StartseiteRegionalDemminBMW-Unfall vorgetäuscht: Betrüger akzeptieren Strafe nicht

Berufung

BMW-Unfall vorgetäuscht: Betrüger akzeptieren Strafe nicht

Demmin/Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Ein etwas rätselhafter Unfall bei Demmin hat sich als Versicherungsbetrug entpuppt. Die Angeklagten hatten von einer Versicherung rund 18.500 Euro kassiert.
Veröffentlicht:08.02.2024, 08:07

Artikel teilen:

Der Rechtsstreit um einen vorgetäuschten Autounfall bei Demmin, der sich als Versicherungsbetrug entpuppt hat, geht in die nächste Instanz. Die zwei verurteilten Männer wollen ihre Strafen nicht hinnehmen und haben Berufung eingelegt, wie eine Sprecherin des Amtsgerichtes Neubrandenburg dem „Nordkurier“ sagte. Damit wird sich die Berufungskammer des Landgerichtes Neubrandenburg mit dem Fall befassen müssen.

Angeklagte schildern Polizei Unfallflucht

Das Amtsgericht hatte den 35-jährigen Autoverkäufer und den 52-jährigen Autobesitzer im Januar wegen gemeinschaftlichen Betruges zu jeweils vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und die Strafen für jeweils zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

Laut Amtsgericht hatten das Duo aus der Region zusammen mit einem dritten Mann, dessen Verfahren wegen Krankheit abgetrennt wurde, den „Fake-Unfall“ beim Überholen am 2. Oktober 2020 zwischen Demmin und Buschmühl fingiert. Sie wollten rund 20.000 Euro von der Unfallversicherung des 52-jährigen Verurteilten kassieren.

Die Angeklagten hatten damals selbst die Polizei gerufen und von einer Unfallflucht eines dritten Wagens gesprochen. Sie gaben vor, dass der 52-Jährige mit einem 1,2 Tonnen schweren Kleinwagen damals 80 Sachen fuhr und den anderen Wagen - einen doppelt so schweren 7er BMW, der dem kranken Beschuldigten gehörte - überholt habe.

108 Meter lange Schleifspur an der Leitplanke

An dessen Steuer saß aber der 35-jährige Autoverkäufer, ein aus Armenien stammender Autokenner. Dieser soll nur mit 70 Stundenkilometer gefahren sein.

Als der 52-Jährige überholte, soll ganz plötzlich ein anderes Auto im Gegenverkehr angerast gekommen - und danach verschwunden - sein. Der Neubrandenburger gab an, er habe abrupt gebremst, das Auto nach rechts gelenkt und die schwere Limousine gegen die Leitplanke gedrückt. Dann soll der Kleinwagen vor den BMW gefahren und eine Gefahrenbremsung gemacht haben und der große Wagen sei aufgefahren.

Das Ganze kam schon den Polizisten komisch vor. Diese fanden eine 108 Meter lange Schleifspur des großen Autos an der rechten Leitplanke", was „eigentlich viel zu viel war.“.Ein von der Staatsanwaltschaft eingesetzter Gutachter erklärte im Prozess: „Die hier sichtbaren Schäden am BMW sind nicht durch den Kleinwagen entstanden.“ Die Schäden an beiden Autos passten überhaupt nicht zusammen und auch nicht zu der Situation auf der Straße, wo nur an einer Seite Leitplanken sind.

Die Angeklagten hatten von einer Versicherung rund 18.500 Euro bekommen, vor Gericht aber geschwiegen. Ihre Anwälte hatten Freisprüche verlangt. Das Urteil des Amtsgerichtes enthält auch noch 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit in sechs Monaten für den 52-Jährigen. Der Autoverkäufer soll 1500 Euro Geldstrafe an den Weißen Ring zahlen. Die Berufungskammer des Landgerichtes ist nicht an das Urteil gebunden. Sie kann es aufheben oder auch ein schärferes Urteil erlassen.