Kurz vor dem Abriss

Demminer Heimatverein rettet ein Stück Eisenbahngeschichte

Demmin / Lesedauer: 2 min

Einst übernahm das Läutewerk zu Kaiserzeiten eine wichtige Aufgabe der Verkehrssicherung. Doch jetzt drohte der Abriss. Die Säule konnte aber vom Demminer Heimatverein gerettet werden.
Veröffentlicht:04.11.2020, 11:52
Aktualisiert:06.01.2022, 21:16

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Für viele Demminer war es nur die verrostete Säule am Schrankenwärterhäuschen. Sie wurde liebevoll „Preußische Mantelbude“ genannt, doch laut David Krüger von der Sparte Eisenbahnfreunde Demmin soll sich der Name nicht von dem bekannten Kleidungsstück herleiten, sondern von der Ummantelung. Nun ist der kleine Turm weg. Mitarbeiter der Stadtwerke Demmin sicherten im Auftrag des Heimatvereins am Dienstagvormittag das Stück Eisenbahngeschichte.

Seit 1877 am Bahnübergang

Dabei handelt es sich um ein Läutewerk, das mit dem Bau der Bahnstrecke Berlin – Stralsund im Jahr 1877 hier aufgebaut wurde. Es wurde zur Verkehrssicherung eingesetzt und mit einer Signalleitung verbunden, um ankommende Züge zu melden. Das geschah dadurch, dass ein Schlagwerk in Gang gesetzt wurde und ein Gong auf eine Glocke schlug. „Für das Läutewerk gab es zwei Schlüssel. Der eine diente dazu, eine Tür zu öffnen, um an das eingebaute Werk zu gelangen. Der andere diente dazu, eine Feder aufzuziehen, damit der Gong sich bei entsprechendem Signal in Bewegung setzte“, erklärt David Krüger.

Noch heute ertönt beim Herunterfahren der Schranken ein Klingeln. Auch daran, wie die Schranken hoch- und runtergefahren werden, hat sich bislang nichts geändert – nämlich per Hand. Nun wird die Deutsche Bahn den Bahnübergang neu gestalten und Demmin verliert mit der alten Technik diese Rarität. Deutschlandweit dürfte es wohl kaum noch einen vergleichbaren Bahnübergang geben.

Originalteile gestohlen

Das Läutewerk wurde bereits vor Jahrzehnten außer Betrieb gesetzt und diente danach als Aufbewahrungsort für Werkzeug, Henkellampen, aber auch der Mantel des einen oder anderen Schrankenwärters soll da mal untergebracht worden sein. „Leider wurde das Läutewerk um wenige Wochen zu spät gesichert. Mitte Oktober wurde die Spitze auf der Säule gestohlen und dazu eine gusseiserne Bodenplatte, die aus der Zeit des Baus stammt“, ärgerte sich Karsten Behrens vom Demminer Heimatverein. „Ich bitte den Dieb darum, die beiden Originalteile wieder zurückzubringen, damit diese der Öffentlichkeit gezeigt werden können.“

Das Läutewerk ließ sich zum Glück recht problemlos mit seinem Untergestell aus dem Boden holen. Dabei brachen zwei Füße in dem verrosteten Unterteil ab. Die Säule lagert nun zunächst bei den Stadtwerken neben einem Stall, in dem früher die Pferde-Krankenstation der Ulanen gewesen ist. „Wir möchten die Preußische Mantelbude wieder sanieren und später hier in Demmin aufstellen. Der Platz soll in der Nähe des jetzigen Standortes sein und zusammen mit Stadt und Deutscher Bahn ausgesucht werden“, verrät Karsten Behrens.