Covid-19

Neue Corona-Maßnahmen in MV sind in Kraft

Schwerin / Lesedauer: 4 min

In MV gelten neue Corona-Regeln mit weiteren Einschränkungen. Ein Mediziner aus Rostock schlussfolgert nach der Auswertung mehrerer Studien, dass Gesichtsmasken vor schweren Covid-19-Verläufen schützen.
Veröffentlicht:25.01.2021, 07:20
Aktualisiert:06.01.2022, 21:37

Von:
  • Author Imagedpa
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Zum Wochenstart müssen sich die Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern auf strengere Corona-Maßnahmen einstellen. Dazu zählt etwa eine verschärfte Maskenpflicht. Im Nahverkehr und in Geschäften sind dann medizinische Masken notwendig, etwa OP-Masken, FFP2-Masken oder KN95-Masken. Wer eine Stoffmaske trägt, soll laut Staatskanzlei in dieser Woche noch kein Bußgeld zahlen müssen.

Bund und Länder hatten sich in der vergangenen Woche auf einen in Teilen verschärften Lockdown verständigt. Diese Maßnahmen sollen zunächst bis zum 14. Februar gelten.

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Notbetreuung in Kitas und Schulen

In Regionen mit mehr als 150 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche können Eltern ihre Kinder nur noch für eine Notbetreuung in Kitas oder Schulen bringen, sofern diese in die 1. bis 6. Klasse gehen. Für die Abschlussklassen, etwa die Jahrgänge 10 und 12, soll der Präsenzunterricht aber landesweit möglich sein.

Obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Infektionen im Landkreis Ludwigslust-Parchim knapp unter 150 liegt, gelten auch dort ab Montag stärkere Schutzmaßnahmen. Nach zwei sogenannten Übergangstagen treten sie auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald am Mittwoch in Kraft. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gelten sie bereits.

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In den anderen Landkreisen sowie in Schwerin und Rostock bleiben die Kitas und Schulen bis Klasse 6 grundsätzlich für alle Kinder geöffnet. Allerdings sind die Eltern überall dringend gebeten, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Viele Geschäfte bleiben auch weiterhin geschlossen. Dies gilt ebenfalls für viele Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater, Museen und Fitnessstudios. Gastronomiebetriebe dürfen nur außer Haus verkaufen oder ihre Waren ausliefern. Weiterhin geöffnet sind etwa Supermärkte, Drogeriemärkte, Banken und die Post.

Mediziner: Gesichtsmasken schützen vor schweren Covid-19-Verläufen

Das Tragen von Gesichtsmasken in öffentlichen Räumen trägt nach Meinung des Rostocker Tropenmediziners Emil Reisinger nicht nur entscheidend zur geringeren Ausbreitung des Coronavirus bei. Auch dort, wo Infektionen nicht vermieden würden, würden durch die Verminderung der Infektionsdosis mit hoher Wahrscheinlichkeit symptomatische Erkrankungen verhindert oder deren Schwere reduziert, schrieb Reisinger in einer jüngst im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie.

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Er bezog sich unter anderem auf Erkenntnisse aus der schweizerischen Armee. Bei zwei Kompanien seien erst neun Tage nach dem ersten Infektionsfall Masken und Mindestabstände angeordnet worden. Danach erkrankten 30 Prozent der Soldaten an Covid-19, bei 62 Prozent ohne Symptome wurden Sars-CoV-2-Antikörper nachgewiesen. In einer anderen, räumlich getrennten Kompanie seien vor dem ersten Infektionsfall Masken und Mindestabstände angeordnet worden. Keiner dieser Soldaten sei erkrankt, bei nur 15 Prozent wurden Antikörper nachgewiesen.

Mehrere Studien ausgewertet

Reisinger und sein Team kommen nach Auswertung mehrerer Studien zum Schluss, dass die Komplikations- und Todesraten in Ländern niedrig blieben, in denen die Mund-Nasen-Bedeckung weit verbreitet ist. Dies gelte etwa für Japan, Hongkong oder Südkorea, wo Masken während der Erkältungssaison bereits vor der Covid-19-Pandemie üblich waren. Dagegen hätten in anderen Ländern widersprüchliche Botschaften die Menschen verwirrt und die Einhaltung der Maskenpflicht vermindert. „Neben klarer Kommunikation hat die Vorbildwirkung der Verantwortungsträger eine entscheidende Bedeutung”, sagte Reisinger.

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Um die Übertragung von Coronaviren in Alltagssituationen deutlich zu reduzieren, reichten in aller Regel Stoffmasken aus, betonte der Experte. Allerdings sollten sie aus wenigstens drei Lagen dichtem Stoff bestehen. Für risikoreiche Tätigkeiten, insbesondere bei Patienten mit SArs-CoV-2-Infektion empfehle das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine besser schützende FFP2-Maske für das Gesundheitspersonal.

Das nun in Bussen, Bahnen und Geschäften OP-Masken, FFP2- oder KN95-Masken getragen werden müssen, war beim Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Rostock, Andreas Podbielski, auf Skepsis gestoßen. „FFP2-Masken sind für Profis in Profi-Situationen gedacht”, sagte er. „Die FFP2-Masken bieten einen merklichen Atemwiderstand.” Deshalb werde im Arbeitsrecht eine maximale Tragedauer von 75 Minuten mit einer anschließenden Erholungszeit von 30 Minuten empfohlen.

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