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Mutter Natur begreifen im Naturerlebnispark Mühlenhagen

Mühlenhagen / Lesedauer: 5 min

Wir stellen Tier– und Naturerlebnisparks der Region vor. Im Naturerlebnispark in Mühlenhagen ist der Eintritt frei – Mensch und Natur sollen sich wieder näher kommen.
Veröffentlicht:22.07.2023, 08:00

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Wind streicht über langes Gras, das seine Halme scheinbar grüßend vor dem Besucher des Naturerlebnisparks Mühlenhagen neigt. Hohe Baumreihen werfen harte Schatten, selbst in der morgendlichen Sonne. Hier gibt es keinen Souvenirshop, keine Kasse, keine Wegweiser im gleichnamigen Dorf zum Ortsende, wo der traditionsträchtige Park mit einem kleinen Parkplatz vor dem Tor auf Besucher wartet.

Ein Park mit einer besonderen Geschichte

Wer den Naturerlebnispark in der Nähe von Altentreptow betritt, fühlt sich schnell wie ein Grenzgänger. Schon die Lage hinter der Landesstraße 35, hinter Mühlenhagen, irgendwie hinter der modernen Welt. Oder besser, hinter der Zivilisation. Man betritt das Reich der Natur und dieser Übergang kann jeden, der sich darauf einlässt, überwältigen. Nadine Oswald und ihr Mann John haben den Park 2021 gekauft. Die Pflanzen waren durch die Pflastersteine gekommen und in den Volieren und Käfigen kämpfte sich die Vegetation nach oben.

„Wir haben das Gelände den freilebenden Tieren und der Natur gewidmet. Unser Anliegen ist es, Mensch und Natur einander wieder näher zu bringen“, sagt die Betreiberin, die mit ihrer Familie aus Hamburg in die Mecklenburgische Seenplatte kam. Wir werden keine Eulen, Falken, Waschbären oder andere Tiere mehr zur Unterhaltung der Besucher in Käfige sperren.

Die Wirtschaftspsychologin hatte zum Start ihres Berufslebens für große Player der Wirtschaft gearbeitet. „Es ging darum, die Abläufe effektiver zu machen. Darum, die Mitarbeiter und die Kunden noch geschickter auszubeuten“, erinnert sie sich. Sie hatte sich zunehmend unwohl gefühlt, auch weil die Arbeitsbelastung nach Geburt der Kinder so hoch wurde, dass sie über andere Lebensmodelle anfing nachzudenken.

In einer Hochphase der Unzufriedenheit als Ihnen klar wurde, dass Sie nicht in Hamburg bleiben wollen, begann die Hamburgerin gemeinsam mit John und ihren beiden Töchtern ihren Traum zu visualisieren. Es wurde ein Familienbild gemalt, also ein A3–Gemälde, in das jeder seinen Lebenstraum eingebracht hat. „Ich malte einen See mit einem Haus der Begegnung daneben. Mein Mann malte Bäume, Baumzelte und einen Bach. Und die Töchter malten eine Pferdekoppel dazu“, erinnert sie sich und deutet auf den uralten Lageplan des Parks und auf das Café in der Mitte: „Haus der Begegnung“ steht und stand dort in großen Buchstaben.

Dass dieser Park ihr Paradies ist, haben sie leicht erkannt. Der Verein, der das Gelände als Tierpark betrieben hatte, hat sich in der Coronazeit aufgelöst. Als sich Familie Oswald meldete, dauerte es dennoch ein Jahr, bis sie den Zuschlag bekamen. Mit ihrem Konzept–Vorschlag und dem Angebot setzten sie sich bei der Gemeinde gegen 17 Mitbewerber durch. Statt in ein Sektengelände, einen buddhistischen Tempel, ein Therapiezentrum oder einen Solarpark verwandelt, bleib und wurde das Mühlenhagener Gelände ein Natur–Erlebnispark.

Eintritt gibt es nicht

Der Eintritt beträgt Null Euro. Am Eingang steht eine Spendenbox, deren Inhalt für den Erhalt und Ausbau des Spielplatzes eingesetzt wird. Das Café läuft gut, der Grillplatz mit einem Steinbackofen steht zur Vermietung von großen Feiern zu Verfügung und auf dem Platz, an dem ehemals ein Streichelgehege war, haben die Betreiber ein Heu–Hotel für acht bis zwölf Gäste eingerichtet, in dem man naturnah, aber deutlich über Campingniveau übernachten kann. Einige Minihäuser (Tinyhouses) sollen vereinzelt auf der östlichen Seite des Parks entstehen, die sich dann auch mieten lassen. 

Bereits zum zweiten Mal ist die Neubrandenburger Kirchgemeinde mit 30 Kindern an der Kanu–Anlegestelle im Dorf angekommen. Die Gruppe hat mitten im Park unter freiem Himmel übernachtet, um dann am nächsten Tag gemeinsam mit mehreren anderen Gemeinden einen Gottesdienst zu feiern. „So eine Lagerfeuernacht unter freiem Himmel macht etwas mit den Kindern“, sagt Nadine Oswald. Ihr Park soll keine Action–Attraktions–Maschine sein, in der man so viele Eindrücke sammelt und so viel erlebt, dass man abends nicht zur Ruhe kommt. Ganz im Gegenteil. Ihr Mann stimmt zu und erzählt, dass die beiden deshalb den Namen des Parks nicht geändert haben. „Es ist jetzt eher ein Naturerlebnispark als in all den Jahren vorher“, schätzt der Zimmermann ein. "Geld ist uns nicht das Wichtigste im Leben, bei Weitem nicht“, erklärt John mit breitem Lächeln und küsst seine Ehefrau.

Die einzigen Tiere, die hier gehalten werden, sind Hühner nebst Hahn und ein Rotwildrudel, das großflächigen Auslauf hat. Die Malteserhündin der Oswalds läuft frei auf dem Gelände, ist aber so menschenaffin, dass sie sich kaum hundert Meter von den Herrchen wegbewegt.  Begrüßt werden die Besucher meist von Miezi, der Katze mit den weißen Pfoten. Sie arbeitet hier selbstständig in der „Kinderbetreuung und als Parkführerin“. Der Park ist deshalb innerhalb unserer tierisch vergnüglichen Sommerserie ein besonderes Unikat. 

Das Gelände ist sehr weitläufig und in vielen Bereichen so naturnah, dass hier viele seltene Pflanzen und Tiere zu entdecken sind. Bei einer nächtlichen Wanderung glimmt die ganze Leuchtkraft des Firmaments. „Diese Sterne konnten wir in Hamburg niemals sehen“, freut sich die Familie. Für kleine Kinder befindet sich gleich neben dem Café ein weitläufiger Spielplatz. Für Naturliebhaber und wanderfreudige Besucher lädt das Gelände zum Spazierengehen ein. Je nach Route ist man von 15 Minuten bis zwei Stunden unterwegs. Empfehlenswert ist das pommes– und currywurstfreie Angebot des Cafés. Hier stehen selbst gebackene Kuchen und Torten, Kaffeespezialitäten und Eis aus einer kleinen Manufaktur der Region auf der Karte. Ein Park für alle, die es natürlich ruhig mögen.

Zum Schluss noch ein paar Infos zum Park:

Alter des Tierparks: 30 Jahre (vor 2 Jahren Neueröffnung)
Jährliche Besucherzahl: ungefähr 4000
Gesamtfläche: 38 Hektar
Anzahl der Mitarbeiter: 2 und eine Hilfskraft
Eintrittspreis für 2 Erwachsene + 2 Kinder: kostenfrei
Dauer eines Gesamtrundgangs: 4 Stunden
Öffnungszeiten: im Sommer 8 bis 21 Uhr
Anzahl der Tiere: 24 (in Haltung)
Anzahl der Tierarten :2 (in Haltung)
Kleinstes Tier: Huhn
Größtes Tier: Rothirsch