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Löst Schwesig Innenministerin Nancy Faeser ab?

Berlin/Schwerin / Lesedauer: 3 min

Während die MV-Ministerpräsidentin in der Heimat eine politische Durststrecke durchstehen muss, erfindet sie sich auf der Berliner Bühne neu – und wird dort für einen Job gehandelt. 
Veröffentlicht:05.12.2023, 15:45

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Das war so recht nach dem Geschmack von Manuela Schwesig: Überregionale und sogar internationale Presse, gemeinsame Bilder mit Brasiliens Staatspräsident Lula, Berichterstattung in allen Medien, inklusive den Hauptnachrichten von ARD und ZDF - das Amt als Präsidentin des Bundesrats garantiert der Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern bundesweite Aufmerksamkeit.

Manuela Schwesig ( SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und amtierende Bundesratspräsidentin, begrüßt Luiz Inacio Lula da Silva, Präsident von Brasilien.
Manuela Schwesig ( SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und amtierende Bundesratspräsidentin, begrüßt Luiz Inacio Lula da Silva, Präsident von Brasilien. (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Wer die 49-jährige SPD-Politikerin seit Langem begleitet, weiß, wie wichtig Schwesig solche Auftritte auf der großen politischen Bühne in Berlin sind. Einfach mal den Alltagsärgernissen im eher beschaulichen Schwerin entfliehen, für wenige Stunden die nervende, immer noch nicht aufgelöste Klimaschutzstiftung vergessen, den nicht enden wollenden Streit um verbrannte Akten und gelöschte E-Mails und den ganzen Stress um den Untersuchungsausschuss, der die Vorkommnisse rund um die Gaspipeline Nord Stream 2 durchleuchtet, einfach mal inmitten der Bundeshauptstadt verdrängen.

Erfahrungen als Bundesfamilienministerin

Zumal der Regierungschefin aus dem Nordosten die Millionenmetropole und das dortige Ticken des politischen Geschäfts nicht fremd sind. Als Bundesfamilienministerin spielte Schwesig bereits in der Ära Merkel eine gewichtige Rolle - profilierte sich im Bund und galt lange Zeit als potenzielle künftige SPD-Chefin oder gar als Kanzlerkandidatin ihrer Partei.

Doch der Überfall Russlands auf die Ukraine veränderte alles - die lange Zeit engen Verflechtungen Mecklenburg-Vorpommerns mit Russland fielen Schwesig auf die politischen Füße, die Sozialdemokratin musste sich wieder ganz hinten anstellen und um ihr eigenes politisches Überleben in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen.

Nach dem überragenden Sieg bei der Landtagswahl im Herbst 2021, bei dem Schwesig ihre Partei mit fast 40 Prozent in ungeahnte Höhen katapultiert hatte, folgte mit dem Ukraine-Krieg der Absturz - mittlerweile ist auch in Mecklenburg-Vorpommern die AfD stärkste politische Kraft, die SPD auf 23 Prozent abgesackt. Insofern kommt die Bundesratspräsidentschaft für Schwesig wie ein vorweihnachtliches Geschenk - die gebürtige Ostdeutsche kann sich ein Stück weit politisch neu erfinden.

Aufgeben ist nicht ihr Ding

Mediale Auftritte in Berlin oder im Ausland (wie der angekündigte Gegenbesuch in Brasilien), überregionale und internationale Themen - Schwesig kann sich aus den oftmals mühsamen politischen Niederungen in der Heimat langsam wieder nach oben arbeiten. Dass die 49-Jährige solche beschwerlichen Wege gehen kann, hat sie in den vergangenen Jahren bewiesen - Schwesig ist ehrgeizig, ambitioniert, zäh, fleißig und hat Nehmerqualitäten.

Und vielleicht tauchen dann am politischen Horizont wieder ganz neue Perspektiven für die Sozialdemokratin aus MV auf. In der Bundeshauptstadt kursiert beispielsweise im Regierungsviertel die Geschichte von der schwächelnden Bundesinnenministerin Nancy Faeser und ihrer möglichen Rückkehr in ihre Heimat Hessen als stellvertretende Ministerpräsidentin in der Großen Koalition von Regierungschef Boris Rhein (SPD). Da die SPD mit profilierten Politikern nicht gerade gesegnet ist, taucht bei möglichen Nachfolge-Spekulationen für Faeser im Innenministerium auch der Name Manuela Schwesig auf. 

Beim Karneval feierten Manuela Schwesig (links) und Nancy Faeser (Zweite von links) gemeinsam. Bei der Party mit dabei waren auch die Ministerpräsidentinnen aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und aus dem Saarland, Anke Rehlinger (rechts).
Beim Karneval feierten Manuela Schwesig (links) und Nancy Faeser (Zweite von links) gemeinsam. Bei der Party mit dabei waren auch die Ministerpräsidentinnen aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und aus dem Saarland, Anke Rehlinger (rechts). (Foto: Manuela Schwesig/Facebook)

Doch was passiert dann in Mecklenburg-Vorpommern? Dort ist Schwesig schließlich das Gesicht der SPD überhaupt. Ob dann Patrick Dahlemann, Chef der Staatskanzlei in Schwerin und enger Vertrauter Schwesigs, das Zepter in der rot-roten Landesregierung übernehmen würde? „Alles nur Gerüchte und Spekulationen, alles Quatsch“, heißt es in der MV-Landeshauptstadt. Dass solche Aussagen allerdings immer nur eine begrenzte Halbwertszeit haben, gehört zum Einmaleins des politischen Geschäfts.