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Feuerwehr-Bilanz

Spektakuläre Einsätze fordern Demminer Wehr alles ab

Demmin / Lesedauer: 4 min

Für Wehrleiter André Knaack ist 2021 das wohl aufregendste in der Geschichte der Demminer Feuerwehr an. Doch die Last der Einsätze verteilt sich auf immer weniger Schultern.
Veröffentlicht:07.01.2022, 15:16

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Das Jahr 2021 wird Wehrleiter André Knaack ewig in Erinnerungen bleiben. „Wir hatten im vergangenen Jahr rund 70 Brandeinsätze und 75 Hilfeleistungseinsätze zu meistern. Das ist kaum mit so wenigen Kameraden zu schaffen. Das muss sich in Zukunft ändern. Wenn man ein Fazit zieht, war 2021 ein sehr einsatzintensives Jahr, wir hatten über 20 Einsätze mehr als im Jahr davor“, schildert André Knaack.

Doch es ist nicht allein die bloße Zahl, die das Jahr heraushebt – es war die Art und Größe einiger Einsätze, die der Truppe alles abverlangten. In 102 Tagen erlebte die Wehr gleich zwei spektakuläre Brände und einen Einsatz am Bahnhof, bei dem Demmin nur knapp an einer Katastrophe vorbeischlitterte. Der größte Einsatz begann am 30. März um 9.23 Uhr. Die Feuerwehr Demmin musste zur Verstärkung nach Alt Tellin ausrücken, wo die Ferkelzuchtanlage brannte. „Schon von Weitem sahen wir die riesige, schwarze Rauchwolke. Da war jedem Kameraden bewusst, das wird kein kleiner Brand sein“, beschreibt André Knaack die Anfahrt.

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Wenn die Retter selbst fliehen müssen

Doch die Wirklichkeit sollte vor Ort alle Vorstellungen übertreffen. Beim Eintreffen sahen sie die großen Flammen, spürten die enorme Hitze. Keiner von ihnen, auch der Wehrleiter nicht, hatte zuvor so ein Flammeninferno miterlebt. „Der Wind drückte phasenweise den Qualm zurück auf den Boden. Ohne Atemschutzgerät hätte man ersticken können. Deshalb mussten wir zweimal unsere Fahrzeuge verlassen und flohen vor dem Brand“, erinnert sich André Knaack an die dramatischen Szenen.

Doch schnell wurde klar, dass das unmöglich wird, alle Schweine zu retten. Der Brand breitete sich rasend aus, die Hallen gingen nach und nach in Flammen auf. „Die Situation für die meisten Schweine war aussichtslos. Wir haben unser Bestes gegeben, aber es sollte nicht reichen, um die Tiere zu retten. Das Feuer war diesmal stärker“, sagt André Knaack.

Nur einen knappen Monat später sahen sich die Feuerwehrleute mit dem nächsten Großbrand konfrontiert, der um 6.51 Uhr gemeldet wurde. Diesmal betraf es die Hansestadt selber. In der Clara Zetkin-Straße brannte ein Wohn- und Geschäftshaus. Als die Kameraden die Flammen sahen, war noch nicht an einen Großbrand zu denken. Doch schnell zeigte sich das eigentliche Problem. „Durch die Personenrettung aus dem Dachgeschoss mit den altersgerechten Wohnungen hatte das Feuer die Zeit, sich auszubreiten. Deshalb entwickelte sich das Feuer zum Großbrand“, erklärt André Knaack.

Beeindruckt von der Hilfsbereitschaft

Diesmal war es aber nicht das Feuerinferno, was den Einsatz für den Wehrleiter so bedeutend machte, sondern das Verhalten der Menschen. „Ich fand es sehr gut, dass die Polizeikräfte mit ins Haus liefen, um die Menschen zu retten“, lobt André Knaack. „Außerdem ist das Verhalten von Anwohnern und Geschäftsleuten hervorzuheben. Sie versorgten uns mit Getränken und Essen, das war schon sehr rührend. So eine Hilfsbereitschaft habe ich bei Einsätzen bislang noch nicht erlebt“, so André Knaack.

Der dritte Einsatz, der dem Wehrführer besonders in Erinnerung geblieben ist, begann am 9. Juni um die Mittagszeit. Wegen einer defekten Schiene entgleiste gegen 12.45 Uhr der letzte von 21 Waggons eines Güterzuges im Bahnhof Demmin. Das Schlimme daran, es handelte sich um einen mit Benzin gefüllten Kesselwagen. „Die Hansestadt schlitterte an einer Katastrophe vorbei. In dem Kesselwagen waren 90 000 Liter Benzin. Wenn diese Feuer gefangen hätten und explodiert wären, dann wäre von der Bahnhofstraße in dem Bereich nicht mehr viel übrig geblieben“, schätzt André Knaack.

Zum Glück kam es nicht dazu und die Feuerwehrleute konnten in den vergangenen Monaten auch an vielen anderen Stellen Unheil abwenden. Trotz der hervorragenden Arbeit fehlt es der Wehr aber an aktiven Kameraden – es sind gerade einmal 50. Zwölf weitere sind in der Ehrenabteilung und können somit nicht mehr zum Einsatz rausfahren. Ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten gibt die Jugendwehr, denn diese hat 31 Mitglieder. Jedoch hat auch hier Corona ihre Spuren hinterlassen, weil die Jungendfeuerwehr viele Termine absagen mussten, sind einige Jugendliche ausgetreten.