StartseiteRegionalMecklenburg-Vorpommern„Dass das passieren konnte, macht mich tieftraurig”

Impfpanne in Stralsund

„Dass das passieren konnte, macht mich tieftraurig”

Stralsund / Lesedauer: 2 min

Nach einer Überdosis mit der Corona-Impfung mussten in Stralsund einige Pfleger ins Krankenhaus. Der zuständige Arzt bedauert seinen Fehler.
Veröffentlicht:29.12.2020, 06:00

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Nach der Impfpanne in einem Stralsunder Pflegeheim hat sich der zuständige Arzt öffentlich geäußert und sein Bedauern ausgedrückt. „Ich fühle mich schuldig, dass ich die Schwester nicht kontrolliert habe. Dass das passieren konnte, macht mich tieftraurig“, sagt der Arzt der „Ostsee-Zeitung”. So habe er Spritze mit dem Impfstoff gesetzt, die ihm vorher eine Schwester gereicht haben soll. In seiner Laufbahn habe er bereits tausende Menschen geimpft und noch nie habe es Komplikationen gegeben, so der Arzt weiter.

Durch die Panne hatten am Sonntag insgesamt acht Mitarbeiter eines Stralsunder Pflegeheims die fünffache Menge des Corona-Impfstoffs gespritzt bekommen. Am Sonntag fand der groß angekündigten Start der Schutzimpfungen gegen das Coronavirus statt. Zunächst sollen Bewohner und Personal von Alten- und Pflegeheimen geimpft werden, weil sich das Virus dort bislang am stärksten verbreitet hatte.

„Mein persönliches Ego zerstört”

Der Arzt gehört zu einem von rund 40 Impf-Teams, die dafür in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind. „Meine Motivation war, dass die Sterberei endlich ein Ende hat. Nun ist mein persönliches Ego zerstört“, sagte der Arzt der „Ostsee-Zeitung”, der seinen Namen nach Angaben der Zeitung nicht öffentlich nennen will.

Die Impfaktion bezeichnet er als „gut organisiert”. Allerdings habe er die Annahme gehabt, dass es eine Einweisung gibt. Stattdessen habe es nur einen Zettel mit Informationen gegeben. „Kern der Problematik war, dass der Impfstoff für mich wie auch für die Schwester ein Novum ist“, so der Arzt. Zudem seien sich die Teammitglieder untereinander fremd gewesen, so habe man nicht einmal die Namen untereinander gewusst.

Für die Aufstellung der Impf-Teams und der insgesamt zwölf Impfzentren in MV sind die Landkreise zuständig. Diese hatten in den vergangenen Wochen um Personal geworben.

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Überdosis höher als in Tests

Laut einer Sprecherin von Biontech wurde in Studien untersucht, wie Patienten auf Überdosierungen reagieren. In den Versuchen seien Mengen bis zu 100 Mikrogramm ohne schwerwiegende Folgen verabreicht worden. Die Überdosierung bei den Betroffenen in Stralsund lag somit deutlich darüber.

Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen derzeit lokale Reaktionen an der Injektionsstelle und grippeähnliche Symptome. Diese sollen aber nur vorübergehend sein.