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LNG-Terminal

100 Millionen Euro für Mega-Projekt in Lubmin

Lubmin / Lesedauer: 4 min

Energie ist knapp, die Preise explodieren, der Winter rückt näher – private Investoren wollen helfen und verdienen. Doch der Flüssigas-Terminal stößt nicht nur auf Gegenliebe.
Veröffentlicht:19.08.2022, 14:11

Von:
  • Andreas Becker
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Sie haben großes vor, die Macher der Deutschen Regas. Ingo Wagner und Stephan Knabe arbeiten nach eigenen Worten mit ihrem Team „Tag und Nacht”, um das erste und bisher einzige privat finanzierte schwimmende Flüssiggas-Terminal aufzubauen. Die Zeit drängt – „wir arbeiten gegen den Winter an, denn dann wird das Gas aufgrund der nur noch geringen Menge, die durch Nord Stream 1 aus Russland nach Deutschland gepumpt wird, dringender denn je benötigt”, sagt Knabe im Gespräch mit dem Nordkurier.

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Man sei im Zeitplan, versichert Knabe, zusammen mit Wagner Gründer und Gesellschafter der Deutschen Regas und wohnhaft in Potsdam. „Es gibt verschiedene Arbeitsstränge, die die Landesregierung und wir als Unternehmen abarbeiten”, blickt Knabe auch auf ein Treffen zwischen Regas und der Landesregierung am Dienstag dieser Woche zurück. Dort seien Abläufe besprochen worden, um schnellst möglichst alle Unterlagen für die Genehmigung des Terminals zusammenzubringen. Dies bestätigte auch Patrick Dahlemann, Chef der Staatskanzlei. „Zusammen mit der Ministerpräsidentin, dem Wirtschaftsminister und dem Umweltminister arbeiten wir unter Hochdruck am ambitionierten Ziel, das Terminal Anfang Dezember starten zu können. „Der Termin steht, daran halten wir fest”, zeigt sich Knabe von seinem Projekt und dem Zeitplan komplett überzeugt.

Shuttle-Schiffe transportieren Erdgas

Die Deutsche ReGas möchte bis dahin ein Regasifizierungsschiff (FSRU) im Industriehafen Lubmin stationieren und dort Flüssiggas (LNG) in Erdgas umwandeln. Von der FSRU soll das Erdgas in das 450 Meter entfernte deutsche Ferngasleitungsnetz eingespeist werden. „Dabei kommt uns die durch die Pipelines Nord Stream 1 und 2 bereits vorhandene Infrastruktur entgegen”, betont Dahlemann. Um der geringen Tiefe des vor Lubmin gelegenen Greifswalder Boddens Rechnung zu tragen, soll außerhalb des Greifswalder Boddens in der Ostsee ein Tanker stationiert werden, an den LNG-Tanker bis 170.000 Kubikmeter andocken und ihr LNG übertragen können.

Von dort aus werden drei Shuttle-Schiffe das LNG zur FSRU im Industriehafen Lubmin transportieren. Laut Deutsche Regas könne über das LNG-Terminal pro Jahr bis zu 4,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas importiert werden. Das entspreche rund acht Prozent der Transportkapazität der in Betrieb befindlichen Nord Stream-Pipeline, so Knabe.

Kritik an Protagonisten

100 Millionen Euro haben Knabe und Co. für das Projekt zur Verfügung. „Wenn das Ding schief geht, steckt da auch viel Privatvermögen von mir mit drin”, räumt der 48-Jährige unumwunden ein. Und wie refinanziert sich das Terminal? „Wir bauen quasi eine Tankstelle und ich bin der Tankwart. Bei uns können Versorger dann das LNG-Gas beziehen”, so der gebürtige Brandenburger.

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es für das Regas-Projekt nicht nur Lob und Beifall, auch die Kritiker sind mittlerweile am Start. Tenor: Knabe und Wagner hätten null Erfahrung mit LNG-Terminals. Diesen Stimmen entgegnet Knabe entschieden: „Ich bin gelernter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Ich habe auch schon einen Kindergarten gegründet, ohne dass ich Pädagoge bin. Ich arbeite jetzt mit einem internationalen Netzwerk aus dem weltweiten LNG-Business zusammen. Diese LNG-Profis aus Norwegen, Dänemark oder Großbritannien führe ich zusammen – und gebe unter anderem das notwendige Geld.”

Und was passiert, wenn traditionelle Skeptiker solcher Großprojekte wie beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe der Deutschen Regas und der Landesregierung in die Parade grätscht? Till Backhaus, Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, versucht bereits im Vorfeld, mögliche Konfliktpunkte zu entschärfen.

„Um die aktuell geplanten Projekte erfolgreich umsetzen zu können, kommt es nun erst einmal auf die Vollständigkeit und Qualität der einzureichenden Unterlage und ein rechtssicheres Genehmigungsverfahren an.”