StartseiteRegionalBrandenburgBauernbund will nach Wolfsangriff Stopp für Herdenschutz

Zwei Schafe gerissen

Bauernbund will nach Wolfsangriff Stopp für Herdenschutz

Lenzen / Lesedauer: 2 min

Am Elbdeich bei Lenzen in Brandenburg sollen Wölfe zwei Schafe getötet haben – obwohl Schutzhunde die Herde bewachten. Der Bauernbund fordert nun Schutzjagd statt Schutzprogrammen.
Veröffentlicht:29.07.2018, 16:51

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Am Elbdeich bei Lenzen in Brandenburg sollen Wölfe am Wochenende zwei Schafe gerissen haben, obwohl die Herde mit insgesamt etwa 300 Tieren durch Herdenschutzhunde bewacht wurde. Der Bauernbund Brandenburg hat die Landesregierung in Potsdam deshalb aufgefordert, alle Herdenschutzprogramme zu stoppen und stattdessen die Schutzjagd auf Wölfe nach dem skandinavischen Modell zuzulassen.

„Wir halten immer schärfere Hunde und bauen immer höhere Zäune, aber das interessiert doch den Wolf nicht, wenn er Hunger hat”, erklärte der Wolfsbeauftragte des Bauernbundes, Frank Michelchen, am Sonntag. „Wir müssen uns endlich eingestehen, dass der einzige funktionierende Herdenschutz weniger Wölfe sind.”

Die angegriffene Herde habe eine Fläche beweidet, die von einem Zaun aus 90 Zentimeter hohen Elektronetzen umgeben sei und von drei zertifizierten, vom Land geförderten Herdenschutzhunden bewacht werde. Die Pyrenäenberghunde hatte sich der Schäfer nach Angaben des Bauernbundes angeschafft, nachdem Wölfe vor zwei Jahren bei Birkholz 23 Schafe gerissen hatten.

Bauernverband: Gesamtes System prüfen

Der Landwirteverband fordert angesichts des erneuten Wolfsangriffs, das gesamte System auf den Prüfstand zu stellen. „Ein Haufen schlaue Leute verdient inzwischen viel Geld mit Management und Monitoring, Gutachten und Entschädigung, Beratung und Herdenschutz, nur für uns Bauern wird es von Jahr zu Jahr schlimmer”, so der Wolfsbeauftragte des Bauernbundes. „Am Ende hören immer mehr Weidetierhalter auf und die natürlichste Form der Tierproduktion stirbt aus.”

Der Bauernbund fordert bereits seit Langem eine Freigabe des Wolfs – der in Deutschland streng geschützt ist – zum Abschuss. Im Mai veröffentlichte er ein Rechtsgutachten des FDP-Politikers und Rechtsanwalts Wolfgang Kubicki, in dem dieser zu dem Schluss kommt, dass ein tödlicher Schuss auf einen Wolf unter Umständen gerechtfertigt ist. Das gilt allerdings nur, wenn ein Angriff auf einen Menschen oder ein Tier mit besonderem materiellen oder ideellem Wert anders nicht abzuwenden ist.

Wolfsfreie Zonen gefordert

Der Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, Reinhard Jung, kündigte an, dass der Bauernbund dem ersten Landwirt oder Jäger, der wegen der Tötung eines Wolfs in Notwehr angeklagt werden sollte, die Prozesskosten bezahlen wird. Kubicki werde die Verteidigung in diesem Fall übernehmen.

Darüber hinaus fordert der Bauernbund seit Jahren, dass der Wolf überall dort gejagt werden muss, wo Menschen und Weidetiere sind: Diese Gebieten sollten zu wolfsfreien Zonen erklärt werden. Nur echte Wildnis dürfe als Schutzgebiet für die Raubtiere ausgewiesen werden.