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Zeynep

Erste Sturmbilanz für die Seenplatte und Vorpommern

Neubrandenburg / Lesedauer: 6 min

Bäume stürzten auf Straßen und Feuerwehrfahrzeuge, es gab zahlreiche Unfälle mit Verletzten: Eine erste Bilanz nach der Sturmnacht im Osten von MV.
Veröffentlicht:19.02.2022, 21:00

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Schäden durch Orkan „Zeynep” haben in der Nacht von Freitag auf Sonnabend Feuerwehr und Polizei im Osten von Mecklenburg-Vorpommern stark gefordert. Drei Personen wurden leicht verletzt, wie das Polizeipräsidium Neubrandenburg am Sonnabendmittag mitteilte. Von Freitag um 22 Uhr bis Sonnabend 9 Uhr gingen in der Einsatzleitstelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg insgesamt 135 Notrufe ein. Die meisten Meldungen seien in der Zeit von 5 bis 8 Uhr eingegangen und hätten sich auf auf umgestürzte Bäume auf den Straßen bezogen. Die Gesamtschadenshöhe beläuft sich den Angaben zufolge auf rund 195.900 Euro.

Für den Bereich der Polizeiinspektion Neubrandenburg wurden den Angaben zufolge 59 Notrufe aufgenommen. Sechs Pkw seien durch Bäume beschädigt worden. Ein Lastwagen sei aufgrund starker Windböen auf der Autobahn 20 in die Leitplanken gedrückt worden. Im Anschluss kam der Lkw quer auf der Fahrbahn zum Stehen. Das Fahrzeug musste durch ein Abschleppunternehmen geborgen wurden. Aus diesem Grund sei die Richtungsfahrbahn Stettin für knapp vier Stunden voll gesperrt worden.

Der Neue Friedhof in Neubrandenburg ist nach Sturmschäden erneut gesperrt. Dort waren 70 Bäume umgestürzt. Am Augustabad am Tollenensee waren nach der Sturmnacht Teile des Strandes abgetragen.

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Stromausfälle an der Müritz und bei Neustrelitz

Auf der B198 bei Stuer fuhren zwei Kleintransporter in einen auf der Fahrbahn liegenden Baum. Die Insassen der Transporter blieben unverletzt. An beiden Fahrzeugen entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 40.000 Euro. Für den Bereich Blumenholz und Galenbeck wurden abgerissene Strom- und Hochspannungsleitungen gemeldet. In Waren hatte sich ein Boot der Weißen Flotte fast von seiner Halterung gelöst, konnte aber noch rechtzeitig gesichert werden, so dass es nicht führerlos auf der Müritz trieb.

Im Bereich der Müritzregion gab es mehrere Orte um Röbel, die von Stromausfällen betroffen waren. Nach Aussage von Dezernent Michael Löffler vom Seenplatten-Landkreis von Samstagabend habe der Stromversorger E.DIS signalisiert, dass die Haushalte wieder überwiegend mit Strom versorgt seien. Nur in Knüppeldamm gäbe es noch etwa zehn Haushalte. „Da ist die Oberlandleitung gerissen“, die könne erst morgen repariert werden, sagte der Dezernent. Aufgrund des großen Störungsaufkommens hätten die Mitarbeiter die Reparaturen nicht mehr bewältigen können. Am Sonntag solle der Schaden aber so schnell wie möglich behoben werden.

Auch im Strelitzer Land hat es mehrere Stromausfälle gegeben, die teils bis Sonnabendmittag anhielten. Der Bahnverkehr war in der ganzen Region über Stunden eingestellt. Hier steht mehr über die Sturmschäden rund um Neustrelitz.

Hier sind Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz im Einsatz:

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Baum stürzt auf Feuerwehrfahrzeug

Für den Bereich der Polizeiinspektion Anklam. Dabei ging es in 20 Fällen um von Bäumen beschädigte Pkw. Insgesamt entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 102.000 Euro. Der schwerste Unfall ereignete sich laut Polizei auf der der B109 bei Diedrichshagen. Ein Pkw kollidierte mit einem Baum und es entstand ein Sachschaden in Höhe von 2000 Euro. Während der Bergungsarbeiten durch die Feuerwehr fiel ein weiterer Baum auf deren Fahrzeug, so dass diese einen Sachschaden in Höhe von 25.000 Euro zu verzeichnen hat.

Auf der B111 bei Buddenhagen fuhren drei PKW in einen umgestürzten Baum. Bei dem Unfall wurden ein 34-jähriger Fahrzeugführer und seine 14-jährige Mitfahrerin leicht verletzt. Weiterhin wurden herunter gefallene Dachziegel von der Schule in der Anklamer Baustraße und in der Heilige- Geist- Straße gemeldet.

Umgekippte Bushaltestellen und abgedeckte Dächer

Im Amt-Demmin hat es nach ersten Schätzungen vom Amtswehrführer Thomas Gebel mindestens 50 Einsätze gegeben. "Alle Wehren waren im Dauereinsatz. Große Pausen zum Verschnaufen gab es nicht. Der Schaden, den das Orkantief im Demminer Umland angerichtet hat, ist enorm", berichtet Gebel. Die Kita in Lindenhof in der Gemeinde Borrentin hat es letzte Nacht besonders schwer getroffen. Durch den Sturm wurde das Dach komplett abgedeckt. Ansonsten gab es viele Bäume, die in Stromleitungen gefallen sind oder Häuser getroffen haben. "Auch jetzt fahren immer noch einige Wehren raus, um letzte Schäden zu beseitigen. Hoffentlich geht es in der kommenden Nacht ruhiger zu", so der Wunsch des Amtswehrführers.

Über 30 Mal mussten die einzelnen Feuerwehren im Treptower Tollensewinkel von Freitagabend bis Samstagnachmittag ausrücken, um die Schäden zu beseitigen. "Es war wirklich alles dabei. Von umgekippten Bushaltestellen über Dächer, die vom Sturm zum Teil abgedeckt oder durch herabgestürzte Bäume beschädigt wurden bis hin zu unzähligen Bäumen, die die Straßen im Amtsbereich versperrten. Eine Nacht, die sämtlichen Kameraden einiges abverlangt hat und die sie garantiert nicht so schnell vergessen werden", fasste der stellvertretende Amtswehrführer René Reinhardt die vergangenen 14 Stunden rückblickend zusammen. In manchen Fällen sei es den herbeigeeilten Kameraden gerade noch rechtzeitig gelungen, die Bäume zu sichern, wodurch sie schwere Schäden an Gebäuden verhindern konnten.

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Feuerwehrleute retten drei Eigenheime

In Pasewalk retteten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute nach eigenen Angaben gleich drei Eigenheime vor schweren Schäden. Kurz bevor Bäume auf die Häuser stürzten, wurden sie gefällt. In der Straße Am Lindenbad war ein Nadelbaum in derart extreme Schieflage geraten, dass seine Zweige schon das Dach berührten. Vor einem Haus in der Dammstraße hinderten die Kameraden ebenfalls einen Baum am Umkippen.

Foto: Feuerwehr Pasewalk

Gerade noch rechtzeitig trafen sie am Sonnabend in der Ringstraße ein, wo sich gegen Mittag eine Tanne bedrohlich Richtung Tierarztpraxis neigte und von starken Sturmböen weiter nach unten gedrückt wurde. Mit einem Keil bremsten die Feuerwehrleute die Abwärtsbewegung. Von der Drehleiter aus sägten sie den Baum dann von oben stückweise ab. 22 Kameraden waren in Pasewalk von 22.15 Uhr bis in den Nachmittag hinein nahezu ununterbrochen im Einsatz. Lesen Sie hier dazu mehr.

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Mehr als 600 Einsätze im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Allein im Landkreis Vorpommern-Greifswald hat es in der Orkannacht und danach mehr als 600 Unwetter-Einsätze gegeben. Der Schaden geht in die Hunderttausende Euro. Lesen Sie hier dazu mehr.

19-Jähriger fährt in umgestürzten Baum

Für den Bereich der Polizeiinspektion Stralsund wurden 34 Notrufe aufgenommen. Insgesamt entstand ein Sachschaden in Höhe von ca. 17.100 Euro an Fahrzeugen. Der schwerste Unfall ereignete sich auf der L22 zwischen Franzburg und Schlemmin. Dort kollidierte ein PKW mit einem kurz zuvor umgestürzten Baum. Der 19-jährige Fahrzeugführer wurde bei dem Unfall leicht verletzt und zur weiteren Behandlung ins Klinikum Ribnitz verbracht. Am PKW entstand ein Schaden von etwa 5000 Euro.

Weiterhin wurden in Stralsund durch den Sturm Bauteile von der Baustelle des Revierneubaus in der Barther Straße geweht. Die Sicherung dieser Teile erfolgte.