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"Rustower Recken" rudern am schnellsten – und dürfen doch nicht Sieger sein

Loitz/Bernburg / Lesedauer: 4 min

Die Loitzer Kutterruderer sind Freizeitsportler. Bei einem Wettkampf in Sachsen-Anhalt erlebten sie Unglaubliches – und kamen trotz Bestleistungen enttäuscht zurück.
Veröffentlicht:14.06.2023, 18:38

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Die Loitzer Kutterruderer sind über sich hinausgewachsen. Sonst hauptsächlich auf der Peene unterwegs haben sie bei einem Wettkampf in Bernburg, Sachen-Anhalt, Bestzeiten erreicht. Dort legten die „Rustower Recken“ eine 750-Meter-Distanz auf der Saale in vier Minuten und einer Sekunde zurück. Die „Piranhas“ traten beim 2000-Meter-Rennen an und benötigten 13 Minuten und 30 Sekunden, um als Dritte ins Ziel zu kommen.

Eine Mannschaft spornte die andere an

Doch damit nicht genug des sportlichen Einsatzes. Angespornt von der Atmosphäre vor Ort und den Fans aus der Heimat hatten sich die Piranhas entschlossen, auch noch einmal beim 750-Meter-Rennen an den Start zu gehen – freiwillig und außerhalb der Konkurrenz, weil sie ja schon beim 2000-Meter-Wettkampf gewertet wurden. Da immer je zwei Mannschaften gleichzeitig auf dem Wasser waren, kam es dazu, dass die Rustower Recken und die Piranhas nebeneinander fuhren – die einen, um in dieser Klasse ein super Lauf hinzubekommen, die anderen, um sich noch einmal zu beweisen, dass sie auch auf Kurzstrecke gute Ergebnisse erzielen können.

Die Loitzer Kutterruderer Piranhas kamen beim 2000-Meter-Renner auf der Saale auf Platz drei.
Die Loitzer Kutterruderer Piranhas kamen beim 2000-Meter-Renner auf der Saale auf Platz drei. (Foto: privat/ZVG)

„Mit dieser Entscheidung der Wettkampforganisatoren war uns klar, dass wir die Recken anspornen, sie quasi herausfordern, um sie zu einer ganz tollen Zeit zu treiben“, erklärten nach dem Wettkampf der Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) KK19 Christoph Preuß und Robert Junge, der bei den Piranhas mit im Boot sitzt. Beide beschrieben die Situation als unglaublich spannend und „sportlich einfach toll“.

„Die Zeiten, die beide Boote errudert hatten, versetzten uns in eine unglaubliche Euphorie“, beschrieb Robert Junge die Situation. Die Piranhas schafften die 750 Meter schließlich in 3:59 Minuten, die Rustower Recken in besagten 4:01. Das bedeutete zwei absolute Bestzeiten für die Loitzer Mannschaften. „Mit solchen Ergebnissen hatten wir vor Antritt unserer Reise nicht gerechnet. Man denkt ja drüber nach, wie es laufen könnte, natürlich möchte man das Beste rausholen“, sagte Christoph Preuß.

Doch Freude und Stolz wichen bald einer großen Ernüchterung. Stunden nach dem Wettkampf, der mit einer über vierstündigen Autofahrt verbunden war, war Christoph Preuß und Robert Junge die Erschöpfung noch etwas anzusehen. Doch viel deutlicher zu spüren war ihre Enttäuschung. Aber was war passiert? Warum gab es keine Bilder von strahlenden Siegern mit einem Pokal im Arm?

Erlebnis hat Teams zusammengeschweißt

„Die Rustower Recken wurden nach dem Rennen als Profis eingestuft und somit aus der offiziellen Rennwertung über die 750-Meter-Distanz aussortiert.“ Soll heißen: Die Ruderer, die die 750-Meter-Distanz in Bernburg am schnellsten von den mehr als 20 Ruder-Teams bewältigt und damit das Rennen gewonnen hatten, standen am Ende nicht – wie sie es eigentlich verdient gehabt hätten – auf dem Siegertreppchen.


„Diese Einstufung als Profis wurde den Rustower Recken wohlgemerkt nach dem Rennen mitgeteilt“, berichtete Christoph Preuß. Und Thomas Krakau, Mitglied der Mannschaft Rustower Recken, wurde auf Nordkurier-Nachfrage noch deutlicher: „Der Punkt ist ganz klar der, dass wir nie wieder zu einem Wettkampf nach Bernburg fahren werden. Wie man dort mit uns umgegangen ist, kann man nur als unsportlich und sehr unfair bezeichnen, um es freundlich auszudrücken.“

Alle drei Kutterruderer, mit denen der Nordkurier nach dem Wettkampf sprach, konnten dem Drama allerdings auch eine zweite, eine gute Seite abgewinnen: „Wir sind noch enger zusammengerückt. Dieses Rennen hat uns auf Jahre zusammengeschweißt“, sagte Thomas Krakau und bestätigte das, was seine Sportfreunde Junge und Preuß bereits formuliert hatten.

Beide Mannschaften, die in der IG KK19 organisiert sind, gelten als sehr ehrgeizig. In Bernburg haben sie bewiesen, dass sie auch als Team, das sich gegenseitig anfeuert und zu Höchstleistungen treibt, sehr gut funktionieren. Das können sie ganz sicher auch bei den nächsten Wettkämpfen beweisen, wie beispielsweise beim Anklamer Hansefest und mit Heimvorteil dann beim Loitzer Hafenfest, bei dem bestimmt viele Peenestädter ihre Mannschaften aus vollster Überzeugung und mit Herzblut anfeuern werden.

Beim 750-Meter-Wettkampf starteten die Rustower Recken noch als Freizeitsportler. Das Boot der Piranhas fuhr außerhalb der Wertung, spornte die Recken aber sehr stark an. Schließlich fuhren beide Bestzeiten und die Recken sogar die Gesamtsiegerzeit ein.
Beim 750-Meter-Wettkampf starteten die Rustower Recken noch als Freizeitsportler. Das Boot der Piranhas fuhr außerhalb der Wertung, spornte die Recken aber sehr stark an. Schließlich fuhren beide Bestzeiten und die Recken sogar die Gesamtsiegerzeit ein. (Foto: privat/ZVG)