Streit mit Stadt

Feuerwehr-Chef redet sich Frust von der Seele

Demmin / Lesedauer: 3 min

Eine Personalentscheidung im Rathaus sorgt in der Demminer Wehrführung für Ärger. Die Kritik bekam der Bürgermeister vor versammelter Mannschaft zu hören.
Veröffentlicht:06.02.2023, 05:49
Aktualisiert:06.02.2023, 07:07

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Ob neue Fahrzeuge, wie ein Flachwasserboot oder Ausrüstung, wie Akkuschere- und Spreizer – Fakt ist: Im städtischen Haushalt wird die Demminer Feuerwehr umfassend bedacht. Und das jedes Jahr aufs Neue. Zudem gesellt sich ein enger Austausch mit der Stadt, vor allem dem Ordnungsamt. 48 aktive Kameraden sowie eine durchschnittliche Ausrückzeit von acht Minuten bei 229 Einsätzen im Jahr 2022 rundete das Bild einer schlagkräftigen Wehr auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ab.

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Konflikt zwischen Rathaus und Feuerwehr

Doch dem umfassenden Lob zum Trotz, welches die Einsatzbereitschaft der Kameraden hervorhob, drängte sich ein Konflikt in den Vordergrund, der schon länger zwischen Verwaltungs- und Feuerwehrspitze schwelt. Die Personalsorgen. So würde die Zahl der Aktiven, laut Wehrleiter Felix Schliwa, auf den ersten Blick zwar umfassend wirken, die Realität sei aber eine andere. „Durch Arbeit außerhalb, Urlaub oder Krankheit kommen wir imDurchschnitt auf circa 20 Kameraden im ersten Abmarsch und das auch nur bei einem hohen Einsatzstichwort“, sagte er. Weitere Aufklärung und Werbung seien demnach essenziell – auch durch die Stadt selbst.

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Stadt plant Werbe-Kampagne

Erste Schritte in diese Richtung waren zuletzt beispielsweise in den sozialen Medienpräsenzen der Stadt Demmin unternommen worden. Eine größer angelegte Marketingkampagne sei darüber hinaus auf dem Weg, wie Bürgermeister Thomas Witkowski (CDU) anmerkte.

Der weitaus größere Kritikpunkt entspinnt sich allerdings an einer Personalentscheidung im Verwaltungsapparat, die nach Ansicht der Wehrführung immensen Einfluss auf jene Arbeiten hat, die abseits der Einsätze laufen. Denn egal ob die Anmeldung für Lehrgänge, Fahrzeugpflege, Protokolle und Einsatzberichte, Zuarbeiten für das Ordnungsamt oder Materialbeschaffung – vor allem die Spitze der Freiwilligen Feuerwehr hat in ihrem ehrenamtlichen Engagement ein breites zusätzliches Feld zu beackern. „Aufgaben, die über Jahrzehnte der Wehrführer hier in Demmin übernommen hat, als Sachbearbeiter für Brand – und Katastrophenschutz, erst noch als 40-Stunden-Woche und dann nach ein paar Jahren innerhalb von zwei Tagen die Woche“, so Schliwa.

Wie viel Ehrenamt ist überhaupt möglich?

Ein Miteinander zwischen Stadt und Wehr, das es so seit Mitte des vergangenen Jahres allerdings nicht mehr gibt. „Als ich vor einem Jahr dieses Amt angetreten habe, dachte ich mir das ich diesen Vorteil als Angestellter des Bauhofs nutzen kann, mich ganz an diesen zwei Tagen um die Belange der Wehr zu kümmern, das funktionierte auch super“, sagte Schliwa. In der Freizeit, neben Arbeit und Familie, wäre es aktuell aber kaum zu stemmen.

Ein Problem, welches im Übrigen nicht nur auf Ebene der Demminer Feuerwehr für Stirnrunzeln sorgt. „Diese Entscheidung ist durch die Stadt so getroffen worden, aber man sollte dabei auch bedenken, dass bei der Größe unserer Feuerwehr und der vielen Aufgaben, die zu bewältigen sind, diese nicht alle nach Feierabend erledigt werden können“, so der stellvertretende Kreiswehrführer Wilfried Affeldt. Der Appell der Feuerwehrleute: Die Personalentscheidung solle nach Möglichkeit noch einmal überdacht werden.

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Ob dem Wunsch der Kameraden Rechnung getragen wird, ist allerdings fraglich. „Freiwillige Feuerwehr ist freiwillig, ein Ehrenamt mit einer riesengroßen Verantwortung. Ein Wehrleiter, der dieses Amt übernimmt, hat zeitliche Einschnitte hinzunehmen, das weiß man auch vorher“, so Bürgermeister Thomas Witkowski. Darüber hinaus sei es mitnichten so, dass nur die Feuerwehr die verwaltungstechnischen Seiten des Brandschutzes übernehmen könne. „Wenn sich Dinge nicht bewähren, werden wir das wieder auf den Prüfstand stellen. Aber erst mal ist die Entscheidung gefallen“, sagte er.