StartseiteRegionalDemminWarum Fake News übers Spinnen verbreitet wurden

Märchenspiel

Warum Fake News übers Spinnen verbreitet wurden

Düvier / Lesedauer: 4 min

Der Traum vom schnellen Gold, Prahlerei und die Tücken des Internets haben eine Müllerstochter in Düvier in die Bredouille gebracht. Dort ging es märchenhaft zu. 
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:33

Artikel teilen:

Dass Wiederholungen der Publikumsgunst nicht unbedingt abträglich sind, beweist nicht nur jedes Jahr die Fülle an Ausstrahlungen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zur Vorweihnachtszeit im deutschen Fernsehen, sondern auch die Frauensportgruppe Düvier. Denn nachdem die rührigen Damen nun mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert lang zum Advent die Leute mit einem Märchenspiel erfreuen, greifen sie inzwischen auf Stücke aus den Sammlungen der Gebrüder Grimm zurück, die bei ihnen bereits über die Bühne gelaufen sind.

Nur ein Cent fand sich noch in der Staatskasse, da kamen dem König und seinem Schatzmeister die Fake News von der Goldspinnerei gerade recht.
Nur ein Cent fand sich noch in der Staatskasse, da kamen dem König und seinem Schatzmeister die Fake News von der Goldspinnerei gerade recht. (Foto: Stefan Hoeft)

Schließlich eignet sich mit Blick aufs Personal und Requisite nicht jede Geschichte gleichermaßen für eine Umsetzung, erläuterten sie dem Nordkurier am Wochenende, als mit „Rumpelstilzchen“ die neueste Zweitaufführung über die Bühne der Bauernstube lief. Und wieder mal mehr Leute anlockte, als der Saal Sitzplätze hatte. Zudem gibt es noch zwei weitere Gastspiele - für die Rentnerweihnachtsfeier und für die Lehrer.

Versehen mit politischen Seitenhieben

Auch sie dürften ein ums andere Mal nicht ein Schmunzeln oder lautes Lachen unterdrücken können bei der regional adaptierten und mit politischen Seitenhieben versehenen Vorpommern-Version der Erzählung um die schöne Müllerstochter und das kleine Männchen, das Stroh zu Gold spinnen kann. Angefangen bei den Klagen der Reiter, die angesichts der schlechten Wege im Königreich Ibitztal so manches Hufeisen als Verlust meldeten und einen Beinbruch ihrer Tiere befürchteten.

Echt goldig: Antje Weier spielte auch diesmal wieder eine Hauptrolle - als Rumpelstilzchen
Echt goldig: Antje Weier spielte auch diesmal wieder eine Hauptrolle - als Rumpelstilzchen (Foto: Stefan Hoeft)

„Die Straßen brauchen wir nicht machen, das kennen die Leute ja nicht anders“, kommentierte der Herrscher das Ganze mit Verweis auf die leere Kasse. Oder der ziemlich überteuerte Friseur, der für seine Internet-Posts erstmal eine Ecke finden mussten, an der es überhaupt Empfang gibt.

Frischen Stoff dafür lieferte ihm der Müller, der unter Haarschere und Trockenhaube die eigene Tochter in den höchsten Tönen lobte. Seine Annalena könne alles, obwohl sie eigentlich gar nichts so richtig gelernt habe. Selbst Stroh zu Gold zu spinnen, sollte für die junge Frau kein Problem darstellen, prahlte der Vater.

Plötzlich landete das Mädchen im Schlossgefängnis

Und der Figaro sah sich danach bemüßigt, das Ganze zum einen schnellstens bei Instagram und Facebook in die weite Welt zu melden und zum anderen im Loitzer Amtsblatt zu veröffentlichen.

Publikumsmagnet: Wieder einmal reichten die Sitzplätze in der Bauernstube nicht aus beim Märchenspiel der Sportfrauen aus Düvier.
Publikumsmagnet: Wieder einmal reichten die Sitzplätze in der Bauernstube nicht aus beim Märchenspiel der Sportfrauen aus Düvier. (Foto: Stefan Hoeft)

Auch der Schatzmeister des Königs glaubte diese „Fake News“ und so landete das Mädchen plötzlich im Schlossgefängnis. Verbunden mit der Auflage, die Geldkisten zu füllen. Denn zumindest Stroh gilt in diesem Landstrich nicht als Mangelware.

Zwar kämpfte das Rumpelstilzchen aus Düvier mit einer Heu- und Strohallergie, doch der Inhalt eines Flachmanns sowie Nasen- und Asthmaspray machten es fit für die Nachtschichten, in denen dann tatsächlich aus den getrockneten Getreidestengeln das ersehnte Gold wurde.

Sogar die Truhe mit dem staatlichen Sondervermögen war so am Ende bis über den Rand gefüllt, weshalb der König dem Volks rauschende Feste und jede Menge Investitionen ankündigte. Zudem heiratete er die Müllerstocher, die angesichts seiner zuvor stets gebrochenen Zusagen gar nicht damit gerechnet und so leichten Herzens ihren erstgeborenen Nachwuchs als Gegenleistung an das Männlein versprochen hatte.  

Ein Pferd abgeholt samt Kindersitz

Das erschien wie bei den Gebrüdern Grimm auch in der Bauernstube, um nach einem Jahr sein Pfand zu holen - samt Kindersitz fürs Auto. Und konnte nur davon abgehalten werden, weil Annalenas Freund, der Müllersbursche, nach einer anfangs vergeblichen Umfrage und Suche zwischen Hirschgrund, Kronwald und Ibitz endlich seinen richtigen Namen herausfand. Dafür und für den großen Spaß, denn die Sportfrauen den Zuschauern bereiteten, gab es am Ende einen Riesenapplaus. 

Im Anschluss an die Aufführung war auch für einen kleinen Imbiss und Getränke gesorgt.
Im Anschluss an die Aufführung war auch für einen kleinen Imbiss und Getränke gesorgt. (Foto: Stefan Hoeft)

Wobei die Müllerstochter, die in echt Astrid Naussed heißt, anschließend im Gespräch mit dem Nordkurier noch einen Extra-Dank loswerden wollte: an die Familienangehörigen, zuvorderst ihre Männer. Schließlich übernahmen die nicht nur Ton-Regie und Beleuchtung, sondern auch die Verpflegung der Besucher mit Essen und Trinken. Auch in dieser Hinsicht lief also alles wieder märchenhaft.