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Kostenexplosion 

„Wir verdienen kein Geld mehr“ – Bäckermeister rechnet mit Regierung ab

Beelitz / Lesedauer: 4 min

Hohe Energiekosten und unzuverlässige Politik. Der Mann, der bereit ist, zehn Lila Bäcker-Filialen zu retten, rechnet mit der Politik von Kanzler Scholz ab. 
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:56

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Er liebt seinen Beruf über alles, sagt Tobias Exner dem Nordkurier. Der 48-jährige Bäckermeister führt die Bäckerei Exner, einen fast 100 Jahre alten Familienbetrieb.

Jede Investition muss noch mehr durchdacht werden

Dass er jetzt plant, zehn Lila Bäcker-Filialen in Brandenburg zu übernehmen, habe allerdings nichts mit den rosigen Verhältnissen zu tun, die ihm die Politik für sein Handwerk bereiten würde.

Ganz im Gegenteil – jede Investition muss noch viel genauer durchdacht werden als früher, weil das Marktumfeld schwieriger geworden ist. „Zum Teil ist die Politik der Regierung um Scholz schuld daran“, so Exner.  

Exners Bäckereien umfassen 37 Fachgeschäfte mit über 300 Angestellten. Sitz des Unternehmens ist die „Spargelstadt“ Beelitz, südwestlich von Berlin. Er produziert alles regional, sagt er dem Nordkurier. An einem handgemachten Bio-Landbrot für 4,60 Euro allerdings, verdient der Bäckermeister eigenen Aussagen nach keinen Cent mehr. Und dafür macht er auch die Politik der aktuellen Regierung verantwortlich.

Es bräuchte eine verlässliche Politik

„Nehmen wir doch mal als Beispiel die Mehrwertsteuer, wenn der Kunde etwas direkt vor Ort verzehrt“, sagt Exner dem Nordkurier. „Zwei Wochen bevor die wieder erhöht wurde, stellt sich unser Kanzler noch ins Fernsehen und sagt, dass das nicht passieren wird“ – und zwei Wochen später, „Zack, plötzlich war die Erhöhung der Mehrwertsteuer da“.

Das Problem dabei sei, so Exner, dass man sich nie auf etwas verlassen könne. „Man weiß nicht, was sich die Politik morgen wieder einfallen lässt“.  Es fehle eindeutig an Planungssicherheit. 

Auch der Umstand, dass man an so vielen Fronten gleichzeitig kämpfen müsse, sei eine große Herausforderung. „Steigende Energiekosten, die Zutaten werden teurer, die Gehälter steigen“, so Exner. „Die Politik ist dafür verantwortlich, dass immer mehr Unternehmer ins Ausland gehen“. 

„Alle Kosten explodieren gleichzeitig“

Die steigenden Löhne seien für ihn zwar auch wichtig, allerdings müsse er die dadurch entstandenen Mehrkosten natürlich auch auf den Kunden übertragen. „Das Problem ist aber, dass alle Kosten gleichzeitig explodieren“, so Exner. „Dadurch bleibt weniger Spielraum in der Lohnanpassung der Mitarbeiter“. 

Mittlerweile würde die Hälfte der Einnahmen für Löhne draufgehen. Vor ein paar Jahren noch, als er das Geschäft von seinen Eltern übernahm, sei es noch merkbar weniger gewesen. Wie lange die Kunden die steigenden Preise für Backwaren aus Handarbeit allerdings noch mittragen würden, wisse auch er nicht. 

„Wir erzielen keine Gewinne mehr“

Auch die Kosten-Explosion bei den Energiepreisen lastet der Unternehmer aus Brandenburg der Bundesregierung um Kanzler Scholz an. Dem Nordkurier rechnet er vor, dass er alleine 2022 im Vergleich zu 2020 Mehrkosten für Energie in Höhe von 700.000 Euro hatte. Dieses Jahr rechnet er sogar nochmal mit 160.000 Euro mehr. 

Diese Mehrkosten auf den Kunden abzuwälzen, sei dabei keine wirkliche Option. „Diese explosionsartigen Preissteigerungen an allen Fronten kann ich auf den Kunden nicht mehr abwälzen. Der Markt gibt das nicht her“, so Exner. „Deswegen erzielen wir im Moment keine Gewinne mehr und verdienen somit kein Geld“.

Vor der Krise gut gewirtschaftet

Dass er überhaupt mit dem Gedanken spielen kann, in der jetzigen Zeit noch Filialen von Lila Bäcker zu übernehmen, sei dem Umstand geschuldet, dass sein Unternehmen in den Jahren vor den Krisen sehr gut gewirtschaftet habe. Aber jetzt müsse er sich Gedanken um die Zukunft machen.

„Die Perspektive ist einfach nicht gut“, so Exner. Die Ampel-Regierung ist bei der Hälfte ihrer Legislaturperiode angelangt und die Unternehmer stünden vor so viele Herausforderungen wie nie. „Ich habe meine Zweifel daran, dass es klappen kann, wenn das jetzt einfach so weitergeht“, so der Bäcker-Meister. „Das könnte Verwerfungen geben, die wir alle nicht möchten“. 

Appell an die Politik

Die Politiker müssten jetzt Verantwortung übernehmen und zu ihren Worten stehen. „Jetzt muss man langfristig logisch denken, nicht ideologisch“, so Exner. „Das hat auch ein Stück weit was mit gesundem Menschenverstand zu tun“. Wichtig sei ihm nur, dass das deutsche Handwerk der verrückten Politik irgendwie trotzen könne. 

„Mein Wunsch ist es, dass sich der Kunde beim Kauf für das Handwerk entscheidet. Das sind fast alles Familienbetriebe, die im Moment zu kämpfen haben“. Individuelle, regionale Qualität könne man nur noch beim Handwerk seines Vertrauens finden.