube Sophienhof wieder zur Besichtigung ein, dann sogar mit Vorführungen am Spinnrad und Butterfass. (Foto: Stefan Hoeft)

Kaffee, Kuchen und altes Handwerk 

Den Tag des offenen Denkmals greift übrigens auch die kleine und von außen eher unscheinbare Heimatstube im Loitzer Ortsteil Sophienhof auf, selbst wenn sie in der offiziellen Teilnehmerliste des Aktionstages fehlt. Schließlich umfasst die Talente-Motto-Beschreibung der Stiftung Denkmalschutz auch das ehrenamtliche Engagement, ohne das vieles gar nicht möglich wäre. Und dafür sind jene Damen des Dorfes, die sich als Pommernmädchen bezeichnen und alles am Laufen halten, wohl ein ziemlich gutes Beispiel. Sie laden für den 10. September von 13 Uhr bis 18 Uhr alle Interessierten zu Kaffee und Kuchen und vor allem zu einer Reise in die Vergangenheit der Groß- und Urgroßeltern ein – beim Stöbern in der landwirtschaftlichen Ausstellung und einigen Vorführungen. So soll wie anno dazumal Butter gestampft und das Spinnrad betrieben werden.