StartseiteRegionalBrandenburgFischsterben in der Oder — Woher das Salz im Fluss kam

Katastrophe

Fischsterben in der Oder — Woher das Salz im Fluss kam

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

In einem EU–Bericht wird die Quelle für die tödliche Verschmutzung der Oder deutlich gemacht. Die giftige Blüte der Goldalge nahm vor allem in einer Region ihren Lauf.
Veröffentlicht:21.02.2023, 19:04

Artikel teilen:

Der zuständige EU–Umwelt–Kommissar bleibt auffällig diplomatisch, wenn er den Abschlussbericht der EU–Kommission und der Europäischen Umweltagentur über Ursachen und Folgen des massiven Fischsterbens in der Oder im vergangenen Sommer bewertet. „Ich begrüße diesen neuen Bericht sehr und fordere die zuständigen nationalen Behörden auf, seine Empfehlungen konsequent umzusetzen“, erklärt Virginijus Sinkevicius nach der ohne viel Aufsehen erfolgten Veröffentlichung des Papiers über eine „der größten Umweltkatastrophen in der EU“.

360 Tonnen tote Fische

Nach ersten gemeinsamen Krisenmaßnahmen hatten sich Deutschland und Polen nicht auf eine gemeinsame Untersuchung einigen können. Beim Blick auf die penibel aufgeführten Untersuchungsergebnisse wird klar, von wo die durch hohen Salzgehalt ausgelöste Verschmutzung der Oder ihren Lauf nahm. Mindestens 360 Tonnen Fisch starben, weil die Blüte der salzliebenden „Goldalge“ die Schuppentiere vergiftete.

Lesen Sie auch: Bei Fischsterben in der Oder hat die Meldekette versagt

Ein Schlüsselfaktor, der die Verbreitung dieser Brackwasserart ermöglicht habe, sei höchstwahrscheinlich die Einleitung von Industrieabwässern mit hohem Salzgehalt, zum Beispiel aus industriellen Aktivitäten wie dem Bergbau gewesen. Weitere Faktoren waren den Angaben zufolge die Dürre und die daraus resultierenden niedrigen Wasserstände, die die Verdünnung und den Durchfluss verringerten.

Kommission müsse Druck ausüben

In der Mitteilung der EU–Kommission wird das Wort Polen akribisch vermieden, nicht aber im Bericht. In ihrer Detektivarbeit haben die Wissenschaftler, gestützt auf polnische und deutsche Analysen, per Wasserproben und Satellitenaufnahmen die Herkunft der Giftbrühe ziemlich präzise lokalisiert. Vor allem der „Gleiwitz–Kanal“ taucht immer wieder auf — eine künstliche Wasserstraße im Südosten Polens mit Direktanschluss an das Bergbau– und Schwerindustrierevier um Kattowitz. Erstmals stellte das EU–Beobachtungsprogramm „Copernicus“ dort Anfang Juli 2022 eine deutlich erhöhte biologische Aktivität fest, die sich dann flussabwärts bewegte und gut einen Monat später an der deutschen Grenze ankam, wo sie etwa ab Mitte August das Fischsterben auslöste.  

Aus der Deckung wagt sich in der politisch heiklen Angelegenheit Hannah Neumann, Europaabgeordnete der Grünen. Die EU–Kommission müsse Druck auf die polnische Regierung ausüben, damit der Ausbau der Oder gestoppt werde, fordert die Grünen–Politikerin. Unter dem Deckmantel des Hochwasserschutzes würden EU–Fördergelder in die Arbeiten gesteckt, obwohl ein Warschauer Verwaltungsgericht einen Baustopp verhängt habe.