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Türkei und Syrien

Folgen der Erdbebenkatastrophe reichen bis nach Demmin

Demmin / Lesedauer: 3 min

Die Erdbebenkatastrophe im Süden der Türkei kennt nicht nur Opfer in der Region. Mit Halil Özis bangte lange Zeit jemand aus Demmin um das Leben seiner Familie.
Veröffentlicht:14.02.2023, 13:45

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Um 2.26 Uhr klingelt am vorvergangenen Montag (6. Februar) bei Halil Özis das Telefon. Doch der Betreiber des Döner-Imbisses am Repo-Markt Demmin schläft fest. Der Anrufer ist sein jüngerer Bruder Ömer, der von der Südtürkei nahe der syrischen Grenze aus anruft und ihn sprechen will. Doch das Unheil ist längst im vollem Gange. Geologische Institute verzeichnen in der Provinz Kahramanmaras ein Erdbeben bis zur einer Stärke 7,7. Tausende Menschen sterben in den Trümmern, nach letztem Stand sollen es mehr als 37.500 sein, Experten befürchten indes noch weit mehr. Halil Özis ist hier geboren, er kam 2010 nach Deutschland, arbeitete vier Jahre später in den Imbiss, den er dann nach einem weiteren Jahr übernahm. Doch große Teile seiner kurdischen Familie leben noch immer nahe der syrischen Grenze, wo jetzt das große Erdbeben stattfand. „Auf das Erdbeben bin ich erst am nächsten Morgen durch eine WhatsApp-Nachricht aufmerksam geworden und schaltete sofort den Fernseher an“, berichtet Halil Özis. „Danach rief ich erst einmal alle Verwandten und Bekannten an.“

Häuser durch das Beben verloren

Sein Bruder Ömer und die Eltern Ali und Hanim leben in Birecik. Sie haben ihre Häuser durch das Erdbeben verloren und leben momentan in einem großen Zelt. Özis anderer Bruder Ismail und seine Schwester Fatma konnten in Gaziantep im Gegensatz zu vielen anderen Menschen ebenfalls ihre Wohnungen noch rechtzeitig verlassen. Auch diese wurde so zerstört, dass beide diese auch nicht mehr betreten konnten. Nachdem Ismail mit seinen drei Kindern zwei Nächte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Auto geschlafen hatte, fuhr er zu seinen Eltern nach Birecik. „Jetzt schlafen alle bei meinen Eltern in Zelten. Zum Glück geht es ihnen soweit gut“, beschreibt Halil Özis die Notsituation.

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Weniger Glück hatte ein entfernter Verwandter von Halil Özis, der in Birecik zu einer Untersuchung ins Krankenhaus musste. Anstatt nach Hause zu fahren, übernachtete er bei Freunden. Als das Erdbeben begann, stürzte dieses Haus ein und Müclün starb unter den Trümmern. „Als ich von dem Erdbeben erfuhr, war ich geschockt, hatte große Angst um meine Familie und Freunde. Seit ich alle erreicht habe, bin ich etwas beruhigt. Aber trotzdem ist da noch die Angst, dass noch etwas passiert“, schildert Halil Özis, der mit seiner Familie im ständigen telefonischen Kontakt ist. „Ich werde sehen, wie ich sie jetzt unterstützen kann. Wichtig ist, inwieweit ihre Häuser und Wohnungen wieder hergestellt werden können oder ob sie abgerissen werden müssen.“