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Wie lässt sich Jugend für Demmins Jugendhaus begeistern?

Demmin / Lesedauer: 3 min

Das einst vor allem freitags rappelvolle Jugendhaus Friesenhöhe heute nur noch vereinzelt Besucher. Leiter Axel Schulz hat einen Vorschlag, mit dem sich das ändern könnte.
Veröffentlicht:09.01.2022, 18:27

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Seit nun fast 30 Jahren gibt es das Demminer Jugendhaus auf der Friesenhöhe. Und wenn nicht gerade eine Pandemie die Begegnungen im Haus unmöglich macht, ist heute wie früher immer jemand dort, um sich mit den Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Trotzdem ist die Frage, die Axel Schulz aufwirft, drastisch und frustrierend. „Ist unsere Gesellschaft so individualisiert, dass wir so eine Gemeinschaft nicht mehr brauchen?“

Seit 1999 betreut Schulz die Angebote im Jugendhaus. Damals habe ihn die Kirchengemeinde eingestellt, weil jemand Musikalisches gesucht wurde. Axel Schulz war selbst schon in verschiedenen Bands aktiv und von dieser, seiner Leidenschaft war das Jugendhaus lange geprägt. „Als wir hier angefangen haben, war der Bandraum immer voll“, erinnert er sich.

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Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Theater-, Tanz- und Musikgruppe TenSing gibt es nicht mehr, im Bandraum proben nur noch zwei Gruppen und nur vereinzelt kommen noch Kinder durch die Türen des Jugendhauses. Dabei mangelt es nicht an Angeboten. In einer Werkstatt kann geschraubt, gesägt und gebastelt werden. Jeden Mittwoch heißt es: Kochen, Braten und Backen. Zudem bietet Schulz Gitarrenunterricht an und es gibt eine Juniorband.

Werbung in Schulen lockte nur wenige neue Besucher

Die Kinder haben das Interesse an diesen Angeboten aber scheinbar verloren. Doch warum ist das so? „In Demmin hat sich das Bild etabliert, dass hier sowieso nichts los ist“, sagt Schulz. Dies liege an einem allgemeinen Informationsmangel über vorhandene Angebote. Obwohl Schulz und seine Kolleginnen in der Vergangenheit durchaus den Schritt auf die Kinder zu gemacht haben. In mehreren Schulen hätten sie innerhalb der Pausen ein Programm veranstaltet und Flyer verteilt. Alles mit der Botschaft: Ihr könnt herkommen, wir sind da! Doch nur selten zeigten die Aktionen Wirkung. „Wir müssen uns daher die Frage stellen, ob wir mit dem, was wir machen, an den Jugendlichen vorbei denken“, sagt Axel Schulz.

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Wichtig sei, dass auch die Jugendlichen ihre Ideen und Wünsche mitteilen würden. Möglich sei das in einem gemeinsamen Gespräch. „Ich kann aber nicht in die Stadt gehen und die Jugendlichen ansprechen. Das ist erstens nicht meine Aufgabe und zweitens bin ich schon zu alt um eine direkte Verbindung aufzubauen“, sagt Schulz. Er schlägt dagegen etwas anderes vor: In Demmin sollen wie in anderen Städten auch, junge Straßensozialarbeiter aktiv werden. „Damit könnten wir eine Schnittstelle zwischen den jungen Menschen und den vorhandenen Angeboten herstellen“, sagt Schulz. Er glaube eben nicht, dass die Jugendlichen alle keinen Bock haben.

„Sehnsucht nach Kontakt miteinander haben die Kinder immer noch”

Laut Schulz fehle es Demmin nicht an Vereinen oder Angeboten. Was fehle, sei hingegen ein allgemeiner Optimismus. „Da stellt sich aber auch die Frage, was wir Erwachsenen ausstrahlen. Leben wir vor, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich engagiert?“, fragt Schulz.

Natürlich habe sich in den letzten 20 Jahren viel geändert. Durch die technischen Geräte bestehe nicht die zwingende Notwendigkeit, sich zu treffen. „Doch die Sehnsucht nach Kontakt miteinander haben die Kinder immer noch“, sagt Axel Schulz. Der Wert einer Gemeinschaft müsse dabei immer wieder neu erlernt werden.