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Elektronische Medien statt Bücherbusse

Schwerin / Lesedauer: 2 min

Seit es keine Bücherbusse mehr gibt, fehlen auf dem Lande Möglichkeiten zum Ausleihen. Bibliothekare sehen nur eine Alternative.
Veröffentlicht:14.10.2017, 12:11
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Eine Karte der rund 90 öffentlichen Bibliotheken in Mecklenburg-Vorpommern zeigt viele weiße Flecke: Längst nicht alle Einwohner des Landes haben eine Bibliothek in gut erreichbarer Nähe. Eine Lösung des Problems sehen Bibliothekare in der Digitalisierung, wie eine Umfrage in einigen Landesbibliotheken ergeben hat.

„Veraltete Busse mit verschlissenen Medien sind jedenfalls nicht die Alternative“, sagte die Direktorin der Stadtbibliothek Wismar, Uta Mach. „Die Onleihe erscheint tatsächlich als zeitgemäße Antwort auf dieses Problem.“ Dass Ältere mit elektronischen Medien nicht umgehen wollen, sieht sie nicht: „Nach den Erfahrungen in der Onleihe MV gibt es viele ältere Menschen, die sehr wohl mit Tablet und Reader zurechtkommen.“

Internetarbeitsplätze für Schüler attraktiv

Der Geschäftsführende Vorsitzende des Bibliotheksverbandes im Land, Robert Zepf, will die Vorstellung aus den Köpfen bekommen, dass Bibliotheken aus Regalen voller Bücher bestehen. Der Direktor der Universitätsbibliothek Rostock gibt 75 Prozent des Etats für Neuerwerbungen für digitale Medien aus. In öffentlichen Bibliotheken sei die Zahl geringer, sagte er.

Das Problem ist Zepf zufolge, dass nur ein Drittel der öffentlichen Bibliotheken, die leistungsfähigsten, im Projekt Onleihe vernetzt ist. Der Leser kann dort digitale Medien ausleihen und für einen begrenzten Zeitraum auf seinem Computer oder E-Book-Reader speichern. Auch mit Internetarbeitsplätzen können Bibliotheken punkten, etwa bei älteren Schülern, sagte die Leiterin der Stadtbibliothek Schwerin, Grit Wilke. Die Bibliothek biete attraktive Arbeitsplätze und auch Recherchetraining, etwa zu Hausarbeiten, an. Für Jugendliche bis 18 Jahren sei die Bibliotheksnutzung kostenlos.

Neues Gebäude für größere Veranstaltungen

Während die großen Bibliotheken wie in Rostock mit 22.900 Nutzern und in Schwerin mit 8000 Nutzern mit ihrer Ausstattung recht zufrieden sind, müssen kleine Bibliotheken viel Phantasie entwickeln, um über die Runden zu kommen. In Zarrenthin (Kreis Ludwigslust-Parchim) gehören dazu Öffnungszeiten am Wochenende – ein Zugeständnis an Berufspendler, wie die stellvertretende Leiterin Sabrina Haupt sagte. Denn wenn Leser Probleme hätten, die Bücher zurückzugeben, blieben sie ganz weg.

In Altentreptow bei Neubrandenburg muss die Bibliothek mit 1,5 Vollzeitstellen auskommen, wie Leiterin Simone Marquardt sagte. Da sei es jedes Mal ein Balanceakt, die Fortbildungsangebote der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken wahrzunehmen. Das gehöre aber zu den Kriterien, um Fördermittel des Landes zu erhalten – und sei zudem interessant und wichtig. Ein großes Plus sieht sie im Umzug in ein neues Gebäude, das größere Veranstaltungen ermögliche.