StartseiteRegionalDemminHundesteuer erhöhen oder abschaffen – zwei Dörfer, zwei Wege

Kommunalpolitik

Hundesteuer erhöhen oder abschaffen – zwei Dörfer, zwei Wege

Wildberg / Lesedauer: 3 min

Was nützt die Hundesteuer in kleinen Ortschaften? Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Kommunalpolitiker mit dem Finanz-Instrument umgehen – und warum.
Veröffentlicht:23.02.2022, 18:19

Artikel teilen:

Wie heißt es doch so schön, der Hund ist der beste Freund des Menschen. Die Freude über diese Vierbeiner hat für manchen Kommunalpolitiker aber noch einen ganz anderen Hintergrund. So verständigte man sich im Gemeinderat Wildberg im Zuge der Beratung zum Haushaltssicherungskonzept, dass Hundebesitzer jetzt tiefer in die Tasche greifen sollen. Für den ersten Hund soll die jährliche Hundesteuer auf 60 Euro und für den zweiten auf 90 Euro rückwirkend zum 1. Januar ansteigen. Das ist eine Erhöhung von jeweils 20 Euro. Für den dritten und jeden weiteren Hund sollen dann 100 Euro gezahlt werden.

Bei der Hundesteuer wird allein das Halten von Hunden besteuert; es bedarf keiner bestimmten Leistung seitens der Gemeinde, wie etwa die Beseitigung von Hundekot. Die neue Satzung zur Hundesteuer soll bei der Gemeindevertretersitzung, die am Donnerstag um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Wildberg beginnt, beschlossen werden.

Mit der erhöhten Hundesteuer soll auch dazu beigetragen werden, die Finanzen der Gemeinde wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Besonders hohe Kosten hat der Ausbau der ehemaligen Turnhalle zum Dorfgemeinschaftszentrum verursacht. Aber auch andere Haushaltslöcher sind zu stopfen. „Die Erhöhung der Hundesteuer ist ein Teil zur Haushaltskonsolidierung, da auch wir, wie die meisten Gemeinden, einen verschuldeten Haushalt haben. Zunächst sollen Mitarbeiter erst einmal erfassen, wie viele Hunde überhaupt in der Gemeinde leben“, erklärte Bürgermeisterin Beatrix Papke.

Nicht sinnvoll, nicht gerecht?

Früher gehörte Wildberg zum Altkreis Demmin, genauso wie Siedenbrünzow. Derdortige Bürgermeister Dirk Bruhn (Die Linke) möchte genau den umgekehrten Weg gehen, und die Hundesteuer in seiner Gemeinde abschaffen. Zur Zeit müssen Hundehalter für ihren vierbeinigen Freund in Siedenbrünzow 16 Euro bezahlen, 36 Euro sind es für den dritten und jeden weiteren Hund. „Ich halte die Hundesteuer nicht für sinnvoll, weil die Einnahmen die Kosten für die Erhebung nicht decken. Damit diese Kosten gedeckt werden, müssten wir diese Steuer massiv erhöhen. Hinzu kommt die fehlende Steuergerechtigkeit, weil viele Hunde nicht angemeldet sind. Um das zu ändern, müsste eine Firma mit der Erfassung der Hundehalter beauftragt werden, was die Kosten um ein Wesentliches in die Höhe treibt“, argumentiert Dirk Bruhn.

Zudem stellt er sich die Frage nach dem Warum. Dann könnte man ja auch Pferde oder irgendwelche Luxusgüter besteuern. Einen wesentlichen Vorteil in der Hundehaltung sieht er darin, dass bereits Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb möchte Bruhn bei der nächsten Gemeindevertretersitzung vorschlagen, die Hundesteuer in Siedenbrünzow abzuschaffen. „Wir haben in der Gemeinde mit Hunden keinen Aufwand, wir setzen auch keinen Gemeindearbeiter zur Hundekotbeseitigung ein. Deshalb halte ich die Hundesteuer für nicht gerechtfertigt“, erklärt Dirk Bruhn.

Tierschützerin: Hund kein Luxus mehr

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Seit 1972 gibt es keine Hundesteuer mehr in Dänemark, drei Jahre später folgte Frankreich. 1987 schaffte Großbritannien diese Steuer ab, 1995 war Schweden so weit. Dann folgten Belgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Spanien und Ungarn.

Kerstin Lenz, Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzvereins, fordert das Gleiche für Deutschland. Für sie ist es längst kein Luxus mehr, einen Hund zu halten. Vielmehr habe der Hund heute seinen festen Platz in der Gesellschaft. „Heute ist der Hund ein Sportpartner, gerade ältere Menschen hält er fit, was der Gesundheit zugute kommt. Durch das Gassi gehen wird die Kommunikation unter den Menschen gesteigert. Für so manchen einsamen Menschen ist der Hund ein Gesprächspartner, der einem nicht widerspricht, aber trotzdem zuhören kann. Somit trägt der Hund zu einer enormen Kostensenkung im Gesundheitswesen bei“, meint Kerstin Lenz.