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Hackerangriff

Landrat Kerth: „Wir sind im absoluten Notfall-Modus“

Stralsund / Lesedauer: 3 min

Seit Anfang der Woche beschäftigt den Landkreis Vorpommern-Rügen ein Hacker-Angriff. Bis dieser gelöst ist, kann es noch lange dauern. 
Veröffentlicht:29.11.2023, 17:32

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Seit Wochenbeginn geht im Landratsamt Vorpommern-Rügen fast gar nichts mehr – zumindest an den Rechnern der Verwaltung. „Der Landkreis Vorpommern-Rügen ist vermutlich Opfer eines Cyberangriffs auf die IT-Sicherheit geworden“, stellt der Kreis am Mittwoch noch einmal klar. 

Zwei Angriffe am Wochenende

Das Problem ist offenbar groß. Denn nun heißt es, dass bis mindestens Montag, den 4. Dezember 2023, die IT-Systeme vom Netz getrennt bleiben. „In der Nacht von Sonntag zu Montag kam es wohl zu dem Hacker-Angriff“, erklärt Landrat Stefan Kerth (parteilos) gegenüber dem Nordkurier. Er macht den Ernst der Lage klar: „Dieser Einschlag ist für uns Neuland.“

Das Innenministerium schreibt dem Nordkurier zur Attacke, „dass es bereits am Wochenende zweimal zu Hackerangriffen kam.“ Der Landrat will sich „aus ermittlungstaktischen Gründen“  nicht weiter zu dem Angriff äußern. „Wir sind in der Analyse des Angriffs und müssen ihn verstehen. Daher wissen wir auch noch nicht, wie lange das IT-Problem bestehen wird. Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt Kerth.

Mitarbeiter können Internet nicht nutzen

Wie in den Zeiten vor den Computern, sei der Landkreis derzeit lediglich per Telefon und Post zu erreichen. "E-Mailverkehr ist derzeit nicht möglich“, hieß es von der Verwaltung. Der Kreis bittet die Bevölkerung darum, die Behörde nicht persönlich aufzusuchen - nur „in dringenden Notfällen“. Ein Glück: Die Rettungsleitstelle und damit die „112“ ist vom Angriff nicht betroffen. Auch die Sozialleistungen des Kreises und des Jobcenters würden ausgezahlt werden.

Dennoch ist Arbeiten nur schwer möglich. Landrat Kerth: „Die Mitarbeiter können derzeit das Internet nicht nutzen. Zudem können keine digitalen Anwendungen der Verwaltung genutzt werden. Was derzeit geht, wird aber gemacht. Aber wir sind im absoluten Notfall-Modus.“ Der Kreis müsse jetzt „erst einmal gewichten und priorisieren, was wir in der Behörde an Aufgaben und Dienstleistungen aufrechterhalten können. Es geht uns dabei um die Bedürfnisse der Bevölkerung und was diese konkret benötigt“.  

Kontakt mit betroffenen Kommunen

Die Ermittlungen zum Angriff laufen derweil auf Hochtouren. Das Innenministerium erklärt hierzu: Es „werden aktuell beispielsweise u.a. Befragungen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt, um zu prüfen, wo und in welcher Form die Hacker in das System durchgedrungen sind.“ Kerth betont hierzu: „Wir gehen davon aus, dass der Angriff von außen kam.“ Der Kreis stehe zudem in Kontakt mit anderen Kommunen, die schon ähnliche Probleme hatten.

Das Computer-Notfall-Team des Landes Mecklenburg-Vorpommern (CERT M-V) beobachtet derzeit den Fall im Kreis Vorpommern Rügen, heiß es aus dem Innenministerium. „Dazu finden fortlaufend Austausche mit den anderen Landesverwaltungen, dem IT-Landesdienstleister und nicht-staatlichen Organisationen statt“, so eine Sprecherin.

Insgesamt sei das Eskalationsrisiko im Cyberraum „auf hohem Niveau“ und Auswirkungen auf Deutschland „wahrscheinlich“, hieß es aus Schwerin weiter. Im vergangenen Jahr sei zudem eine „hohe Bedrohung durch Cyberangriffe beobachtet“ worden. Das Innenministerium weiter:  „Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erhöhte sich das Bedrohungspotenzial unter anderem durch russische Nachrichtendienste sowie durch mehrere, neu in Erscheinung getretene Hacker-Gruppen.“

Während 2019 noch 15 Sicherheitsvorfälle gemeldet wurden, waren es 2020 schon 20. Im Jahr 2021 folgten 22 Vorfälle und im vergangenen Jahr 31. Für das Jahr 2023 seien durch das CERT M-V  bereits 20 größere Sicherheitsvorfälle und 10 sicherheitsrelevante Ereignisse betreut bzw. detektiert worden. In des vergangenen Jahren kam es auch zu Hacker-Angriffen in Schwerin oder im Kreis Ludwigslust-Parchim.