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Achtung Kontrolle 

DDR-Schrott und Mutter mit Handy beschäftigen Verkehrspolizei in der Seenplatte

Altentreptow / Lesedauer: 5 min

Die Beamten des Autobahnreviers Altentreptow nehmen längst nicht nur den gewerblichen Güterverkehr ins Visier, wie die jüngste Kontrollfahrt mit dem Nordkurier gezeigt hat. 
Veröffentlicht:10.02.2024, 12:00

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Es ist ein kalter Wintermorgen in Altentreptow, als die Polizeihauptmeister Sven Felix und André Drews in ihr Einsatzfahrzeug steigen. Das erinnert auf den ersten Blick eher an ein voll ausgestattetes Büro auf vier Rädern. Neben Laptop, Drucker, diversen Messgeräten und einer mobilen Radlastwaage ist auch spezielle Technik mit an Bord, die zur Auswertung von Fahrerkarten und Fahrtenschreibern benötigt wird. 

Ein eingespieltes Team

Alles Utensilien, die für Beamten der besonderen Verkehrsüberwachung (BVÜ) des Autobahn- und Verkehrspolizeireviers Altentreptow bei ihren Kontrollfahrten in der Seenplatte unverzichtbar sind. Die BVÜ ist eine spezialisierte Einheit, die sich mit den unterschiedlichsten Verkehrsdelikten befasst – von Überladung und mangelnder Ladungssicherung bis hin zu technischen Mängeln an den Fahrzeugen. Darüber hinaus wird auch auf allgemeine Verstöße geachtet, wie die Handynutzung am Steuer oder wenn jemand nicht angeschnallt ist.

„Die meisten Fahrer sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagt Felix, während er den Verkehr beobachtet. „Aber es gibt immer wieder Ausnahmen, und da kommen wir ins Spiel.“ Die beiden Polizeihauptmeister sind ein eingespieltes Team, können sich blind aufeinander verlassen. Auch in schwierigen Situationen wisse jeder genau, was zu tun ist. „Es ist wie in einer gut geölten Maschine“, beschreibt Drews die Abstimmung mit seinem Kollegen. 

Im Einsatzwagen kontrollieren Sven Felix und André Drews die Daten von Fahrerkarte und Fahrtenschreiber.
Im Einsatzwagen kontrollieren Sven Felix und André Drews die Daten von Fahrerkarte und Fahrtenschreiber. (Foto: Felix Gadewolz)

Ihre heutige Mission: Die Bundesstraßen zwischen Altentreptow, Neubrandenburg und Stavenhagen genauer unter die Lupe nehmen. Denn dort sei der gewerbliche Güterverkehr in der Regel besonders hoch. Angekommen in der Reuterstadt, zieht ein Lkw die Aufmerksamkeit der Beamten auf sich. Von einer Nebenstraße aus beobachten sie eine auffällige Handbewegung des Fahrers, der ganz offensichtlich sein Handy am Steuer benutzt. Ohne zu zögern, nehmen sie die Verfolgung auf und halten den Lkw auf einem Parkplatz an der Landstraße in Richtung Malchin an. 

Tiertransport mit Rindern

Die Kontrolle nimmt eine neue Dimension an, als Felix und Drews feststellen, dass es sich um einen Tiertransport mit Rindern handelt. „Da schauen wir besonders genau hin“, erklärt Felix. Nicht nur die Verkehrssicherheit stehe auf dem Spiel, sondern auch das Wohl der Tiere.

„Wir prüfen, ob der Fahrer über einen entsprechenden Sachkundenachweis im Umgang mit den Tieren verfügt“, sagt er. Ebenso müsse für jedes geladene Rind ein Rinderpass vorhanden sein, der alle notwendigen Daten enthält und auf die Ohrmarken abgestimmt ist. Auch die Reinigungs- und Desinfektionsvorschrift wird kontrolliert. Hier geht es insbesondere darum, Seuchen oder andere Krankheiten zu vermeiden.

Es bleibt nicht beim Verwarngeld

Was das Tierwohl betrifft, konnten keine Mängel festgestellt werden. Dafür war der Fahrer zu schnell unterwegs, genauer gesagt 21 Kilometer pro Stunde, wie die Überprüfung des Fahrtenschreibers ergibt. 

Doch bei dem damit verbundenen Verwarngeld bleibt es nicht. Die Polizisten müssen zusätzlich eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Fahrpersonalrecht aufnehmen, da der Fahrtenschreiber nicht korrekt bedient wurde. Beim Auslesen seien Auffälligkeiten und Verstöße in der Software angezeigt worden, wie Drews erklärt. 40 Minuten vergehen, ehe der Tiertransport wieder vom Parkplatz rollen darf. 

André Drews dokumentiert die Mängel des alten DDR-Anhängers mit der Kamera.
André Drews dokumentiert die Mängel des alten DDR-Anhängers mit der Kamera. (Foto: Felix Gadewolz)

Kurz darauf gerät eine junge Frau ins Visier der Beamten, die ebenfalls von ihrem Handy abgelenkt ist. Sie bemerkt zunächst nicht, dass sie von der Polizei verfolgt wird. Erst als es hinter ihr laut hupt und das Blaulicht des Einsatzwagens blinkt, wird ihr schlagartig bewusst, was los ist. Bei der Kontrolle ist sie alles andere als einsichtig, behauptet lediglich Papiere in der Hand gehalten zu haben. Doch die Beamten sind sich sicher, dass die Fahrerin ununterbrochen mit dem Handy gespielt hat. 

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Kind mit im Auto sitzt. Wie die Polizeihauptmeister berichten, würden viele Eltern leider viel zu oft unterschätzen, wie gefährlich Ablenkung beim Autofahren ist. Für die Frau bleibt ihr Verhalten nicht ohne Folgen. Sie muss mit einem Bußgeld und einem Punkt im Fahreignungsregister Flensburg rechnen. 

Anschließend setzen die Beamten ihre Fahrt in Richtung Teterow fort. Der Blick von Felix fällt auf einen alten DDR-Anhänger, der auf einer Wiese steht. Oft sind diese rollenden Relikte weder zugelassen noch fahrtauglich und stellen somit ein Sicherheitsrisiko für andere Verkehrsteilnehmer dar. 

Bei der Kontrolle zeigt sich dann auch, dass der Anhänger tatsächlich erhebliche Mängel aufweist: Die Blattfeder an der Vorderachse ist gebrochen, ein Reifen an der Seitenfläche aufgeschlitzt, die Schweißnähte der Anbauteile sind gerissen, das Fabrikschild fehlt. Die Beamten versuchen, die Fahrzeugidentifikationsnummer und ein Typenschild zu finden. Fehlanzeige. Noch dazu stellt sich heraus, dass das Fahrzeug mit falschem Kennzeichen unterwegs ist.

Bei der Kontrolle von Tiertransporten steht für die Beamten nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern auch das Wohl der Tiere im Vordergrund.
Bei der Kontrolle von Tiertransporten steht für die Beamten nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern auch das Wohl der Tiere im Vordergrund. (Foto: Felix Gadewolz)

Denn der Mann, der den Anhänger mit seinem Traktor auf die Wiese gefahren hat, ist nicht etwa der Halter des Anhängers, sondern ein Unternehmer, wie die Beamten von ihm erfahren. Der Anhänger dürfe aber nur vom Halter selbst, mit einem auf ihn zugelassenen Kennzeichen im Straßenverkehr verwendet werden. Da dies nicht der Fall sei, bestehe der Verdacht des Kennzeichenmissbrauchs. 

Außerdem zieht die Kontrolle einen Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz nach sich. Der verantwortliche Halter wird telefonisch darauf hingewiesen, dass der Anhänger nicht weiter benutzt und nur mit einem Tieflader abtransportiert werden darf. Pech gehabt. 

Bußgeld trotz Entschuldigung

Auf dem Rückweg fällt den Beamten der nächste Handysünder auf. Bei einer Tankstelle in Stavenhagen können sie den Lkw-Fahrer stoppen. Der entschuldigt sich für sein Fehlverhalten, kommt aber trotzdem nicht ohne Bußgeld und Punkt davon. Außerdem fehlen für fast 90 Stunden Tätigkeitsnachweise im Fahrtenschreiber. Diese hätte der Fahrer nachtragen müssen. Offensichtlich wurde der Fahrtenschreiber von ihm falsch bedient. Ein Vergehen, das beim Landesamt für Arbeitsschutz und bei der Gewerbeaufsicht angezeigt werden muss. 

Die Beamten hoffen, dass die durchgeführten Kontrollen Wirkung gezeigt haben. Es geh  ihnen nicht nur darum, Strafen und Verwarnungen auszusprechen. „Wir wollen das Bewusstsein der Fahrer schärfen und so Unfälle verhindern“, stellt Felix klar. Eigentlich hätte auch jeder registrierte Verstoß an diesem Tag von vornherein vermieden werden können.