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Neue Vorgaben

Breitband-Ausbau in Region Jarmen/Loitz verzögert sich weiter

Jarmen / Lesedauer: 4 min

Der öffentlich geförderte Breitband-Ausbau im mittleren Peenetal könnte sich nach neuem Stand mindestens bis 2025 hinziehen, dafür aber auch mehr Anschlüsse ermöglichen.
Veröffentlicht:23.11.2021, 08:37

Von:
  • Stefan Hoeft
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Dass der Unmut über den ausbleibenden Breitbandausbau in den Amtsbereichen Peenetal/Loitz und Jarmen-Tutow immer größer wird, ist für den Landkreis Vorpommern-Greifswald als Auftraggeber und die Landwerke MV Breitband GmbH als ausführende Firma wohl unüberhörbar. Denn gerade die ehrenamtlichen Bürgermeister, Stadt- und Gemeindevertreter der Region sehen sich zunehmend mit Kritik und Fragen zum schnellen Internet konfrontiert, die sie nicht beantworten können. Selbst in ihren Rathäusern treffen sie immer häufiger nur noch auf ein fast schon hilflos wirkendes Schulterzucken. Immerhin haben die beiden Amtsverwaltungen längst ihre Hausaufgaben für die Vorbereitung dieses vom Finanzvolumen her wohl größten Infrastrukturprojekts der Geschichte gemacht. Und erwartet, dass die Erschließung wie angekündigt in diesem Frühjahr startet.

Dass dem nicht so war und es auch fürs nächste Frühjahr eher unwahrscheinlich wirkt, wurde jetzt in einem Pressegespräch deutlich, zu dem die Kreisverwaltung eingeladen hatte. Auch die sieht sich momentan außerstande, einen halbwegs verbindlichen neuen Terminplan zu nennen, weil das Wechselspiel zwischen der Finanz- und Netzplanung vor Ort sowie den Förderbedingungen und Mittelbewilligungen vonseiten des Bundes und Landes ungeahnte Herausforderungen mit sich bringt.

Firmen blauäugig an Mammutprojekt herangegangen

Für die anfänglichen Verzögerungen seien in erster Linie die Telekommunikationsunternehmen verantwortlich gewesen, erklärte Breitband-Experte Tilo Kühnel. Im Fall des Projektgebiets 25_02 für die Region Jarmen/Loitz also die Landwerke aus Neustrelitz. Die Firmen wären relativ blauäugig an dieses Mammutprojekt herangegangen, beispielsweise ohne vorherige Erkundungen direkt vor Ort und mit teils sehr lückenhaften Datensätzen. Sie hätten sich mehr zugetraut als der eigene Personal- und Sachverstand hergaben, sodass er und seine Kollegen immer wieder korrigierend eingreifen und zuarbeiten mussten. Inklusive der Hilfe aus den Rathäusern und Kommunen, die viele Adressen „nachlieferten“.

Denn am Ende sei der Landkreis als Fördermittelempfänger nicht nur der Verantwortliche für die ordnungsgemäße Umsetzung, wie Sachgebietsleiterin Petra Niederberger klarmachte, sondern damit einher gehend die Adresse für eventuelle Rückforderungen. Da dreht es sich auch in diesem Projektgebiet um einen zweistelligen Millionenbetrag, zumal kaum sonst wo so viele Trassenkilometer veranschlagt sind.

Vorzeitige Baufreigabe 2019 nützte gar nichts

Zwar gab es schon im Juli 2019 eine vorzeitige Baufreigabe, aber wie die anderen Firmen wollten sich auch die Landwerke nicht auf einen solchen Frühstart einlassen und warteten bis zum Zuwendungsvertrag im März 2020 ab. Nach einer ersten Informationsrunde für die Verwaltung und die Bürgermeister in den beiden Amtsbereichen im August begannen im Herbst 2020 Einwohnerversammlungen, wobei die letzten dieser Termine der damaligen Corona-Welle zum Opfer fielen.

Doch auch ohne diese Runden war längst klar, dass es einer Nachverdichtung wegen der unerwartet großen Menge sogenannter weißer Flecken bedarf. Also Grundstücken, für die vom Netzbetreiber beim Markterkundungsverfahren 2015 eine Datentransfer-Geschwindigkeit von mindestens 30 Mbit je Sekunde gemeldet beziehungsweise in Aussicht gestellt wurde, dem für die Förderfähigkeit gesetzten Grenzwert. Häufig allerdings blieben diese Versprechen unerfüllt.

Planungs- und Rechenprozess dreimal wiederholt

Möglichst viele dieser Adressen in den vom Förderprogramm erfassten Polygonen sollten aber noch ins neue Glasfasernetz eingebunden werden. Deshalb musste alles überplant und der entsprechende Investitionsumfang neu berechnet werden, um damit die nötigen zusätzlichen Mittel beantragen zu können. Einschließlich des sogenannten Vortriebs, Vorleistungen für einen späteren bedarfsgerechten Weiterbau des geförderten Netzes.

Weil diese teils gewaltigen Nachträge aber das Gesamtbudget zu sprengen drohten, verfügte der Bund nachträglich prozentuale Höchstgrenzen für die zusätzlichen Erschließungsmaßnahmen. Zudem musste der Landkreis zwischenzeitlich eine dazu passende Priorisierung von Adresskoordinaten vornehmen, damit möglichst für alle Problemfälle hinterher die Förderfähigkeit erhalten bleibt, auch wenn sie erst mal nicht an die Reihe kommen. Dies alles bedeutete, den Planungs- und Rechen-Prozess dreimal zu wiederholen.

Alle warten auf den Bund

Zwar gingen Ende Oktober von den Landwerken aktualisierte Unterlagen zum Gebiet 25_02 bei Petra Niederberger und ihren Kollegen ein, und der nötige Fördermittelnachtrag ist nach ihren Worten gesichert. Aber wegen Diskrepanzen zwischen Netz- und Finanzplanung seien leider weitere Konsultationen nötig. „Schon mit der aktuellen Vertragsänderung hat sich der Projektzeitraum im Bereich Jarmen/Loitz bis ins Jahr 2024 verlängert“, erklärte die Sachgebietsleiterin. Wohl wissend, dass unter Umständen nun sogar eine vierte Planungsrunde und damit eine Verschiebung des Fertigstellungstermins bis 2025 ins Haus stehen könnte.

Auslöser ist eine vor Kurzem vom Bund eingegangene Direktive, wonach sich der Spielraum für den besagten Vortrieb erheblich erweitert. Er darf nun auch die „grauen Flecken“ ins Visier nehmen, sprich Adressen mit bis 100 Mbit je Sekunde, aber ohne Glasfaseranschluss. „Leider ist das Hinweisblatt dazu noch nicht da, und jetzt warten alle ab“, erklärte die Expertin. Unterm Strich, so ihr Mitarbeiter Tilo Kühnel, könne es sich für die Bewohner der beiden Amtsbereiche durch diese neue Möglichkeit aber lohnen, nochmals zusätzliche Geduld aufzubringen.