StartseiteRegionalDemminHat Demmin bei der Feuerwehr mit Personalnot zu kämpfen?

Einsatzbereitschaft

Hat Demmin bei der Feuerwehr mit Personalnot zu kämpfen?

Demmin / Lesedauer: 4 min

Demmins freiwillige Feuerwehr kann sich über mangelnde Ausstattung nicht beschweren. Dennoch wächst offensichtlich die Sorge, nicht konstant einsatzfähig zu sein.
Veröffentlicht:16.03.2022, 05:39

Artikel teilen:

Die Freiwillige Feuerwehr der Hansestadt Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zählt seit Jahren zu den Kernthemen in Verwaltung und Politik. Vor allem auf finanzieller Ebene macht sich das immer wieder bemerkbar. So tauchen Feuerwehr und Brandschutz im städtischen Haushalt konstant an prominenter Stelle auf. 56 000 Euro werden beispielsweise 2022 in Wehr und Löschteich investiert. Darüber hinaus fließt mehr als eine halbe Million Euro in den Brandschutz städtischer Schulen. An der Ausstattung der Kameraden gibt es – auch wenn größere Anschaffungen oftmals lange Lieferzeiten haben – daher wenig auszusetzen. Dennoch knirscht es offenbar im Gebälk der Demminer Wehr. Denn die beste Ausrüstung nützt wenig, wenn niemand da ist, der sie benutzt.

Lesen Sie auch: ▶ Warum ein Feuerwehrleiter Tschüss sagt

Personalmangel ist kein neues Thema

Personalmangel ist indes kein Thema, welches neu für die Freiwillige Feuerwehr ist. Vor allem im Rückblick auf einsatzintensive Jahre, wie 2021, ließ der damalige Wehrführer André Knaack im Januar anklingen, dass die Einsätze kaum mit der derzeitigen Zahl an aktiven Kameraden zu stemmen sind.

Ein Problem, welches sich zunehmend zu verschärfen scheint, wie aus einer AfD-Anfrage an Bürgermeister Thomas Witkowski (CDU) hervorgeht. „Berichte aus den sozialen Medien deuten an, dass auch die Einsatzfähigkeit der Demminer Wehr an einigen Tagen nicht angemessen gesichert ist“, heißt es da. Vor allem Spezialkräfte wie Atemschutzgeräteträger oder Maschinisten würden in der Hansestadt tagsüber nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stehen.

Heikle Situation bei den Nachbarn in Teterow

Auslöser für den Vorwurf – der sich auch aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Demmin selbst speist – ist eine heikle Situation in Teterow von Anfang März. Nach einer Brandmeldung konnten die dortigen Einsatzkräfte zunächst nur mit dem Einsatzleitwagen ausrücken. Für die Löschfahrzeuge fehlte schlicht ein Maschinist.

Dass in Demmin Ähnliches passieren könnte, weist die Stadt zurück. „Durchschnittlich stehen an den regulären Arbeitstagen mindestens 14 aktive Feuerwehrmitglieder zur Verfügung“, so Bürgermeister Thomas Witkowski. Normale Brandbekämpfung und technische Hilfsleistungen seien daher gesichert. Punkte, die auch der designierte Wehrführer Felix Schliwa bestätigt. „Noch ist alles in Ordnung“, sagt er.

Ehrenamtler haben auch einen Beruf

Eine gewisse Einschränkung schwingt in Schliwas Worten allerdings mit. Denn von einem Mitgliederüberschuss kann keine Rede sein. Insgesamt verzeichnet die Demminer Feuerwehr derzeit 50 aktive Kameraden. Von denen jedoch eben nur die besagten 14 für die Tagesbereitschaft zur Verfügung stünden – wenn nichts dazwischen kommt. Ein Problem, das zum Teil darin begründet liegt, dass die Retter ehrenamtlich im Einsatz sind. Demnach im Normalfall einem anderen Beruf – auch außerhalb ihres Einsatzgebietes – nachgehen.

Stadt kann nichts vorschreiben

Die Verantwortung, dem gesamten Sachverhalt entgegen zu wirken und die Attraktivität der Feuerwehr zu steigern, liegt nach Ansicht der städtischen AfD unter anderem bei der Verwaltung. „Laut Ausschreibungen der Stadt werden potenzielle Mitglieder für die Demminer Feuerwehr bevorzugt bei städtischen Stellenangeboten berücksichtigt“, formuliert die Fraktion um Norina Thiel. Die Frage, die sich ergebe, sei, wie viele aktive Feuerwehrleute sich tatsächlich unter den von der Hansestadt neu eingestellten Mitarbeitern befänden.

Vorzuwerfen hat sich die Stadt in diesem Zusammenhang wenig. „Von den in den letzten fünf Jahren eingestellten Mitarbeitern der Hansestadt Demmin war einer bereits vor seiner Einstellung Mitglied unserer Wehr und vier sind nach ihrer Einstellung der Feuerwehr beigetreten“, sagt Witkowski. Vorgeschrieben werden könne die Mitgliedschaft in einer öffentlichen Stellenausschreibung jedoch nicht.

Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen

Insgesamt stehen dennoch acht aktive Kameraden im Dienst der Stadt, die auch entsprechende Spezialausbildungen vorweisen können. So sind fünf von ihnen ausgebildete Maschinisten, vier Kameraden haben die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger und vier einen Motorsägeschein.

Wie zukunftsfähig der Status Quo ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt. „Die Angestellten bei der Stadt gehen irgendwann in Rente, dafür müssen neue Kollegen nachrücken, um die Stellen bei der Feuerwehr zu besetzen“, so Felix Schliwa. Die Sorge um die Einsatzfähigkeit schwingt demnach immer mit. „Eine Situation wie in Teterow möchte ich mir gar nicht vor Augen halten“, sagt er. Fakt sei also: Demmins Feuerwehr braucht jeden Mann.