StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernMV-Bildungsministerin Oldenburg greift CSU-Mann Söder scharf an

Lehrermangel

MV-Bildungsministerin Oldenburg greift CSU-Mann Söder scharf an

Schwerin / Lesedauer: 2 min

Der Kampf um die Lehrer wird zwischen den Bundesländern beinhart geführt. Dabei wollten Bildungsminister der Länder gemeinsam gegen den Lehrermangel vorgehen.
Veröffentlicht:19.01.2023, 17:01

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Nur wenige Stunden bevor Simone Oldenburg am Mittwoch die Anreize Mecklenburg-Vorpommerns für potenzielle neue Lehrer öffentlich präsentieren wollte, funkte Markus Söder dazwischen. Der bayerische Ministerpräsident versprach all jenen Pädagogen, die ihren Dienst im Süden aufnehmen wollten, ein „Kraftpaket für Bayerns Schulen“.

Dies beinhaltet laut CSU-Mann Söder unter anderem ein Starterpaket mit Umzugshilfe, A-13-Gehalt, kostenlose digitale Geräte für alle Schüler sowie ein Praxissemester in der Schule für Studenten. Der Bayer kündigte an, „mehr als 8000 neue Stellen an Bayerns Schulen zu schaffen“.

Tweet von Markus Söder

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Kritik am Abwerben von Lehrern

Die Kampfansage aus dem Alpenvorland kam im Osten der Republik gar nicht gut an. Helmut Holter, Bildungsminister in Thüringen und zuvor lange Jahre Landeschef der Linken in MV und Mitglied der rot-roten Landesregierung unter Führung des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Erwin Sellering, bezeichnete das Abwerben von Lehrern als „No-Go“. Holter verwies auf die Stralsunder Erklärung, in der die Bildungsminister der Länder bereits im Jahr 2009 betont hatten, die Bekämpfung des Lehrermangels Hand in Hand zu bestreiten. „Bayern darf sich nicht aus der Gemeinschaft der Länder verabschieden“, sagte Holter.

Seine Parteigenossin Oldenburg, seit November 2021 Bildungsministerin in MV, reagierte ebenfalls verschnupft auf die Attacke aus dem Süden. „Wenn Bayern mit finanziellen Anreizen und Umzugshilfen junge Pädagogen lockt, brechen alle aus und wir haben das Chaos in Deutschland“, prophezeite Oldenburg. MV setze dagegen auf deutlich kürzere Bewerbungs- und Einstellungsverfahren, um dem Lehrermangel an den Schulen des Landes entgegenzuwirken. Zwischen Bewerbung und Arbeitsvertrag sollen künftig maximal sechs Wochen liege, machte Oldenburg klar. Bislang dauerten die Verfahren mitunter bis zu sechs Monate.

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„Lehrkräfte sind Goldstaub” 

Dadurch würden sich junge Lehrer oft für Anstellungen in Bundesländern entscheiden, die schneller reagieren. „Lehrkräfte und unterstützende pädagogische Fachkräfte sind Goldstaub. Deshalb müssen wir im bundesweiten Wettbewerb die Nase vorn haben“, so die Ministerin. Das neue Einstellungsverfahren sei im Rahmen des „Bildungspaktes für gute Schule 2030“ mit den Lehrer-Gewerkschaften und -Verbänden im Land abgestimmt.

Nach Angaben Oldenburgs scheiden bis 2030 etwa 7000 der aktuell gut 12.000 Lehrer aus dem Schuldienst aus. Diese zu ersetzen sei aufgrund des bundesweiten Lehrermangels eine große Herausforderung, da kein Bundesland über Bedarf ausbilde.