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Schädliche Einflüsse

Steht das Ende der Fichtenwälder bevor?

Demmin / Lesedauer: 3 min

Es gibt viele schädliche Einflüsse, die den Fichten im Demminer Stadtwald nicht guttun. Revierförster Thomas Kollar betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. 
Veröffentlicht:10.02.2024, 11:57

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Der Demminer Stadtwald ist nicht nur das Zuhause vieler Tier- und Pflanzenarten und dient den Menschen als Naherholungsgebiet, sondern wird auch forstwirtschaftlich genutzt. Wie der Nordkurier bereits berichtete, haben die Stürme der vergangenen Jahre dem Wald ziemlich zugesetzt. Doch es gibt noch andere Ursachen, warum es vielen Bäumen nicht gut geht, weiß Revierförster Thomas Kollar.

Fichten in der Wendeforst stark vom Borkenkäfer angegriffen

Neben den Wetterbedingungen hätten die Fichten, die in der Wolde- und der Wendeforst stehen, besonders unter einem Forstschädling zu leiden, der unter dem Namen Borkenkäfer bekannt ist. Davon gibt es viele verschiedene Arten, wie den Buchdrucker, Kupferstecher oder den Gekörnten Fichtenborkenkäfer. Der wird nur 1,2 bis 1,7 Millimeter lang und hat einen walzenförmigen Körper.

Der Fichtenborkenkäfer bevorzugt, wie es der Name schon sagt, hauptsächlich Fichten und hat seine Flugzeiten von März bis August. "In der Woldeforst stehen hauptsächlich Laubbäume, da sind die Schäden nicht ganz so groß", schildert Kollar. "Dafür hat die Wendeforst mit ihren rund 2000 Hektar aber noch große Fichtenbestände, die sehr stark durch Borkenkäfer angegriffen werden."

Begünstigt wird die Ausbreitung des Borkenkäfers durch die klimatischen Veränderungen, wie der Förster erklärt. Bei der Fichte handelt es sich um einen sogenannten Flachwurzler, der ursprünglich nur in Gebirgsregionen wuchs. Deshalb stürzen bei heftigen Stürmen und Dauerregen, der den Boden aufweicht, vor allem Fichten um. Wenn dann der Wald wesentlich lichter geworden ist, entzieht leichter Wind dem Boden Feuchtigkeit. Hinzu kommen die langen Trockenperioden der letzten Jahre, verbunden mit dem Absinken des Grundwasserspiegels. Dadurch können sich die Borkenkäfer, wie Kollar weiter erklärt, leichter in die Rinde der durch die Wetterextreme gestressten Bäume bohren, während sie tote Bäume grundsätzlich meiden.

Borkenkäfergeschädigtes Holz viel weniger wert

Bei einer geschwächten Fichte versagen die Abwehrmechanismen, Eindringlinge werden nicht mehr wirkungsvoll mit Harz bekämpft. Es entstehen Fressgänge, in denen die Eier abgelegt werden und die Larven zur Welt kommen. Diese Gänge wiederum unterbrechen die Leiterbahnen, die eine Versorgung des Baumes von der Wurzel bis zur Krone sicherstellen. Sind diese Leiterbahnen zum überwiegenden Teil unterbrochen, stirbt die Fichte ab.

Für die Forstwirtschaft entsteht dadurch ein hoher wirtschaftlicher Schaden, wie Kollar deutlich macht. "Wenn man Einschlag und Rückung abrechnet, bekommt ein Forstbesitzer für gutes Fichtenholz rund 60 Euro pro Festmeter. Bei Sturmholz muss man bis zu zehn Prozent abziehen. Aber bei durch den Borkenkäfer geschädigtem Holz liegt der Festmeter um die 15 Euro!"

Schon bald keine großen Fichtenbestände mehr

Eine Chemiekeule könne laut Kollar nichts gegen den Borkenkäfer ausrichten. Da würde es nur helfen, die befallenen Bestände zügig abzuholzen. Aufgrund der Entwicklung des Fichtenwaldes zeichnet der Förster für diese Baumart im Demminer Stadtwald eine düstere Prognose auf. Schon heute werden auf Flächen, wo einst Fichten standen, andere Baumsorten angepflanzt. "Ich glaube nicht, dass die Fichte hier noch eine Zukunft hat", so Kollar. "In den nächsten fünf Jahren wird es keine großen Fichtenbestände mehr geben, vielmehr werden sie nur noch einzeln im Wald zu finden sein", meint der Revierförster.