StartseiteRegionalMecklenburg-VorpommernNeonazi-Razzia in MV – Was die Polizei beschlagnahmt hat

„Hammerskins“-Verbot

Neonazi-Razzia in MV – Was die Polizei beschlagnahmt hat

Schwerin / Lesedauer: 3 min

Nach den Razzien in Anklam, Jamel und auf Usedom hat das Innenministerium nun bekanntgegeben, was gefunden und beschlagnahmt wurde.
Veröffentlicht:19.09.2023, 19:55

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Im Zuge des Verbots des rechtsextremen Vereins „Hammerskins Deutschland“ sowie seiner regionalen Ableger und der Teilorganisation „Crew 38“ ist es in Mecklenburg-Vorpommern zu insgesamt fünf Durchsuchungen gekommen. Laut Schweriner Innenministerium fanden diese in Jamel bei Wismar, in Anklam und auf Usedom statt.

Das hat die Polizei bei den Neonazis gefunden

Ministeriumangaben von Dienstagabend zufolge sind dabei unter anderem eine untere vierstellige Summe Bargeld, zweimal Sprengstoff, mehrere Gewehre und Pistolen, scharfe Munition und Übungsmunition beschlagnahmt worden. Außerdem sei eine „erhebliche Menge“ rechtsextremistischer Devotionalien beschlagnahmt und ein Vereinsraum leergeräumt und versiegelt worden.

Unter anderem sei eine „erhebliche Menge“ rechtsextremistischer Devotionalien beschlagnahmt worden, heißt es aus dem Schweriner Innenministerium.
Unter anderem sei eine „erhebliche Menge“ rechtsextremistischer Devotionalien beschlagnahmt worden, heißt es aus dem Schweriner Innenministerium. (Foto: Jens Büttner)

Von den Razzien waren demnach drei mutmaßliche Mitglieder betroffen. Nach Aussage einer Sprecherin des Schweriner Innenministeriums gibt es in MV zwei sogenannte Chapter der „Hammerskins“ ‐ eines in Mecklenburg und eines in Vorpommern. Hinzu kämen regionale Untergliederungen sowie die „Crew 38“, eine Art Anwerberorganisation.

Laut MV-Innenminister Christian Pegel (SPD) bringt die Gruppe ihr menschenfeindliches Gedankengut bei kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten unter die Menschen und versucht so, Anhänger für ihre menschenverachtende Ideologie zu gewinnen. „Mit diesem bundesweiten Vereinsverbot, das Bundesinnenministerin Nancy Faeser ausgesprochen hat, ist uns ein wichtiger Schlag gegen die rechtsextreme Szene gelungen.“

Ermittler bereiteten Razzien über ein Jahr vor ‐ auch mit US-Behörden

Seit dem Morgen seien 135 Kräfte im Einsatz gewesen, darunter auch Spezialeinsatzkräfte. Sie führten auch 13 sogenannte Gefährderansprachen durch. „Dabei nehmen Beamtinnen und Beamte Kontakt mit Unterstützern dieser rechtsextremen Szene auf.“

Bei den Vorbereitungen für das Verbot arbeiteten Bund und Länder nach Angaben des Bundesinnenministeriums über ein Jahr lang zusammen. Auch mit US-Partnerbehörden sei kooperiert worden. Die Neonazi-Gruppe ist ein Ableger einer Gruppierung aus den USA und existiert in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre. Wer sich der Vereinigung anschließen wollte, die sich selbst als elitär versteht, musste verschiedene Stufen durchlaufen, um als Vollmitglied anerkannt zu werden. Die Behörden schätzen die Zahl der Mitglieder bundesweit auf rund 130.

„Wir haben hier beinhart indoktrinierte Neonazis leben“

Die Organisatorin des Anti-Rechts-Festivals in Jamel, Birgit Lohmeyer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Maßnahmen am Dienstag seien „ein guter Tag für die Demokratie“ gewesen. Sie hatte 2007 zusammen mit ihrem Mann das Festival „Jamel rockt den Förster“ ins Leben gerufen, um auf die starken rechten Strukturen im Ort aufmerksam zu machen.

„Es hat eigentlich viel zu lang gedauert, bis reagiert wurde. Die Hammerskins sind ja schon ewig bekannt und wir wissen, was für Dinge diese Menschen umtreibt“, sagte Lohmeyer. „Insofern wunderbar, dass jetzt staatlich in allen Bundesländern reagiert wird.“

Auch die Linke im Schweriner Landtag nannte das Verbot „längst überfällig“. Dass sich durch die jüngsten Razzien in Jamel etwas ändern werde, glaubte Lohmeyer nicht. „Nein, auf keinen Fall. Wir haben hier beinhart indoktrinierte Neonazis leben.“ Das gehe bis hin zu den Kindern. In den Köpfen der Menschen werde sich durch die Polizeiaktionen nichts ändern. „Aber es ist ein wichtiges Signal an den Rest der Republik.“