StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernLkw-Fahrer fährt Klimaprotestler an – Gerichtstermin steht

Nur ein Verhandlungstag

Lkw-Fahrer fährt Klimaprotestler an – Gerichtstermin steht

Stralsund / Lesedauer: 2 min

Der Vorfall hatte bundesweit für Aufregung gesorgt. Nun soll ein Gericht entscheiden – und damit bereits ziemlich schnell beginnen.
Veröffentlicht:09.11.2023, 07:15

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Der Lkw-Fahrer, der im Juli in Stralsund einen Klimaprotestler bewusst angefahren haben soll, muss sich am 28. November am Amtsgericht Stralsund verantworten. Für den Prozess ist nach bisheriger Planung nur ein Verhandlungstag anberaumt, wie der Nordkurier am Donnerstag von Prozessbeteiligten erfuhr. Grund für die gerichtliche Verhandlung ist, dass die Staatsanwaltschaft nach dem Vorfall bei der illegalen Straßenblockade einen Strafbefehl gegen den 41-Jährigen erwirkt und dieser fristgerecht Widerspruch gegen diesen Strafbefehl eingelegt hatte.

Nur ein Verhandlungstag angesetzt

Beobachter rechnen damit, dass Teilnehmer der Straßenblockade als Zeugen gehört werden sollen. Wegen gleichzeitiger Ermittlungen gegen die Blockierer, die der Gruppe „Letzte Generation“ zugerechnet werden, könnten sie sich wohl auch auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen. Es soll noch am gleichen Verhandlungstag zu einem Urteil kommen. Einzelheiten zu dem Verfahren will das Amtsgericht Stralsund Anfang der nächsten Woche mitteilen.

Dem Kraftfahrer werden versuchte Körperverletzung, vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Nötigung vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 41-Jährige soll mit Verkündung der Entscheidung für ein Jahr den Lkw-Führerschein abgeben, der nach dem Vorfall im Juli bereits eingezogen worden war.  Außerdem soll er in 90 Tagessätzen mehrere Tausend Euro Geldstrafe zahlen, wogegen er Widerspruch einlegte.

Am 12. Juli hatten sechs sogenannte Klimaaktivisten auf einer Verkehrshauptachse in Stralsund den Verkehr gestoppt. Der Lkw-Fahrer soll laut Polizei drei Teilnehmer, die seine Fahrt behinderten, zum Teil von der Straße gezerrt und ihnen Schläge angedroht haben. Dann soll sich der Mann ans Steuer gesetzt und das Fahrzeug kurz angefahren haben. Ein Demonstrant, der sich rechts vor die Stoßstange auf die Straße gesetzt hatte, machte sich steif und wurde nach vorn geschoben, wie Handyaufnahmen belegen sollen. Verletzt wurde laut Polizei aber niemand.

Der Demonstrant stand schnell auf, der Lkw fuhr weiter. Die Staatsanwaltschaft meint, dass der Lkw-Fahrer den Blockierer vor dem Fahrzeug gesehen haben müsste. Der Lkw-Fahrer hatte sich später selbst bei der Polizei in Grimmen gemeldet. Die Staatsanwaltschaft führt weitere Ermittlungsverfahren, auch gegen die Blockierer wegen des Verdachts der Nötigung und des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. In sozialen Medien hatte der Fall des Kraftfahrers für zum Teil heftige Diskussionen gesorgt. Dabei gab es bei einigen Teilnehmern, die den Blockierern die eigentliche Nötigung unterstellten, auch Verständnis für die Haltung des Lkw-Fahrers.