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Die Angler von der Peene bangen um ihren Hafen

Loitz / Lesedauer: 4 min

Eigentlich sollte es das Jahr des Feierns und einer baulichen Zeitenwende beim Loitzer Anglerhafen sein. Doch nun scheint die Vereinsexistenz bedroht.
Veröffentlicht:29.08.2023, 18:29

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Loitz. Wie lange genau das Areal schon seinen heutigen Zwecken dient, das weiß der Vorstand vom Verein „Anglerhafen Frohnergasse Loitz“ nicht. Doch anlässlich der jüngsten Feier zu seinem 25–jährigen Bestehen als eingetragener Verein nach bundesdeutschem Recht gab es zumindest zu erfahren, dass das Vereinsgelände bereits Ende der 1940er–Jahre als Hafen für kleinere Angel– und Ausflugsboote genutzt wurde, so Vorsitzender Jan-Karsten Petersen. Die umfangreiche Bebauung mit „Garagen“ für die Wasserfahrzeuge zu beiden Seiten des nördlich von der Peene abzweigenden kleinen Kanals entstand aber erst deutlich später, insbesondere zu DDR–Zeiten, als das Ganze über eine Art Interessengemeinschaft lief. 

Unerwartete Post von der Handwerkskammer

Inzwischen zählt der Verein 67 Mitglieder, die vor allem aus Loitz und Umgebung kommen. Sie alle haben Sorge, wie es künftig weitergeht mit dem Anglerhafen. Gerade in den vergangenen sechs Jahren sind hier mit viel Eigeninitiative und einigem finanziellen Aufwand eine Menge an Bauleistungen erbracht worden, wie der Vorstandschef und sein Vize Bernd Asmus bei einem Lokaltermin vor Augen führten. Dazu zählen die Erneuerung sämtlicher Stege, die Dachentwässerung der vorderen Schuppenreihe, Brandschutzmaßnahmen und eine Modernisierung der Elektroinstallationen. Demnächst sollte das Grundproblem solcher privaten Flusshäfen in Angriff genommen werden: Die Anglerhafen–Leute beschlossen die Erneuerung der Ufereinfassung mit unverrottbaren Kunststoffbohlen.

Doch heute heißt es aus dem Verein: „Zum Glück haben wir noch nicht angefangen zu bauen.“ Denn wenige Tage nach dieser Entscheidung flatterte unerwartete Post von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern (HWK-OMV) aus Neubrandenburg ins Haus. Darin die Ankündigung, den der HWK gehörenden Teil der Freizeitanlage in Loitz aus rechtlichen Gründen veräußern zu müssen und demnächst eine entsprechende Ausschreibung zu veröffentlichen.  Diese Besitzverhältnisse rühren wohl noch aus jener historischen Zeit, als hier die Bäcker-Innung den Wasserzugang nutzte, erläuterte Jan-Karsten Petersen dem Nordkurier. Ihm und seiner Truppe beschert die Nachricht vom Verpächter nun allerdings handfeste Existenzängste. 

Hoffnung liegt auf der Stadt

Immerhin gehe es um zwei von drei Flurstücke, die rund drei Viertel des Geländes ausmachen. Nur das dritte, ein ehemaliges Wegegrundstück, befinde sich wie bei den anderen Loitzer Bootsvereinen im Eigentum der Stadt. Zwar können die Frohnergasse-Akteure nichts Schlechtes über die HWK als Verpächter sagen und hätten dort auch Verständnis für ihre Sorgen geerntet, berichtet der Vorstand. Aber der im Raum stehende Mindestkaufbetrag im fünfstelligen Bereich oder gar eine Veräußerung an den Höchstbietenden würden die Mitglieder deutlich überfordern. 

Die Zufahrt zum Vereinsgelände von der Peene aus gesehen. Eigentlich sollten jetzt die Einfassungen erneuert werden, doch das Projekt liegt nun erstmal auf Eis.
Die Zufahrt zum Vereinsgelände von der Peene aus gesehen. Eigentlich sollten jetzt die Einfassungen erneuert werden, doch das Projekt liegt nun erstmal auf Eis. (Foto: Verein Anglerhafen Frohnergasse)

Die Hoffnung des Vereins liegt nun einerseits darauf, dass die Handwerkskammer für diese Grundstücke wenigstens von einer Versteigerung Abstand nimmt und sich mit einem Erlös um den Verkehrswert begnügt. Sowie andererseits die Kommune als Käufer einspringt, um dann später als Verpächter des kompletten Areals aufzutreten. Gesprächen mit beiden Seiten zufolge scheint diese Lösung nicht chancenlos, meinen Petersen und Asmus: „Unsere Jubiläumsfeier soll und darf ganz einfach keine Abschiedsfeier gewesen sein!“

Nur auf der von hier aus linken Seite gehört ein Teil des Vereinsgeländes der Stadt, der große Rest hingegen der Handwerkskammer.
Nur auf der von hier aus linken Seite gehört ein Teil des Vereinsgeländes der Stadt, der große Rest hingegen der Handwerkskammer. (Foto: Stefan Hoeft)

Das bestätigt auch Vizebürgermeister und Kämmerer Enrico Vogel auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir haben das Signal gegeben, dass wir dazu bereit wären, und die Handwerkskammer hat angedeutet, dass sie nicht abgeneigt sind.“ Zumal an dieser Stelle des Peeneufers nach Intention der Stadt eigentlich keine andere Nutzungsvariante als derzeit in Frage komme. Einen Bieterwettkampf wolle und könne Loitz jedenfalls nicht absolvieren, da setzten die finanziellen Normen für Kommunen enge Grenzen, so der Kassenchef. Schon so gehe es um eine erhebliche Summe, die bisher nicht im Haushalt eingeplant war. „Das heißt, wir müssten das mit Einsparungen an anderer Stelle realisieren.“

Nicht nur deshalb liege das letzte Wort zu so einem Geschäft bei den Abgeordneten, erklärt Vogel. Die werden sich voraussichtlich bei ihrer nächsten Sitzung Ende September mit dieser Frage beschäftigen.