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Immobilienpreise

Eigenheim auf dem Land ist richtig teuer geworden

Berlin / Lesedauer: 4 min

Seit Jahren explodieren die Immobilienpreise in Deutschlands Metropolen. Nun haben vor allem MV und die Uckermark kräftig zugelegt.
Veröffentlicht:29.03.2022, 05:01

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Wohnimmobilien sind im vergangenen Jahr noch einmal deutlich teurer geworden. Dies geht aus vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor, die am Montag veröffentlicht wurden. Demnach stiegen die Preise für Häuser und Wohnungen im Jahr 2021 bundesweit um 11,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Corona-Jahr 2020 legten die Preise noch um 7,8 Prozent zu. Durch niedrige Zinsen und knappen Wohnraum läuft der Immobilienmarkt schon seit Jahren heiß. Auffällig dabei ist, dass Immobilienkäufer nicht nur in den Städten deutlich mehr zahlen müssen als zuvor. Die Preise für Immobilien haben im ländlichen Raum teils deutlich stärker angezogen als in Metropolen oder Großstädten, was unter anderem auf den Trend zum Homeoffice zurückzuführen ist.

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Höchste Preisanstieg in MV und der Uckermark

In dünn besiedelten ländlichen Landkreisen wie im östlichen Mecklenburg-Vorpommern oder der Uckermark stiegen im vierten Quartal des Jahres 2021 die Preise für Eigentumswohnungen um 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal – das war der höchste Preisanstieg unter allen Regionen. In Metropolen (12,7 Prozent) und städtischen Kreisen (12,3) stiegen die Preise ähnlich deutlich an, in dichter besiedelten ländlichen Kreisen (11,2) und kreisfreien Großstädten (11,1) etwas weniger stark. Auch bei den Ein- und Zweifamilienhäusern führen die dünn besiedelten ländlichen Kreise die Preisanstiegstabelle an: Hier legten die Immobilienpreise gar um 15,9 Prozent zu, während dichter besiedelte ländliche Kreise (14,5), Metropolen (12,8), Großstädte (11,9) und städtische Kreise (11,3) teils deutlich geringere Preisanstiege zu verkraften hatten.

Freistehendes Wohnhaus in Schwerin für 450.000 Euro

Was genau bedeutet das nun für Käufer und Besitzer von Immobilien in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg? Die behördliche Datenlage für den Nordosten ist unklar. Da die Anzahl der verkauften Immobilien in einzelnen Kommunen so gering ist, dass sich Rückschlüsse auf einzelne Verkäufe ziehen lassen würden, unterliegen diese Daten der Geheimhaltung, sagte das Statistische Landesamt in Schwerin dem Nordkurier.

Allerdings lassen die Zahlen der Landesbausparkassen (LBS), die jedes Jahr auf der Basis von Umfragen unter Immobilienvermittlern erhoben werden, den Schluss zu, dass der Nordosten ebenfalls unter einem starken Anstieg von Immobilienpreisen leidet. So kostet ein freistehendes Wohnhaus in Schwerin heute durchschnittlich 450.000 Euro – und damit 70 Prozent oder 185.000 Euro mehr als noch vor fünf Jahren. Die Zahlen bestätigten „den Aufwärtstrend bei den Preisen in den meisten größeren Städten Mecklenburg-Vorpommerns”, sagte Winfried Ebert, Mitglied des Vorstandes der LBS Ost.

Eigenheime kosteten in Neubrandenburg heute rund 290.000 Euro, ein Plus von 95.000 Euro über fünf Jahre. In Neustrelitz stiegen die Preise im selben Zeitraum um 50.000 Euro auf 240.000 Euro, in Stralsund um 75.000 auf 275.000 Euro, in Greifswald um 100.000 auf 320.000 Euro. Verhältnismäßig günstig kommt man in Demmin weg, wo ein Haus durchschnittlich rund 170.000 Euro kostet.

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In Kleinmachnow sind es schon 790.000 Euro

In Brandenburg werden die Preise nach LBS-Angaben vom Speckgürtel um Berlin angetrieben. „So sind beispielsweise die Angebotspreise in den letzten fünf Jahren in Kleinmachnow von 435.000 auf 790.000 Euro, in Potsdam von damals 385.000 Euro auf die jetzt ermittelten 550.000 Euro gestiegen”, so LBS-Ost-Vorstand Ebert. In den Berlin-nahen Landkreisen hätten sich die Preise seit 2016 teilweise verdoppelt.

Im preislichen Mittelfeld zwischen 200.000 und 250.000 Euro lägen beispielsweise Schwedt, Fürstenwalde, Cottbus oder Luckenwalde. Die günstigsten Eigenheime Brandenburgs befänden sich in Forst für durchschnittlich 140.000 Euro und in Finsterwalde für 110.000 Euro.

Deutsche haben Geldvermögen von 7,7 Billionen Euro

Wie wird sich der Immobilienmarkt zukünftig entwickeln? Derzeit steigende Zinsen für Immobilienkredite könnten Druck auf den Markt für Wohnimmobilien ausüben, einige Analysten gehen sogar von einem Preisrückgang um bis zu 15 Prozent aus. Ob dies tatsächlich eintritt, ist allerdings fraglich. Denn die Deutschen saßen im Jahr 2021 laut einer neuen Studie der DZ-Bank auf einem Geldvermögen von 7,7 Billionen Euro, die zu mehr als zwei Dritteln in nicht oder kaum verzinsten Bankeinlagen oder Versicherungen liegen. Verfestigt sich die Inflation, dann werden viele Bürger diese gut 5 Billionen – also 5.000 Milliarden – Euro anderweitig anlegen wollen. Und es ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil dieses Vermögens in Wohnimmobilien fließt, was die Preise weiter anheizen könnte.