StartseiteRegionalDemminNähen verbindet! Demminer Verein bringt Menschen zusammen

Nähcafé ist kostenloses Angebot

Nähen verbindet! Demminer Verein bringt Menschen zusammen

Demmin / Lesedauer: 3 min

Im Cafe 3K sind Einheimische und Migranten, Näh-Anfänger und Könnerinen willkommen. Plaudereien aus dem Nähkästchen und Hilfe beim Deutschlernen gibt es auch.
Veröffentlicht:02.12.2021, 07:43

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Farbige Nadelkissen, gekürzte Hosensäume, syrische Topflappen – die Ergebnisse des montäglichen Nähcafés in Demmin sind fast so vielfältig wie seine Teilnehmer. Im Café 3K finden Menschen zusammen, die einsam oder als Migranten noch fremd in der Stadt sind, die sich ständig neue Klamotten oder einen Nähkurs nicht ohne Weiteres leisten können oder einfach Ablenkung, Beschäftigung und Gesellschaft suchen.

Maschinen für Anfänger

Auch für kleine Nähfreunde ist Platz, „damit die Mütter nicht das Gefühl haben, sie müssen ihre Kinder zu Hause lassen“, wie Nählehrerin Anette Leipold erklärt. Das Angebot des Vereins Demminer Bürger ist kostenlos, dank einer neuen auf ein Jahr ausgelegten Förderung, mit der auch drei anfängergeeignete Nähmaschinen und eine Grundausstattung für alle Teilnehmer angeschafft werden konnten.

Hilfe für Migranten

Die lernen hier jedoch nicht ausschließlich das Nähen und suchen nicht nur beim Kürzen von Hosen Unterstützung. „Die syrischen Frauen brauchen oft auch Hilfe bei Übersetzungen oder Behördengängen“, erzählt Anette Leipold. „Sie kommen dann schon mal mit einem Zettel und lassen sich helfen.“ Angebote wie diese seien auch eine Möglichkeit, dass sich Migranten mehr gesehen fühlten, meint sie. Gegenseitig unterstützen sich die Teilnehmer nebenher beim Deutschlernen, verbesserten einander, übten das Sprechen. Mit etwas Improvisation funktioniert die Verständigung trotz der Sprachbarriere. Zwei der Nähcafé-Gäste arbeiten laut Anette Leipold auch in anderen Bereichen mit den Syrerinnen zusammen, das erleichtere die Kommunikation. „Manchmal zeigen sie auch ein Video auf Syrisch zu der Näharbeit, die sie vorhaben, das schaue ich mir dann an.“

Dabei hat die erfahrene Schneiderin und Nählehrerin, die in ihrem Geschäft in der Treptower Straße beruflich Westen fertigt, selbst noch etwas dazugelernt: die Herstellung spezieller, syrischer Topflappen fürs Reiskochen zum Beispiel.

Nicht nur nähen lernen, sondern auch geduldig sein

Die Teilnehmer können sich ihre Projekte selbst auswählen. Die Männer kämen dabei üblicherweise eher zum Reparieren ihrer Klamotten ins Nähcafé, Frauen dagegen wollten oft eigene Kleidung nähen, hat Anette Leipold festgestellt. Sie muss sie häufig bremsen. „Beim Nähen muss man sich Zeit nehmen“, erklärt sie. „An einem Tag entwickle ich die Idee, am anderen zeichne ich, am nächsten schneide ich alles zurecht und erst dann geht es ans eigentliche Nähen.“ Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernten so, geduldig zu sein und herunterzukommen. „Es tut gut und lenkt ab“, findet ein Gast, der mit Hilfe von Anette Leipold eine Hose umnäht. Bei der Arbeit denkt er auch an seine Großmutter, die selbst eine begeisterte Schneiderin gewesen sei. Was das Nähcafé für ihn bedeutet, könne er nicht beschreiben. „Man kann etwas ändern und das fühlt sich gut an“, führt Anette Leipold aus, wofür der Teilnehmer keine Worte findet.

Sachspenden sind willkommen

Ändern kann sie an der pandemischen Lage und den damit verbundenen Maßnahmen jedoch nichts. Vor Kurzem erhielt Anette Leipold die Nachricht, dass nur noch Geimpfte und Genesene an dem Nähcafé teilnehmen dürfen. „Für uns ist das schwierig“, sagt sie, „einige der Teilnehmer sind nicht geimpft oder genesen.“ Doch im Nähcafé gibt es auch Verständnis für die Maßnahme: „Die Regelung ist nicht schlecht“, meint Astrid Tabbert. „Hauptsache, es kann weitergehen.“

Wer den Ort der Begegnung unterstützen möchte und noch Stoffreste, Knöpfe, Reißverschlüsse oder anderes Zubehör übrig hat, kann diese als Sachspende zur Verfügung stellen. Das Nähcafé findet montags von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr im Café 3K statt, sofern es die Corona-Regeln zulassen.