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Öllieferungen

Das ist die neue Lebensversicherung für die PCK-Raffinerie Schwedt

Berlin/Schwedt / Lesedauer: 3 min

Die Ölraffinerie in Brandenburg hat schwere Monate hinter sich – das Unternehmen stand lange auf wackligen Beinen. Jetzt kommt Hilfe aus einem Land, das jede Menge Rohstoffe hat.
Veröffentlicht:02.10.2023, 12:32

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Der Besuch des kasachischen Präsidenten Qassym-Schomart Tokajew im Kanzleramt bei Olaf Scholz zum Ende der vergangenen Woche hat offenbar direkte positive Auswirkungen auf die PCK Schwedt.

Kasachstan will doppelt so viel Öl liefern

Nach Informationen des Nordkurier hat sich Kasachstan bereit erklärt, seine Öllieferungen für die Raffinerie jährlich auf 2,4 Millionen Tonnen zu erhöhen. Das würde einer Verdopplung der bisherigen Menge bedeuten ‐ und könnte zusammen mit den rund 5,5 Millionen Tonnen Öl, die über die Pipeline vom Rostocker Hafen nach Schwedt fließen, den Standort an der deutsch-polnischen Grenzen weiter absichern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit mit Kraftstoffen gerade in Ostdeutschland zuverlässig gewähren. 

Tokajew hatte zudem versichert, dass sein Land Russland nicht dabei helfen werde, die vom Westen wegen des Krieges in der Ukraine verhängten Sanktionen zu umgehen. „Kasachstan hat unmissverständlich erklärt, dass es sich an die Sanktionen halten wird“, so Tokajew nach dem Gespräch mit Scholz.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich auf Nordkurier-Nachfrage zu Verträgen und Liefermengen nicht detailliert äußern ‐ bestätigte aber, dass „die Zusammenarbeit mit den kasachischen Partnern konstruktiv ist. Kasachisches Öl trägt wesentlich zur Stabilisierung des PCK bei“. Dieser Erfolg sei laut einer Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) das Ergebnis intensiver Arbeiten aller Beteiligten ‐ „vor allem auch des Bundeswirtschaftsministeriums, zusammen mit kasachischen Partnern“.

Auslastung liegt bei etwa 80 Prozent

Nach Informationen des PCK mit Stand Ende August 2023 liegt die Auslastung bei etwa 80 Prozent. Der langfristige Liefervertrag für kasachisches Rohöl sei dazu ein wichtiger Schritt für die Raffinerie, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Dieser Vertrag, ebenso wie andere Lieferungen über Danzig und Rostock, hätten dazu geführt, dass der Rohölbezug in Deutschland diversifiziert werden konnte. „Das zeigt, wir können die Versorgung mit Produkten in der Region auch ohne russisches Rohöl sicherstellen“, betonte die Sprecherin.

Christian Görke, Ex-Finanzminister im Bundesland Brandenburg und heute Bundestagsabgeordneter der Linksfraktion, zeigte sich von der aktuellen Entwicklung erfreut. „Das sind doch mal richtig gute Nachrichten. Damit wird kasachisches Schweröl zusehends zur Lebensversicherung für die Raffinerie in Schwedt. Wer hätte das nach den Abwehrkämpfen in Warschau und Berlin gedacht“, sagte Görke.

Zum Hintergrund: Die Mehrheit an der Raffinerie gehört mit gut 54 Prozent dem russischen Konzern Rosneft, wird aber vom Bund verwaltet. Deutschland hatte die Raffinerie im September vergangenen Jahres unter die Treuhandschaft der Bundesnetzagentur gestellt und das mit der Sicherung der Energieversorgung begründet. 

Polnischer Tankstellenbetreiber mit Interesse an Übernahme

Die polnische Regierung hatte das Wirtschaftsministerium in Berlin in der Vergangenheit immer wieder aufgefordert, Rosneft aus dem Konzern zu drängen, um gegebenenfalls den Weg für polnische Investoren freizumachen. Interesse an der Übernahme der 37 Prozent Gesellschafteranteile von Shell habe beispielsweise der polnische Tankstellenbetreiber Unimot angemeldet, so heißt es in der Branche.

Dass jetzt die Kasachen verstärkt mit Öllieferungen in Schwedt mitmischen, dürfte bei den Polen nicht unbedingt auf Wohlwollen stoßen. Über lange Zeit hatte sich auch die Bundesregierung eher zurückhaltend hinsichtlich von Lieferungen aus Kasachstan gezeigt. Dies aber hat sich jetzt offenbar geändert.