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Hohe Schulden

Spar-Hammer – Diese Kita soll jetzt weniger heizen

Wildberg / Lesedauer: 4 min

Die Gemeinde Wildberg steht schon seit Jahren unter Spar–Aufsicht. Jetzt erfolgte eine Haushaltssperre. Unter anderem soll bei den Heizkosten gespart werden.
Veröffentlicht:27.08.2023, 19:31

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Noch ist Sommer und vielleicht stehen ja doch noch ein paar warme Tage ins Haus. Das kann aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der Herbst und Winter für einige Bürger in Wildberg etwas kälter verlaufen wird, als bisher gewohnt. Da die Gemeinde eine Schuldenlast drückt, wurde auf Druck der Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises schon 2015 eine haushaltswirtschaftliche Sperre im Ergebnis– und Finanzhaushalt beschlossen.  Und die gilt voraussichtlich noch bis ins Jahr 2026. Bereits im Februar stimmte die Gemeindevertretung einer Fortschreibung zum Haushaltssicherungskonzept zu.

Kita muss bei Heizkosten sparen

Bürgermeisterin Beatrix Papke sprach gegenüber dem Nordkurier von einer Teilhaushaltssperre. Darin enthalten sei die Kürzung der Heizölkosten für den Landkindergarten um 2.800 Euro und für die Turnhalle um 2600 Euro. Während die Kürzung der Baumpflegearbeiten um 1.200 Euro sicherlich sinnvoll seien, werden die Kameraden der Feuerwehr über die Spar–Pläne kaum erfreut sein, denn die Ausgaben für deren Sicherheitsausrüstung wurde um 2.000 Euro gekürzt. Weiter heißt es in dem Beschluss, dass die Bürgermeisterin über die Haushaltssperre die Aufwendungen bei Sach- und Dienstleistungen um fünf Prozent kürzt. „Das heißt, wenn in einem Fachbereich Haushaltsmittel von jährlich 5.000 Euro zur Verfügung standen, dürfen die Mitarbeiter jetzt nur noch 4.750 Euro ausgeben“, erklärt Silvana Knebler, Fachbereichsleiterin Zentrale Verwaltung und Finanzen des Amtes Treptower Tollensewinkel.

Der Finanzhaushalt 2023 sieht an Einzahlungen einen Gesamtbetrag von 1.443.595 Euro vor, dem stehen aber Auszahlungen in Höhe 1.770.109 Euro. Dadurch entsteht ein Haushaltsdefizit von 326.514 Euro. Auch wenn in der Regel die realen Ein– und Ausgaben am Ende des Jahres meist enger beieinander liegen: Bei diesen Summen sind die jetzt beschlossenen Einsparungen kaum der Rede wert. Ganz anders sieht das bei der Amtsumlage von 109.060 Euro und besonders bei der Kreisumlage in Höhe von 239.200 Euro aus. Für den Gemeindevertreter Uwe Pade, der gleichzeitig Wehrführer der Wildberger Feuerwehr ist, sind die Umlagen eindeutig zu hoch. 

Engpässe bei der Feuerwehr

Wie Pade weiter berichtet, macht die Gemeinde jährlich ihren Haushaltsentwurf und schreibt da die Dinge rein, die benötigt werden. Da Wildberg verschuldet ist, antwortete der Landkreis als Rechtsaufsichtsbehörde mit der Aufforderung, Geld einzusparen. Im vergangenen Jahr wurden 5.000 Euro für die Unterhaltung der Feuerwehrfahrzeuge gestrichen. "Als abzusehen war, dass die Summe für die beiden Fahrzeuge nicht ausreicht, wurde dann ein Nachtragshaushalt beschlossen. „Den musste der Landkreis genehmigen, weil sonst die Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre“, schildert Pade.

In diesem Jahr wurde für die Neuanschaffung der Schutzausrüstung eine Summe von 22.000 Euro durch den Gemeinderat festgelegt. Was die wenigsten Bürger wissen: Nicht nur Lebensmittel haben ein Ablaufdatum, sondern auch die Schutzausrüstung der Kameraden. Wie der Wehrleiter erklärt, bestehen die Schutzanzüge aus einem besonderen Stoff, der die Feuerwehrleute vor Hitze schützt. „Je nach Hersteller wird angegeben, nach wie vielen Waschgängen die Sicherheit nicht mehr vollständig gegeben ist. Das bedeutet, so ein Anzug darf bei einem Einsatz nicht benutzt werden, wenn die Kameraden sich an einem direkten Angriff auf das Feuer beteiligen“, erklärt Pade.

Seine Angaben zufolge kostet es rund 2.000 Euro, einen Kameraden vollständig mit Schutzkleidung auszurüsten. Somit würde die Haushaltssperre im Endeffekt dazu führen, dass ein Kamerad weniger ausgestattet werden kann. Neue Feuerwehrmitglieder müssten dann mit veralteter Schutzausrüstung in den Einsatz. „Momentan haben wir 25 aktive Kameraden und 21 Jugendliche. In Wildberg ist jeder zehnte Einwohner Mitglied der Feuerwehr. Ich bin zur Wahl für den Gemeinderat angetreten, weil ich die Feuerwehr sicherer, leistungsstärker und zukunftsfähig machen möchte“, berichtet Pade. „Jetzt schlagen in mir zwei Herzen, das des Wehrleiters und das des Gemeindevertreters. Ich sehe die Notwendigkeit, neue Schutzanzüge zu bestellen und dass die Gemeinde kein Geld hat. Notfalls müssen wir einen Nachtragshaushalt beschließen“, regt er an.