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Justiz

Darum kommt ein Dealer von tödlichen Drogen mit Bewährung davon

Utzedel / Lesedauer: 3 min

Fast 1000 Pillen Ecstasy, Amphetamine, Kokain und eine fünfstellige Summe Bargeld wurden 2021 bei einem Dealer in der Seenplatte gefunden. Jetzt wurde ein Urteil gesprochen.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:36

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Zweieinhalb Jahre nach einer Drogenrazzia in Utzedel bei Demmin ist der verantwortliche Drogenhändler zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Neubrandenburg sprach den 36-jährigen Mann, der inzwischen nach Niedersachsen umgesiedelt ist, des „unerlaubten Erwerbs und Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ schuldig. Der ehemalige Fliesenleger war im Sommer 2021 als Drogendealer aufgeflogen.

In der Drogenszene der Seenplatte „verbrannt“

Bei ihm in der Wohnung, in einer weiteren Wohnung in dem Mehrfamilienhaus, für die er einen Schlüssel hatte, und in einem Keller waren große Mengen Cannabis, etwa 840 Ecstasy-Pillen – darunter auch welche mit einem Totenkopf-Logo so wie bei den berüchtigten Blue Punisher-Pillen – Amphetamine und auch Kokain gefunden worden. Insgesamt wurden Drogen mit einer fünfmal höheren Wirkstoffmenge gefunden, als im Strafrecht als „gering“ eingeschätzt werden würde. 

Der bisher nicht vorbestrafte Mann hatte über den Verteidiger alles gestanden und wurde zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Dazu soll er fünf Termine bei einer Suchtberatung wahrnehmen und bekommt einen Bewährungshelfer. Er hatte angegeben, durch eigenen Betäubungsmittelkonsum - er habe als 16-Jähriger mit Cannabis begonnen - in Geldprobleme geraten und zum Dealer geworden zu sein. Nach der Razzia sei er inzwischen von den Drogen weggekommen und in den Landkreis Vechta zu Verwandten gezogen. Sein Mandant galt zudem an der Seenplatte auch in der Szene als „verbrannt“, sagte sein Verteidiger.

Tödliche Wirkungen von Ecstasy

In seinem neuen Wohnort arbeite der 36-Jährige nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nun in einem Kunststoffbetrieb in drei Schichten. Wenn man die Miete und den Unterhalt für seine Tochter, die in Greifswald lebt, vom Gehalt abzieht, blieben ihm netto etwa 900 Euro zum Leben. Trotzdem rechnete ihm das Amtsgericht den Umzug hoch an. „Sie haben ihr Leben grundlegend verändert und einen Ortswechsel vollzogen - das schafft nicht jeder“, sagte Richterin Tanja Krüske in der Urteilsbegründung. Sie wies aber auch darauf hin, dass solche Ecstasy-Pillen auch tödliche Wirkungen haben können. Das hatte der Fall im Juni in Altentreptow gezeigt, als die 13-jährige Finja nach dem Konsum einer „Blue Punisher-Ecstasy-Pille“ gestorben war.

Die Drogenermittler waren dem „Dealer von Utzedel“ durch Dauer-Ermittlungen in der Drogenszene der Seenplatte und Vorpommern auf die Spur gekommen. Sie hörten die Mobiltelefone ab und standen im Juli 2021 plötzlich mit einem Sondereinsatzkommando vor der Tür. Bevor der Mieter öffnen konnte, war die Wohnungstür bereits aufgebrochen. Neben den großen Mengen Drogen wurden mehr als 14.000 Euro Bargeld und szenetypische Gegenstände sowie ein Handy beschlagnahmt.

Sparen für den Führerschein

Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre Haft und eine Aussetzung auf Bewährung verlangt hatte. Der Verteidiger hatte ein Jahr Freiheitsstrafe gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Der sichtlich erleichterte verurteilte Mann erkannte das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Er will zudem sparen, damit er auch seinen Führerschein wieder einmal zurückbekommen kann. Diesen hatte er bereits abgeben müssen, weil er einmal unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht hatte. Diese Strafe war aber nicht so hoch, dass sie immer noch im Vorstrafenregister auftauchte.