StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernEinladung per Fax kam zu spät – Prozess geplatzt

Justiz

Einladung per Fax kam zu spät – Prozess geplatzt

Schwerin / Lesedauer: 4 min

Ein professionell geplanter Autoklau in MV hat fünf Männer hinter Gitter geführt. Nun sollte der Prozess gegen sie beginnen – aber der Richter musste die Verhandlung aussetzen.
Veröffentlicht:08.11.2023, 14:19

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Ein Fehler bei der Einladung der Verteidiger per Telefax hat dem für Mittwoch geplanten Prozess gegen eine mutmaßliche Autodiebesbande vor dem Landgericht Schwerin einen klassischen Fehlstart beschert. Richter Olaf Wanzenberg musste gleich zum Auftakt einräumen, dass die Beteiligten – vor allem die fünf Angeklagten mit Verteidigern – „nicht fristgerecht geladen“ wurden. Die Geschäftsstelle habe den Faxfehler nicht rechtzeitig genug bemerkt. Daraufhin folgten Anträge auf Aussetzung der Verhandlung, denen der Richter auch nachkam. „Es soll aber noch im November einen Neustart geben“, sagte Wanzenberg dem Nordkurier.

In Vorpommern gefasst

Klar ist aber trotzdem, wohin die Verhandlung führen soll. Dem Quintett aus Polen werden schwerer Bandendiebstahl sowie gewerbsmäßige Bandenhehlerei in vier Fällen vorgeworfen. Die Gruppe soll vom 24. zum 25. Mai 2023 in einer Nacht auf einen Schlag mehrere Mittelklassewagen in Schwerin und im wenige Kilometer entfernten Karow in Nordwestmecklenburg gestohlen haben. Drei der vier Wagen – deren Gesamtwert mit 150 000 Euro angegeben wurde – und alle fünf Verdächtigen wurden kurz danach gefasst, unter anderem auf dem Parkplatz Peenetal der A20 in Vorpommern.

Staatsanwalt Tim Kühnau bot in einer Prozessberatungspause den Verteidigern einen sogenannten Deal an. Bei Geständnissen sollen die Angeklagten zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und neun Monaten und dreieinhalb Jahren verurteilt werden. Dabei soll jeweils strafmildernd oder -verschärfend die Stellung in der Bande und die Vorstrafen berücksichtigt werden. Einige der Männer sind bereits einschlägig vorbestraft.

Keine Lust auf einen "Deal"

Zu einer Einigung der beiden Seiten kam es aber nicht. Zwei Verteidiger beharrten darauf, dass ihre Mandanten „höchstens Bewährungsstrafen“ bekommen dürften. Somit scheiterte der „Deal“. Damit ist die Anklage aber auch nicht mehr an die „Angebote“ gebunden und kann auch noch höherer Strafen verlangen, sagte Kühnau.

Hintergrund des Gerangels um Prozessstart und Strafhöhe dürften vor allem die Haftfristen sein. So dürfen Verdächtige im Grunde nur sechs Monate in U-Haft bleiben. Diese Frist würde am 27. November 2023 enden. Beginnt der Prozess bis dahin nicht, können die Angeklagten freikommen. Oder die Staatsanwaltschaft müsste einen Extraantrag auf Haftverlängerung beim Oberlandesgericht MV stellen und begründen.

Die gestohlenen Autos sollten laut Staatsanwaltschaft in Polen als Ganzes oder in Teilen verkauft werden, damit die Verdächtigen ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Die Männer sind zwischen 22 und 40 Jahre alt. Nach der ersten Festnahme am Rastplatz Peenetal wurde zwei andere gestohlene Autos in Rövershagen bei Rostock und bei Brüel bei Sternberg beschlagnahmt und die Fahrer gefasst. Laut Kühnau handelte es sich um eine wichtigen Schlag gegen die organisierte Kriminalität beim Autodiebstahl in MV. Diese Fälle bearbeitet die Staatsanwaltschaft Stralsund als Schwerpunktstaatsanwaltschaft.

Ähnlicher Prozess bereits in März in Stralsund

Einen ähnlichen Prozess hatte es im März am Landgericht Stralsund gegeben. Dort waren fünf andere Männer aus Polen wegen bandenmäßigen Fahrzeugdiebstahls zu Haftstrafen von knapp drei Jahren bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Sie hatten nach einer Absprache mit dem Landgericht Geständnisse abgelegt.

Diese Bande hatte von Juli bis Oktober 2022 in mindestens 24 Fällen hochwertige Fahrzeuge in mehreren deutschen Bundesländern auf Bestellung gestohlen und zum Teil nach Polen gebracht, so das Gericht. Der Schaden belief sich auf rund eine Million Euro. Mit dieser Bande haben die jetzt in Schwerin angeklagten Männer aber nichts zu tun, hieß es.

Insgesamt waren 2022 in MV 216 kaskoversicherte Fahrzeuge gestohlen worden. Das waren nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft etwa 38 Prozent mehr als 2021. Dabei hatten es die Täter vor allem auf teure Autos abgesehen, ähnlich wie im aktuellen Fall, der nun wirklich bald in Schwerin verhandelt werden soll. Die „Ladungsfrist“, die eingehalten werden muss, beträgt eine Woche.