StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernKlimakleber in Stralsund angefahren – Lkw-Fahrer muss vor Gericht

Proteste

Klimakleber in Stralsund angefahren – Lkw-Fahrer muss vor Gericht

Stralsund / Lesedauer: 2 min

Er verlor die Nerven, drohte Klimaklebern und fuhr einen von ihnen mit seinem Lkw an. Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten, weil er einen Strafbefehl nicht akzeptiert.
Veröffentlicht:26.10.2023, 05:53

Artikel teilen:

Nachdem vor einigen Tagen ein Strafbefehl gegen den Lkw-Fahrer erlassen worden ist, der im Juli in Stralsund einen Klimakleber anfuhr, hat dieser nun Rechtsmittel dagegen eingelegt. Damit landet der Fall vor Gericht, wie ein Sprecher des Amtsgerichts Stralsund dem Nordkurier bestätigte. Der Lkw-Fahrer sollte mehrere tausend Euro in Tagessätzen zu je 90 Euro zahlen. Zudem soll sein bereits eingezogener Führerschein ein ganzes Jahr einbehalten werden.  

Gerichtstermin in den kommenden Tagen

Das Gericht stimme sich derzeit mit den Verfahrensbeteiligten über einen Termin ab, so der Sprecher. Wann das Verfahren angesetzt wird, werde in den kommenden Tagen entschieden. 

Der Lkw-Fahrer stand im Juli in Stralsund an einer Kreuzung, die von Klimaklebern besetzt worden war. Zuerst schleifte er einen Blockierer von der Straße. Einen zweiten griff er sich und drohte ihm mit der Faust, ehe er wieder in den Lkw einstieg. Dann fuhr der Mann los und schleifte einen der Klimakleber, der rechts vor dem Lkw saß, ein kleines Stück mit, ehe er stoppte. Ernsthaft verletzt wurde laut Polizei niemand. Der Demonstrant stand auf, der Lkw fuhr weiter.

Der Vorfall ist auf Videos festgehalten und wurde breit diskutiert. Dabei zeigten viele Menschen auch Verständnis für die Reaktion des Fahrers. Der Mann, der für ein lokales Fuhrunternehmen medizinische Gase transportierte, verlor wegen seiner Aktion seinen Arbeitsplatz. Den Führerschein musste er abgeben. 

Darum gingen die Ermittlungen so schnell

Ob auch gegen die Klimakleber ein Gerichtsverfahren eröffnet wird, ist indes noch unklar. Nach Angaben des Gerichtssprechers sei noch keine Anklage seitens der Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht eingegangen. Warum gegen den Lkw-Fahrer bereits ein Strafbefehl erlassen wurde, aber bei den Klimaklebern noch keine Entscheidung über das weitere Verfahren gefallen ist, erklärt der Sprecher mit der besonderen Eilbedürftigkeit bei dem Fahrer. Führerschein-, aber auch Haftsachen müssten mit besonderer Eile abgearbeitet werden. Der Entzug persönlicher amtlicher Dokumente oder die Unterbringung in Haft seien große Eingriffe in den persönlichen Lebensbereich eines Menschen.