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Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk – und nun?

Greifswald / Lesedauer: 3 min

Kritiker und Macher des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in MV trafen in Greifswald auf offener Bühne aufeinander. Den schwierigen Fragen ging man dabei aber aus dem Weg.
Veröffentlicht:15.06.2022, 14:50

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„Zu teuer”, „unzeitgemäß” und „unausgewogen” – die Konrad-Adenauer-Stiftung geizte auf dem Plakat nicht mit geharnischten Schlagworten, als sie in dieser Woche zu einer Diskussion über „Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk” ins Pommersche Landesmuseum einlud. Daran gemessen ging es auf dem Podium beinahe etwas zu einmütig zu: Joachim Böskens, Direktor des NDR Mecklenburg-Vorpommern, dürfte sich im Vorfeld auf mehr Gegenwind der übrigen Teilnehmer eingestellt haben, als er letztlich erhielt. Sein einziger „echter” Kritiker war FDP-Fraktionschef René Domke.

„Wo der Wettbewerb mit den Privaten beginnt, muss umgestellt werden”

Der Liberale stellte insbesondere zwei Fragen: Ist das Gebühren-Modell für die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender wirklich alternativlos? Und weshalb braucht es wirklich hunderte verschiedene Programme und einen ausgeprägten Fokus auf Unterhaltungs-Formate? Für diese gebe es doch nun wirklich private Alternativen, befand Domke – es sei nicht zu vermitteln, weshalb dies über Rundfunkgebühren von allen Bürgern bezahlt werden müsse. „Wo der Wettbewerb mit privaten Sendern beginnt, muss umgestellt werden“, so Domke, der damit auch dem Kurs der Bundes-FPD folgt, die seit Jahren eine Verschlankung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fordert.

Böskens ging auf diesen Vorschlag nur am Rande ein. Aus seiner Sicht ist der Rundfunkbeitrag von aktuell 18,36 Euro im Monat verhältnismäßig niedrig – „nur 60 Cent am Tag”, rechnete er vor. Dafür würden immerhin durchschnittlich 80 Prozent der Bürger täglich ein öffentlich-rechtliches Angebot einschalten. Der Forderung nach einer Einschränkung der Programmvielfalt hielt Böskens entgegen: „Wenn man 50 Menschen fragt, welches Angebot man streichen sollte, werden wir 50 verschieden Antworten bekommen.“ Wie er es begründet, dass jeder Einzelne unwiderruflich zur Zahlung des Beitrags verpflichtet sei, sagte Böskens nicht – er wurde allerdings auch nicht danach gefragt.

Sind die Leute vielleicht gar nicht so unzufrieden?

Insgesamt verharrte die Diskussion weitgehend in der Feststellung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Prinzip eine wichtige Funktion habe – nämlich ein journalistisches Grundangebot – , dieser Aufgabe aber nur einen Bruchteil seiner Finanzen widme. Wie sich daran etwas ändern ließe, blieb ungeklärt, so sehr der Moderator, der Greifswalder Theologe und Medienwissenschaftler Professor Roland Rosenstock auch nachbohren mochte. CDU-Fraktionschef Franz-Robert Liskow wusste immerhin noch darauf hinzuweisen, dass es besser sei, wenn der Staat sich aus der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks heraushalte. Der Berliner Kommunikationswissenschaftler Professor Christoph Neuberger konnte wiederum nicht viel mehr beitragen, als dass die Forschung herausgefunden habe, dass die Mehrheit der Bevölkerung mit den öffentlich-rechtlichen Sendern durchaus zufrieden sei.

Was freilich nur die eine Seite der Medaille ist. Denn auch die Wortbeiträge aus dem Publikum zeigten: Der Redebedarf über Qualität, Ausgewogenheit und den finanziellen Umfang der öffentlich-rechtlichen Sender ist ungebrochen hoch. Daran dürfte der Diskussions-Abend in Greifswald wenig geändert haben – so ehrenwert es auch sein mag, dass der NDR-Direktor sich der Debatte stellte.