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Filmland Brandenburg

100 produzierte Filme und eine Uckermärkerin bei der Berlinale

Potsdam / Lesedauer: 3 min

Mehr als 100 Filme wurde 2023 in Brandenburg gedreht. Einer steht nun besonders im Rampenlicht.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:37

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Für die Uckermärkerin Laila Stieler beginnt eine spannende Woche: Denn der nach ihrem Drehbuch vom Potsdamer Regisseur Andreas Dresen produzierte Film „In Liebe, Eure Hilde“, der das Leben der Widerstandskämpferin Hilde Coppi erzählt, hat auf der Berlinale seine Weltpremiere. Der einzige Brandenburger Film im Wettbewerb um den Goldenen Bären „erzählt eine Geschichte von hier, aus Berlin und Brandenburg“, sagte Stieler am Montag bei der jährlichen Pressekonferenz der Brandenburger Filmförderung in Potsdam. Denn die Widerständler aus der Zeit des Nationalsozialismus seien auch viel in Brandenburg unterwegs gewesen, und sei es „zeltend oder badend am See. Wir erzählen eine Geschichte über Menschen, nicht über Kämpfer oder Helden“, sagt Stieler. „Über Menschen, die etwas besitzen, über das wir in dieser Zeit auch verfügen sollten, nämlich Anstand.“

Regisseur Andreas Dresen störte sich deswegen auch an der Ausladung der Abgeordneten der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführten AfD von der Berlinale. „Gerade den AfD-Abgeordneten würde ich wünschen, dass sie bei unserem Film besonders aufmerksam zugucken. Ich war elf Jahre Verfassungsrichter im Land Brandenburg, da werden Sie nicht von mir erwarten, dass ich es gut finde, dass gewählte Abgeordnete ausgeladen werden“, sagte Dresen. „Es gibt den Gleichheitsgrundsatz: Wenn man Abgeordnete als Kontingent zur Berlinale einlädt, sollte das auch für Abgeordnete der AfD gelten, alles andere stärkt diese Partei in ihrer Opferrolle.“

Filme ins Zentrum stellen

Ohnehin sei es wichtiger, im Zusammenhang mit der Berlinale über den Film zu reden – „und nicht einer Partei schon wieder eine Plattform zu bieten, die sie eigentlich nicht haben sollte“, betonte Dresen.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg mehr als 100 Filmproduktionen gedreht. „Die Filmwirtschaft lebt in Brandenburg“, sagte Wirtschaftsminister Professor Jörg Steinbach (SPD). Wobei die regionale Verteilung der Filmproduktionen weiter höchst unterschiedlich ist: Während deutlich mehr als die Hälfte aller in Brandenburg produzierten Filme in Potsdam und Potsdam-Mittelmark abgedreht wurden, fanden nur die Produktionsteams der TV-Serie „Dr. Ballouz“, des TV-Films „Ende der Unschuld“ und des Spielfilms „Pascals Reise ins Glück – Operation Germanenkind“ ihren Weg in die Uckermark. In der Prignitz fanden 2023 gar keine Filmaufnahmen statt.

Reform der Filmförderung gefordert

Am Montag hob Steinbach deswegen erneut die Bedeutung der Filmförderung des Bundes für die Filmindustrie in Brandenburg hervor. „Es bleibt ein offener Punkt, dass das System der Filmförderung auf Bundesebene umgestellt werden muss.“ Derzeit werde im Bund ein Steuerbegünstigungsmodell erarbeitet. Dies sei aber auch nötig, um auf Augenhöhe mit anderen Ländern zu kommen, die im internationalen Wettbewerb um Produktionen bessere Bedingungen als Deutschland böten.

Ähnlich äußerte sich auch die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus. Obwohl das Medienboard im vergangenen Jahr 35 Millionen Euro an Filmfördermitteln ausschüttete, von denen knapp 25 Millionen Euro in die Produktionsförderung gingen, erlebte man auch im vergangenen Jahr, dass viele Produktionen nach Prag oder Budapest abwanderten. „Das kann man nur verhindern, indem man ein attraktives Fördermodell auf der Bundesebene macht“, sagte Niehuus. „Wir warten dringend darauf, dass Claudia Roth während der Berlinale erklärt, wie es weitergeht.“

Eindimensionales Bild von Brandenburg

Freilich ist für den Erfolg der Filmbranche im Land auch entscheidend, wie sich Brandenburg als möglicher Drehort für Regisseure und Filmteams präsentiert: Ein Trailer des Medienboards zeigte die Region als gemütliche, ruhige Idylle, mit Urlaubsbildern am See. Und Wirtschaftsminister Steinbach wurde anschließend deutlich: „Das wollen wir auch sein, das ist aber nicht das Bild vom Land Brandenburg, das wir vermitteln wollen“, sagte Steinbach. „Das ist ein beredter Ausdruck dessen, dass es noch keine Durchdringung mit dem gegeben hat, was Brandenburg zu bieten hat.“