StartseiteRegionalDemminSeenplatte mietet weitere Wohnungen für Flüchtlinge an

Flüchtlingswelle

Seenplatte mietet weitere Wohnungen für Flüchtlinge an

Demmin / Lesedauer: 3 min

Schon einmal hieß es, dass in Demmin eine Gemeinschaftsunterkunft geschaffen werden soll. Nun sorgt das Thema erneut für Aufregung.
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:38

Artikel teilen:

In der Hansestadt Demmin kursieren Gerüchte, ein Wohnblock im Zentrum, der eigentlich zum Abriss freigezogen worden war, werde derzeit für Migranten frisch renoviert. „Die Asylpolitik der Bundesregierung spitzt sich weiter zu und bringt Landkreise und Kommune an ihre Belastungsgrenzen“, hatte Norina Thiel, die Vorsitzende der AfD-Fraktion der Stadtvertretung Demmin, kritisiert.

Keine Gemeinschaftsunterkunft geplant

„Immer wieder müssen wir erleben, dass die Bürger erst spät von einer geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften erfahren und dass diese fehlende Transparenz Unbehagen bei den Bürgern auslöst“, hieß es weiter von Norina Thiel. Doch was ist dran an dem Gerücht? Der Nordkurier fragte bei der Stadtverwaltung nach.

„Der Landrat hat uns in der Bürgermeister-Dienstberatung über das aktuelle Fluchtgeschehen informiert und klargestellt, das der Landkreis allein im kommenden Januar 500 Geflüchtete aufnehmen und unterbringen muss“, erklärte Bürgermeister Thomas Witkowski (CDU). „Alle Kommunen wurden gebeten, Kapazitäten zu melden.“

Doch eine Gemeinschaftsunterkunft sei in Demmin nach wie vor nicht geplant, bestätigt auch Ronny Szabó, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Demmin GmbH (Wobau). „Wir haben geschaut, wo wir kurzfristig Wohnraum bereitstellen können.“ Genutzt werden soll nun ein Wohnblock an der Kahldenstraße, der eigentlich für den Abriss vorgesehen und deshalb leergezogen worden war.

Wohnblock mit einfachsten Mittel hergerichtet

„Er wird derzeit mit einfachsten Mitteln so hergerichtet, dass Asylbewerber in den Wohnungen untergebracht werden können.“ Dazu seien umgehend Aufträge an Demminer Firmen ergangen. Es gehe darum, in einem Aufgang zunächst fünf Wohnungen vorzubereiten. Den Vorwurf der AfD-Fraktionsvorsitzenden, dies geschehe „klammheimlich an den Stadtvertretern und den Demminer Bürgern vorbei“, wies Bürgermeister Thomas Witkowski aber zurück.

„Am Mittwoch, 29. November, war eine Zusammenkunft des Präsidiums der Stadtvertretung, auf der die Fraktionen darüber informiert worden sind“, bestätigte auch Szabó. Wie er berichtet, hat der Landkreis in Demmin bereits seit 2015 Wohnungen angemietet und ausgestattet, um Asylbewerber unterzubringen. Wirklich große Probleme seien daraus nicht entstanden, schätzte der Wobau-Geschäftsführer ein.

„Wo es Schwierigkeiten gab, haben wir uns darum gekümmert und dafür gesorgt, dass die Dinge geregelt werden“, sagte auch Witkowski. „Für uns ist das nicht neu, denn wir haben bereits 2015/16 Geflüchtete aufgenommen - und ebenso nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine.“ Zum jetzigen Zeitpunkt würden in Demmin 196 Flüchtlinge leben, davon 145 aus der Ukraine, berichtet der Bürgermeister. „Wir richten uns darauf ein, im Januar 36 weitere Asylbewerber aufzunehmen.“

Kritischer Blick auf die Gesamtsituation

Zum jetzigen Zeitpunkt seien aber noch keine Aussagen darüber möglich, welche Nationalität diese Menschen haben werden. Doch sie würden in der Hansestadt professionelle Unterstützung erhalten, betonte Witkowski. Generell um Asylbewerber kümmert sich der Verein Bürger aus Demmin, Ukrainer betreut als Partner des Landkreises das CJD.

Die Gesamtsituation müsse man allerdings kritisch betrachten und ganz klar feststellen: „Wenn das jeden Monat so weitergeht, dann kommen wir ganz schnell an unsere Kapazitätsgrenze“, unterstrich Witkowski. „Hier ist die Bundesregierung gefragt, die endlich handeln muss.“