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► „Halleluja“ – Grebes großes Waldbühnen-Konzert trotz schwerer Krankheit

Berlin / Lesedauer: 3 min

Der Wahl-Uckermärker Rainald Grebe ist bekannt für seine scharfzüngigen Texte. Das Konzert des schwer kranken Musikers auf der Waldbühne wurde zu einem sehr emotionalen Abend.
Veröffentlicht:29.07.2023, 21:52

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Erst als der ganze Irrsinn fast zu Ende war, erschallte am Samstagabend noch die Ödnis–Hymne „Brandenburg“ in der Berliner Waldbühne. „Meine Kurmuschel hier“ hatte der Liedermacher Rainald Grebe während der vierstündigen Show einmal die 1936 errichtete Freilichtbühne im Charlottenburger Ortsteil Westend genannt. Den Text seines bekanntesten Liedes „Brandenburg“ trug der Kabarettist Grebe (52) an diesem Abend dann erst auf Sorbisch vor und schließlich mit Unterstützung der Komikerin Anna Mateur.

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„In Berlin kann man so viel erleben, in Brandenburg soll's mittlerweile Löwen geben“, krächzte die Dresdner Jazzsängerin den Text absichtlich und ein bisschen angepasst auf aktuelle Ereignisse. Und das Amphitheater–Rund grölte mit: „Berliiiiin, Halleluja Berlin“.

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„Diese große Veranstaltung geht auch nur wegen dieses Liedes. Daher kommt meine Bekanntheit“, hatte der schwer kranke Grebe, der an diesem Abend aber recht fit wirkte, vorher der „Berliner Zeitung“ erzählt.

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Mit zwei Jahren Verspätung absolvierte Grebe das eigentlich anlässlich seines 50. Geburtstags geplante Konzertspektakel „Halleluja Berlin“ in der Waldbühne. Das Konzert mit rund 10.000 verkauften Tickets sollte ursprünglich am 31. Juli 2021 stattfinden, scheiterte damals aber an Corona.

Der Auftritt auf der Waldbühne bot so einige Gänsehaut-Momente.
Der Auftritt auf der Waldbühne bot so einige Gänsehaut-Momente. (Foto: Dajana Richter)

Zu einem „Freiluftspekatkel“ in der Waldbühne hatte der gebürtige Kölner und Wahl–Brandenburger Grebe auch schon mal vor zwölf Jahren eingeladen und mit Gästen und seiner Kapelle der Versöhnung einen bunten Abend hingelegt. 2011 kamen 15.000 Menschen, die Hauptstadt regierte noch Klaus Wowereit, der damals auch unter den Konzertbesuchern war.

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Nicht aus akuter Notwendigkeit, aber um seine Krankheit nicht zu verschweigen, ließ sich der 52–Jährige 2023 auf einem Klinikbett zur Bühne bringen. 2011 war er auf einem Pferd reingeritten.

Grebe wurde in einem Klinikbett zur Show gebracht und legte sich auch während des Konzertes immer mal wieder hinein.
Grebe wurde in einem Klinikbett zur Show gebracht und legte sich auch während des Konzertes immer mal wieder hinein. (Foto: Dajana Richter)

Multitalent Grebe hat seit 2014 die Autoimmunerkrankung Vaskulitis, erlitt deshalb schon mehrere Schlaganfälle.

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Zwischendurch legte er sich immer mal wieder ins Bett — den ganzen Abend eh in Morgenmantel und pyjamaähnlichen Trainingsanzug gekleidet. Er ließ sich auch einmal gespielt von zwei Sanitätern auf der Bühne behandeln.

Er ließ sich auch einmal  - zum Glück nur gespielt - von zwei Sanitätern auf der Bühne behandeln.
Er ließ sich auch einmal  - zum Glück nur gespielt - von zwei Sanitätern auf der Bühne behandeln. (Foto: Annette Riedl/dpa)

Ansonsten bot Grebe — mal mit größerem, mal mit kleinerem Orchester — viele Lieder dar, darunter „Mann ohne Gefühle“, „Multitasker“, „Flugbegleiterin“, „Präsident“, „20. Jahrhundert“, „Prenzlauer Berg“ oder das Partylied „Die Fete“ (Zitat: „Bernd kommt leer gekotzt vom Klo und sagt: / Die Deutschen sind doch gar nicht so steif. / Ich könnt jetzt wieder essen / spiel nochmal ‚I will survive‛“).

Gäste beim Spektakel waren auch der Puppenspieler René Marik, der Klavierkabarettist Bodo Wartke, der Rapper und Gitarrist Alligatoah sowie Grebes einstiger Puppenspiel–Lehrer Hans Krüger, der unter anderem ein mechanisches Holzfeuerwerk vorführte.

Auch der Rapper Alligatoah war bei dem Konzert zu Gast. Neben zwei Duetten mit Grebe sang er auch eine eigene Nummer.
Auch der Rapper Alligatoah war bei dem Konzert zu Gast. Neben zwei Duetten mit Grebe sang er auch eine eigene Nummer. (Foto: Dajana Richter)

Der „Berliner Zeitung“ hatte Grebe vorab erzählt, es sei ein Geschenk, dieses große Konzert noch machen zu können. „Ich sterbe jetzt nicht gleich, aber mein Gehirn zersetzt sich. Was ich habe, ist eine Gefäßkrankheit. Die kleinen Adern im Gehirn platzen oder verengen sich. Und es kann halt sein, dass ich nach dem nächsten Schlaganfall blöd bin.“ Nach „Halleluja Berlin“ brauche er erstmal „eine Woche Urlaub“: „Brandenburg, Schweiz, Charité. Mal sehen.“