StartseiteRegionalAnklam▶ Zinzower Schnaps-Brennerei will Apotheker unterstützen

Corona-Krise

▶ Zinzower Schnaps-Brennerei will Apotheker unterstützen

Zinzow / Lesedauer: 3 min

Im vorpommerschen Zinzow, der Geburtsstätte edler Obstbrände und Liköre, soll es jetzt auch was für Apotheker geben. Eigentlich. Den Fachleuten für Hochprozentiges geht aber alles viel zu langsam.
Veröffentlicht:29.03.2020, 06:27

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Der Neubrandenburger Apotheker Axel Pricken fühlt sich herausgefordert. In Zeiten steigender Corona-Infektionen noch mehr als sonst. Denn dem Fachmann für Arzneien rennen die Leute die Tür ein. Arztpraxen und Pflegeheime zum Beispiel, händeringend bitten die Leute den promovierten Pharmazeuten um die Herausgabe von Desinfektionsmitteln. Nie war Händewaschen wichtiger. Aber Desinfektionsmittel sind Mangelware.

Industriebetriebe helfen in der Krise

Wie einige andere Apotheker auch hilft sich Pricken selbst – und hat 20 Liter Ethanol, der wichtigste Grundstoff, aus der Zuckerfabrik in Anklam abgeholt. Die Anklamer verkaufen den Industriealkohol, aus dem Baumarkt besorgte sich Pricken einen Wasserkanister, kippte das Wasser aus und ließ sich 20 Liter des hundertprozentigen Alkohols abfüllen. Was die Anklamer schon machen, versuchen auch die Leute von der Gutsbrennerei Zinzow.

Kaum noch Käufer in der Brennerei

Gerade haben Brennmeister Thomas Neubert und sein Chef Veit Vielhaber 300 Liter Alkohol an Apotheken weitergegeben. Eigentlich ein wichtiger Grundstoff für die Herstellung der edlen Obstbrände und Liköre in dem vorpommerschen Grenzdorf, nur wenige Hundert Meter vom beide Landesteile trennenden Landgraben entfernt. Aber auch die Brenner haben es im Moment schwer. In Zeiten der vorgeschriebenen Kontaktarmut komme kaum jemand vorbei, um Zinzows aromatischen Schnaps zu kaufen. Noch tröpfelt frischer Zitronengeist aus der Destillieranlage, aber Brennmeister Neubert bangt schon, bald in Kurzarbeit gehen zu müssen. Die Lager sind voll, zu normalen Zeiten brennen die Zinzower jedes Jahr Brände und Liköre für rund 12 000 Flaschen – und werden die auch gut los. Aber gerade kommt eben niemand vorbei.

Gesetze verhinderten die schnelle Hilfe

Dabei hätte Thomas Neubert genug zu tun – wenn die Zinzower mehr Ethanol hätten, um den an die Apotheker weiter reichen zu können. Vorausschauend hatte Vielhaber zwar schon vor etlichen Wochen 1000 Liter bei seinem Stammlieferanten in der Lutherstadt Wittenberg bestellt. Aber als sie beschlossen, auf die Produktion geistiger Getränke daraus zu verzichten und das besser Apotheken für die Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verfügung zu stellen, war ihnen das zunächst verboten. Der Zoll schob einen Riegel vor, wegen der Alkoholsteuer. Erst seit drei Tagen ist die aufgehoben – jedenfalls beim Weiterverkauf an Apotheken.

Der Alkohol wird knapp

Aber jetzt hapert es am Grundstoff, den sie gerne fertig portioniert an Apotheker weitergeben würden. Die Anklamer Fabrik gibt den Grundstoff nur an Apotheker ab, die sich persönlich vor Ort mitgebrachte Flaschen und Kanister abfüllen – und woanders ist Ethanol gerade nicht zu haben. Dabei würden sich Apotheker wie der Neubrandenburger Axel Pricken gern auf die kürzere Reise nach Zinzow begeben, um sich den hier schon abgefüllten hochprozentigen Grundstoff gegen Vorlage ihrer Apothekenbetriebserlaubnis steuerfrei abzuholen.

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