In Rostock restauriert

Kunstschätze kehren in Loitzer Kirche zurück

Loitz / Lesedauer: 4 min

400 Jahre alte Bilder und Ahnentafeln der Herzogin von Pommern-Wolgast Sophia Hedwig sind zurück in Loitz. Das Restaurationsprojekt ist damit aber längst noch nicht abgeschlossen.
Veröffentlicht:05.08.2021, 09:11
Aktualisiert:06.01.2022, 22:06

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Wie es sich anfühlt, um die 400 Jahre alte Bilder in der Hand zu halten? Gut. Aufregend. Ehrfurcht einflößend. Ständig mit dem Gedanken beschäftigt, nichts fallen zu lassen. Dabei konnte gar nichts passieren. Der Restaurator Georg von Knorren, der am Dienstagnachmittag fünf historisch und künstlerisch sehr wertvolle Bilder zurück nach Loitz brachte, hatte ein wachsames Auge auf all das, was es beim Transport zu beachten gab. Dass er helfende Hände zuließ, war dennoch ein großer Vertrauensbeweis. Übertrieben soll an dieser Stelle allerdings auch nicht werden. Das Auto des Rostockers parkte direkt vor der Marienkirche. Die Bilder mussten also nur wenige Meter durchs Kirchenschiff getragen werden, bis in Altarnähe, weil dort die Lichtverhältnisse an einem sonnigen Augustnachmittag besonders gut sind.

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Das Auspacken und Montieren übernahmen dann natürlich der Fachmann und der Loitzer Pastor Bernd-Ulrich Gienke, der Auftraggeber von Georg von Knorre. Der kann sich des Respekts des Pastors sicher sein. „Oh ja, das ist ja wirklich gut geworden. Erstaunlich, wie die Bilder jetzt strahlen, sie waren ja im Schwarz versunken“, ließ Bernd-Ulrich Gienke seinen ersten Empfindungen freien Lauf. Es war wirklich ein spannender Moment, als der Mann, der die Bilder von Schmutz befreit und Schäden besteigt hat, sie aus der schützenden Ummantelung nahm.

Noch ist unklar, wo die Bilder vor 400 Jahren entstanden

Zwei Porträts, die Jesus Christus und Maria abbilden, und drei Ahnentafeln, die Auskunft über die Familie von Sophia Hedwig, der Herzogin von Pommern-Wolgast, geben, befanden sich seit Jahresbeginn in der Werkstatt des Rostocker Restaurators. Wie viele Stunden er in die Kunstgegenstände aus der Loitzer Kirche investiert hat, verriet er nicht. Offensichtlich sehr viele, wie eine Andeutung nahelegte. Doch er ließ keinen Zweifel aufkommen, dass es für ihn eine sehr würdige Aufgabe ist, diese historischen Schätze auf seine fachliche Art zu heben. Denn anhand der Ahnentafeln Sophia Hedwig, der Herzogin von Pommern-Wolgast, die bis in die Mitte des 17.  Jahrhunderts in Loitz lebte und der Region zu Bildung, medizinischer Versorgung und somit Ansehen verhalf, kann sehr gut der Vorher-Nachher-Vergleich angestellt werden. Die restaurierten Tafeln strahlen, wie die Porträts, auf ihre Weise, lassen jetzt Schrift und Symbole wieder gut erkennen.

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Während diese Ahnenbilder, die Sonia-Hedwig vor 400 Jahren in Auftrag gegeben haben soll, auf Nadelholz aufgebracht wurden, bestehen die beiden Porträts Christus und Maria komplett aus Eiche, das heißt Bildfläche und Rahmen. Aus welchem Atelier diese Arbeiten ursprünglich stammen, ist nicht überliefert. „Das wissen wir nicht, noch nicht. Wer weiß, vielleicht gibt es auch dazu noch einmal Forschungsergebnisse. Was wir aber wissen, ist, dass die Bilder, die Porträts, aus dem Jahre 1621 stammen und damit 400 Jahre später wieder aufgearbeitet, als kunsthistorische Schmuckstücke in unserer Kirche gezeigt werden können“, war Pastor Gienke die Freude deutlich anzumerken. Die ersten drei restaurierten Schrift- und Wappentafeln und die beiden Porträts sind erst der Anfang eines umfangreichen Auftrags, der übrigens nur durch die Unterstützung der Sparkasse Vorpommern und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung realisiert werden kann.

Attraktion für Touristen und Bildungsreisende

Apropos Bilder zeigen: Mit dem Projekt Kunstsanierung, das im kommenden Jahr, also 2022, abgeschlossen sein soll, hat die Kirche, neben ihrer wertvollen historischen Bibliothek nun noch einmal mehr zu bieten, was nicht hinter verschlossenen Kirchentüren gehütet, sondern hoffentlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. „Das ist alles im Werden. Wir sind dabei, ebenfalls mit fachlicher Unterstützung, eine neue Präsentation der Ahnentafeln der Herzogin, die Bilder von Christus und Maria inbegriffen, neu zu gestalten. Die Bilder werden an einem anderen Ort, für Besucher deutlich sichtbarer als bisher, zu sehen sein“, kündigte Pastor Gienke an.

Zudem verstehe sich Loitz, die Kirchengemeinde mit ihren Schätzen, als Teil einer Route zu der Ludwigsburg, Barth und Wolgast gehören, die für Touristen und Bildungsreisende angeboten werden sollen, um pommersche Geschichte erlebbar zu machen und im Bewusstsein der Menschen weiter lebendig zu halten.