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Nach Skandal-Sitzung

80-Jähriger von Treppe gestürzt – Anzeige gegen Grünen-Chefin

Greifswald / Lesedauer: 2 min

Im Anschluss an eine turbulente Debatte kam es vor dem Greifswalder Rathaus zum Tumult. Pikant: Der Mann, den die Politikerin gestoßen haben soll, ist ein politischer Gegner.
Veröffentlicht:02.02.2024, 17:23

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Gegen die Landessprecherin der Grünen in MV ist Anzeige erstattet worden. Der Vorwurf: Sie soll im Nachgang der tumultartigen Sondersitzung der Bürgerschaft am Mittwochabend im Hinausgehen einen 80-jährigen Mann von der Rathaustreppe geschubst haben.

Die Polizei bestätigte, dass deshalb gegen eine 25-jährige Frau Anzeige erstattet wurde. Dabei handelt es sich um Katharina Horn, die für die Grünen in der Bürgerschaft sitzt und seit 2022 Co-Vorsitzende des grünen Landesverbandes ist.

Gegenüber dem Nordkurier wies Horn diese Anschuldigung allerdings von sich. Nach dem Ende der Sitzung habe sie mit ihren Fraktionskollegen das Rathaus verlassen wollen. Vor dem Rathaus allerdings befand sich eine Menschenmenge, teils diejenigen, die während der Sitzung des Saales verwiesen wurden.

Sturz sei ein Unfall gewesen

„Als wir die Gruppe umgehen wollten, hat ein älterer Mann seine Ellenbogen ausgefahren und versucht, uns den Weg zu versperren. In dem entstehenden Durcheinander ist der Mann gestolpert. Ich konnte ihn nicht mehr festhalten“, sagte Katharina Horn dem Nordkurier. Von einer Anzeige gegen sie wisse sie noch nichts.

Bei dem 80-jährigen Mann, der gestürzt ist, soll es sich nach Nordkurier-Informationen um Peter Gomoll handeln, der einen Tag zuvor zum Ehrenvorsitzenden der „Initiative Bürgerentscheid  Greifswald“ (IBG) ernannt wurde.

Die IBG sprach sich in der Vergangenheit gegen die Unterbringung von Geflüchteten in Containerdörfern in der Stadt aus. Ihre Sprecherin Eva Nehmzow war am Mittwoch bei der Sondersitzung als Zuschauerin zu Gast, wurde jedoch von Vize-Bürgerschaftspräsidentin Kira Wisnewski (Grüne) des Saals verwiesen, weil sie massiv durch Zwischenrufe gestört hatte.

Die Arbeit der IBG wird von Katharina Horn und ihrer Fraktion stark kritisiert. „In ihren Äußerungen übernimmt sie Formulierungen und Kampfbegriffe des Rechtsextremismus. Diese Initiative ist in der Vergangenheit und auch gestern durch demokratieverachtendes Auftreten und Kontakt zu Rechtsextremen aufgefallen.“

Mehrere Mitglieder der Initiative mussten aufgrund der wiederholten Störungen den Sitzungssaal verlassen. Der Kommunale Ordnungsdienst und die Polizei mussten einschreiten. 

Keine sichtbaren Verletzungen

Der 80-jährige Peter Gomoll klagte nach seinem Sturz über Schmerzen, ein Rettungswagen wurde gerufen. Laut der Polizei konnten keine sichtbaren Verletzungen festgestellt werden. Der Mann wurde vom Rettungsdienst begutachtet und konnte anschließend aus der medizinischen Betreuung entlassen werden. Die Kriminalpolizei befasst sich nun mit dem Fall.

Die IBG zeigte sich empört über diesen Vorfall. „Das war keine einfache Körperverletzung, sondern ein unmenschlicher, rücksichtsloser Angriff oder vielleicht sogar eine politisch motivierte Straftat?“, fragte Eva Nehmzow in einer herausgegebenen Pressemitteilung.

Horn geriet 2021 bereits einmal in die Schlagzeilen. Damals wurde gegen sie Anzeige erstattet, weil sie in Greifswald Wahlplakate der CDU überklebte. Die damals 23-Jährige entschuldigte sich öffentlich für ihr Verhalten und wurde im anschließenden Verfahren zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt.