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Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht: Jagdverband sieht Chance

Potsdam / Lesedauer: 3 min

Immer wieder gibt es Ärger um das Jagdgesetz. Reformpläne des Ministeriums ecken an. Verbände sehen nun eine Chance, beim Dauerstreitthema Wolf eine Änderung zu erzielen.
Veröffentlicht:15.07.2023, 09:13

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In der hitzigen Debatte um Änderungen am Jagdgesetz dringt der Landesjagdverband in Brandenburg darauf, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Geschäftsführer Kai Hamann sagte der dpa, er sei nach Gesprächen zuversichtlich, dass CDU und SPD die Forderung jetzt auch unterstützten. Das Jagdgesetz soll nach zwei gescheiterten Versuchen von Agrar– und Forstminister Axel Vogel (Grüne) in einer abgespeckten Version novelliert werden, löst aber weiter Streit aus. Das Ministerium teilte mit, der Koalitionsvertrag sehe eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht nicht vor.

Eine geplante Sitzung des Jagdbeirates zur Beratung über den Jagdgesetzentwurf platzte vor einigen Tagen, weil es einen Formfehler und unterschiedliche Fassungen des Papiers gab. „Minister Axel Vogel spielt mit mehreren Gesetzesentwürfen und verwirrt alle Beteiligten“, hatte Bauernpräsident Henrik Wendorff vor wenigen Tagen kritisiert. Das Ministerium teilte mit: „Die dadurch entstandenen Irritationen bedauern wir ausdrücklich.“ Ziel einer Jagdgesetz–Reform ist es, die Baumschäden durch Wild zu senken, um Mischwälder beim Waldumbau zu schonen.

Der Landesbauernverband beantragte eine Vertagung der Jagdbeirats–Sitzung und erhofft sich nun ebenso wie der Jagdverband, noch Forderungen zum Umgang mit dem Wolf durchsetzen zu können. „Ich schlage vor, dass das Ministerium die entstandene Denkpause nutzt, um im Gesetzesentwurf eine weitere Änderung vorzunehmen, die wirklich sinnvoll ist: Der Wolf sollte als bejagbare Art in das Jagdgesetz aufgenommen werden“, so Verbands–Präsident Wendorff.

Die Sitzung des Jagdbeirates, der zum Gesetzentwurf gehört werden muss, soll nun in den späten August verlegt werden. In dem Gremium sitzen Vertreter der Landwirtschaft, der Jägerschaft, des Waldes und von Naturschutzverbänden. Zu den Plänen für ein geändertes Jagdgesetz sagte der Geschäftsführer des Jagdverbandes, Hamann: „Wir sind alle gespannt, ob der Verfahrensweg eingehalten wird und es noch in dieser Legislaturperiode beschlossen wird.“

Es sei dringend nötig, den Wolfs–Bestand in Brandenburg zu verringern. „Es ist zu viel Zeit des Zuschauens vergangen. Man muss die Probleme endlich in Angriff nehmen“. Der Dialog mit dem Agrar– und Forstministerium werde daher weitergehen. CDU und SPD — die Koalitionspartner der Grünen — hätten „die Zeichen der Zeit“ erkannt, sagte Hamann.

Auch mit der Aufnahme ins Jagdrecht soll weiter die ganzjährige Schonzeit gelten — das heißt, der Wolf wird nicht aktiv bejagt, wie Hamann sagte. Bei Problemwölfen etwa solle aber ein Abschuss leichter möglich sein als bisher über behördliche Ausnahmegenehmigungen. „Man kann dann leichter eingreifen.“

Der Agrarausschuss–Vorsitzende, Wolfgang Roick (SPD), hatte bereits gesagt, er könne sich vorstellen, dass der Umgang mit Wölfen im Jagdgesetz aufgenommen werde. Derzeit ist dies in einer Wolfsverordnung geregelt. Die Maßgabe solle sein, dass ein Abschuss weiter die Ausnahme bleibe.

Wölfe reißen immer wieder landwirtschaftliche Nutztiere, die auf Weiden gehalten werden. Hamann berichtete auch von Sichtungen von Wölfen in der Nähe von Wohngebieten. Im deutschlandweiten Vergleich leben in Brandenburg die meisten Wölfe. Im Wolfsjahr 2021/2022 (umfasst den Zeitraum 1. Mai bis 30. April des Folgejahres) gab es nach Angaben des Umweltministeriums mindestens 47 Rudel und 14 Paare. Der Wolf ist eine streng geschützte Art. Es gibt seit langem auch Forderungen, ihn ins Jagdrecht aufzunehmen.