StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernLehrersuche in MV: Was die Regierungsmühen gebracht haben

Lehrermangel

Lehrersuche in MV: Was die Regierungsmühen gebracht haben

Schwerin / Lesedauer: 3 min

Flop oder Top? Was hat die Lehrerwerbekampagne des Landes Mecklenburg-Vorpommern bisher gebracht - Regierung und Opposition liegen bei der Bewertung im Clinch.
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:57

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Das Problem haben alle Bundesländer - der Kampf um die Köpfe, in diesem Fall der Lehrerköpfe, wird beinhart ausgetragen. Auch Mecklenburg-Vorpommern muss sich für jeden Pädagogen strecken, damit die dünne Personaldecke in den Schulen nicht reißt.

Elf Seiteneinsteiger wollen Lehrer werden

Eltern werden gezielt angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, als Quer- oder Seiteneinsteiger in den Klassen pädagogisch zu arbeiten, Jobbörsen werden veranstaltet, Werbeveranstaltungen am Strand gehören ebenfalls zum Programm der rot-roten Landesregierung, das in den vergangenen Jahren insgesamt Beträge im Millionenbereich gekostet hat.

Der größten Oppositionspartei aber reicht diese Lehrerwerbekampagne noch lange nicht. Enrico Schult, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, äußerte sich entsprechend kritisch. "Auf eine Anfrage im Bildungsausschuss  lieferte das Bildungsministerium uns überhaupt erstmalig Zahlen zu seinen aufwendigen Werbekampagnen. Demzufolge fanden acht Jobbörsen statt, an denen insgesamt neunzehn Schulen teilnahmen. Für diesen Aufwand sind die Ergebnisse auffallend gering", sagte der AfD-Politiker.

In Zahlen ausgedrückt: "Abgesehen von 15 grundständig ausgebildeten Lehrern, die sich standardmäßig bewarben, konnten in vier Monaten landesweit nur elf Seiteneinsteiger gewonnen werden, die sich derzeit im Qualifizierungsprogramm befinden. Konkret: Im Schulamtsbezirk Rostock ein Seiteneinsteiger, in Schwerin drei, in Neubrandenburg zwei und in Greifswald fünf."

AfD fordert pädagogische Hochschule 

Schult weiter: "Auch über das Internetportal Lehrer-in-MV.de und mehrere digitale Info-Veranstaltungen über fünf Arbeitsagenturen konnte die Zahl nicht erhöht werden. Zudem ist nicht sicher, dass alle Seiteinsteiger die Qualifizierung im Schuldienst durchhalten, zumal der Lehrerberuf seiner vielfältigen Belastungen wegen trotz guter Gehälter zu wenig attraktiv erscheint."

Für Schult ist klar, dass die Lehrer-Jobbörsen des Ministeriums wenig geeignet seien, gute Pädagogen zu gewinnen. Nach wie vor müsse vielmehr auf eine erhöhte Zahl grundständig ausgebildeter, also durchprofessionalisierte Lehrer gesetzt werden.

"Meine Fraktion hat daher den Antrag zur Gründung einer Pädagogischen Hochschule im Land eingebracht. Diese Hochschule soll vor allem auf zügige und praxisrelevante Lehrerbildung setzen. Bei der anstehenden Novellierung des Lehrerbildungsgesetzes werden wir darauf achten, dass Lehrer vorzugsweise grundständig ausgebildet werden", so Schult.

Ministerin: Keine zusätzlichen Kosten durch Jobbörsen

MV-Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) konterte die AfD-Aussagen. "Die Kritik der AfD zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben. In Deutschland sind grundständig ausgebildete Lehrkräfte Goldstaub, weil zu wenige Lehramtsabsolventen die Hochschulen mit einem Abschluss verlassen", betonte die Vize-Regierungschefin.

Die Lehrkräftegewinnung sei in allen Bundesländern ein Kraftakt. Um diesen Kraftakt zu stemmen, nutze MV alle Möglichkeiten, auf freie Stellen aufmerksam zu machen - ob es sich dabei um eine Beschäftigung als Alltagshilfe, als Lehrkraft im Seiteneinstieg oder als unterstützende pädagogische Fachkraft handele.

Oldenburg weiter: "Wir dürfen in dieser Situation nichts unversucht lassen. Nur in den entstandenen Netzwerken gelingt es, die bestehenden Lücken bei der Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften zu verringern. Ich freue mich über jeden einzelnen Beschäftigten, der über die Jobbörsen den Weg an unsere Schulen gefunden hat."

In dem Zusammenhang verweist die Ministerin darauf, dass diese Jobbörsen meistens im Rahmen von bereits bestehenden Veranstaltungen stattfänden und deshalb keine zusätzlichen finanziellen Aufwendungen entstehen würden.