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Flüchtlingssituation in Vorpommern bleibt angespannt

Greifswald / Lesedauer: 3 min

2023 erreichten deutlich mehr Flüchtlinge den Landkreis Vorpommern-Greifswald als noch vor zwei Jahren.  Entlastung soll nun eine sogenannte „Bezahl-Karte“ bringen.
Veröffentlicht:08.02.2024, 18:28

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Michael Sack ist ständig auf Wohnungssuche. Nicht für sich, sondern für andere. Der CDU-Landrat ist in Vorpommern-Greifswald dafür verantwortlich, alle ankommenden Flüchtlingen unterzubringen. „Wenn mir die Menschen vor die Tür gestellt werden, dann können wir die nicht draußen übernachten lassen“, sagte er bei der Präsentation aktuelle Zahlen zum Flüchtlingsgeschehen im Kreis. 

25 Prozent mehr Flüchtlinge als im Jahr zuvor

Nach Sacks Worten sind im Jahr 2023 deutlich mehr Flüchtlinge im Landkreis angekommen als im Jahr zuvor. 806 Asylbewerber seien Vorpommern-Greifswald vom Land zugewiesen worden. 2022 seien es noch 25 Prozent weniger gewesen. Das hängt mit den allgemein gestiegenen Flüchtlingszahlen zusammen. In ganz Deutschland wurden rund 330 000 Asylanträge (50 Prozent mehr als 2022) gestellt. Auf MV fallen davon etwa 6150 (42 Prozent mehr als 2022).

Die Hauptherkunftsländer sind dabei Syrien, Türkei und Afghanistan. Flüchtlinge aus der Ukraine werden in der Statistik nicht erfasst, sondern genießen einen Sonderstatus, kommen aber bei der Wohnungssuche noch obendrauf.

„Vom Bund fühlen wir uns ein wenig alleingelassen“, monierte der Landrat. Zwar werde vielerorts darüber geredet, wie sehr Flüchtlinge willkommen seien, echte Unterstützungs-Angebote vermisse er hingegen. Außerdem löse die jetzige Politik nicht das große Problem. 

„Wir reden aktuell nur darüber, wo wir die Menschen unterbringen, nicht aber darüber, wie wir sie integrieren können“, sagte Landrat Sack. In seinem Landkreis stoße die Aufnahmekapazität langsam an ihre Grenzen. Viele Einrichtungen, wie in Torgelow oder Greifswald, seien voll belegt.

Zu Jahresbeginn etwas entspanntere Lage

2323 Plätze für Asylbewerber gibt es laut Sack im Landkreis, aktuell sind davon 1883 belegt. Das entspreche einer Belegung von rund 93 Prozent, weil einige Zimmer immer für eine flexible Belegung freigehalten werden müssten.

Schwierig sei vor allem die Ungewissheit, wie viele Menschen Woche für Woche kommen. 50 bis 70 Flüchtlinge pro Monat könne man noch gut handhaben, ordnete Michael Sack ein. Im vergangenen Jahr seien zu Spitzenzeiten aber auch 194 auf einmal gekommen. 

Im Augenblick habe sich die Lage etwas entspannt. Im Januar und Februar seien weniger Flüchtlinge gekommen als erwartet. Die Zeit werde genutzt, um die Erstaufnahmestellen zu reinigen und zu renovieren. Das Ziel des Landkreises sei es weiterhin, keine Turnhallen, sondern Wohnungen oder alternative Modelle bereitzustellen. 

So hat man kürzlich in Greifswald in einem Hotel die Zimmer einer ganzen Etage für Flüchtlinge gemietet (der Nordkurier berichtete). Noch mangele es nicht an verfügbaren Wohnungen. „Wir sind den Wohnungsgenossenschaften und privaten Vermietern sehr dankbar für die Angebote“, sagte Michael Sack. Dennoch sei man dazu angehalten, die Kapazitäten weiter hochzuhalten. Niemand könne jetzt sagen, wie viele noch kommen.

Taschengeld, Geld für Lebensmittel und Möbel - alles auf einer Karte.
Taschengeld, Geld für Lebensmittel und Möbel - alles auf einer Karte. (Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Hoffnungen ruhen auf Bezahlkarte

Entlastungen verspricht sich der Landrat von einem neuen Bezahlsystem. Statt Bargeld auszuzahlen, solle eine Karte ähnlich einer EC-Karte den Asylbewerbern Bargeld zur Verfügung gestellt werden.

Der Vorteil: So könne man dem Missbrauch des ausgezahlten Geldes leichter vorbeugen, weil so nur Leistungen bezahlt würden, die den Lebensunterhalt sichern. Der Landrat sagte, noch im Februar wolle das Land MV dieses System ausschreiben. Ende des Jahres könne man dann sagen, wann die Karte eingeführt werden würde. „Wenn es nach mir ginge, so schnell wie möglich“, machte Michael Sack deutlich.