Schließung

Ex-Minister Glawe kritisiert Ende des Vietnam-Büros

Schwerin / Lesedauer: 3 min

Nach vier Jahren schließt das Land MV sein Kontaktbüro in Vietnam wegen mangelnden Erfolgs. Einer der Initiatoren des Projekts hätte sich mehr Durchhaltewillen gewünscht.
Veröffentlicht:08.02.2023, 07:23

Von:
  • Frank Wilhelm
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Ex-Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hat mit Unverständnis auf die Schließung des Kontaktbüros des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Vietnam reagiert. „Frau Schwesig und Minister Meyer handeln vorschnell, wenn das Kontaktbüro jetzt einfach geschlossen wird. Zumal unser Land auf qualifizierten Zuzug angewiesen bleibt“, erklärte Glawe auf Anfrage des Nordkurier Richtung Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (beide SPD).

Das Kontaktbüro war 2019 unter der Ägide Glawes eingeweiht worden. Es sollte ein Anlaufpunkt für Unternehmen aus MV sein, die Fachkräfte aus Vietnam, Laos und Kambodscha suchen. Auch Unternehmen aus Südostasien sollten dort Ansprechpartner für MV finden.

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Diese Hoffnungen hätten sich nicht erfüllt, hieß es gestern aus dem Wirtschaftsministerium. Lediglich elf Vietnamesen seien 2021 über das Büro für eine Ausbildung nach MV vermittelt worden. „2022 kamen keine vietnamesischen Fachkräfte mit einer deutschen Sprachausbildung nach MV und auch für 2023 werden keine erwartet“, so das Ministerium.

Es gebe auch keine über das Büro in Hanoi vermittelten Unternehmenskontakte aus Vietnam, Laos und Kambodscha mit Interesse an Investitionen in Deutschland. Die Kontakte von Unternehmen aus dem Nordosten mit Investitionsabsichten in Südostasien beschränkten sich auf zwei Firmen, die ihre Produkte nach Vietnam exportierten.

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Das Kontaktbüro kostete das Land den Angaben zufolge 437.000 Euro. Darin seien Personal- und Sachkosten enthalten, hieß es. Der Vertrag ende am 30. April 2023. Doch diese Argumente können Glawe nicht überzeugen. Er erinnert an die jüngste Reise unter Führung des Staatskanzleichefs Patrick Dahlemann (SPD) nach Brasilien, die beinahe zehn Jahre Vorlauf gehabt habe und auf hohem Engagement einzelner Unternehmer basierte.

Vietnam und die DDR hatten seinerzeit enge Beziehungen, zumal viele Vietnamesen in Rostock studiert haben. Mithilfe des Kontaktbüros sollten vietnamesische Mitarbeiter für Gesundheitsberufe und den Tourismus gezielt angeworben werben“, so Glawe, der daran erinnert, dass das Vorhaben bei seinem Start großen Anklang fand – vom Unternehmerverband bis hin zu Professor Klinkmann fanden sich viele Unterstützer. „Es braucht allerdings Zeit, echtes Interesse und viel Fleiß, wenn man mit solchen Vorhaben erfolgreich sein will“, stellte Glawe klar.

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Die Landesregierung will bei der Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten künftig auf andere Partner setzen, wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Darüber käme seit Jahren regelmäßig ein Kontingent von 25 Vietnamesen nach MV, um an der Universitätsmedizin Rostock eine Pflegeausbildung zu absolvieren, hieß es. Das Ministerium betonte, auch das Land werde sich weiter um Fachkräfte aus dem Ausland bemühen. Zuwanderung werde gebraucht, um Fachkräfte-Engpässe zu beheben.